Ueli Steck
Bei der Landung in Nepal erfuhr Fotograf Bösch vom Tod seines Freundes

Als Fotograf hat Robert Bösch Ueli Steck rund 20 Jahre begleitet. Aus guter Zusammenarbeit sei eine intensive Freundschaft entstanden. In einem Nachruf äussert sich Bösch zum tragischen Tod seines Freundes und wie er davon erfuhr.

Chantal Gisler
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Robert Bösch (l.) mit Ueli Steck im Mont-Blanc-Gebiet.

Robert Bösch (l.) mit Ueli Steck im Mont-Blanc-Gebiet.

Robert Bösch

Wochenlang hatte er sich vorbereitet. War alle Möglichkeiten im Kopf durchgegangen. Er wollte Stecks Everest-Lhotse-Projekt im Himalaya fotografisch zu dokumentieren. Robert Bösch ist Bergsteigerfotograf und war zwanzig Jahre gut mit Steck befreundet. "Waren es am Anfang unserer Bekanntschaft einige – zum Teil wilde – Fotoprojekte, so kamen danach viele Klettereien und Bergtouren dazu", schreibt der Fotograf in seinem Nachruf, der auf dem Onlineportal bergsteiger.de erschienen ist.

Als Ueli Steck am 30. April am Nuptse in den Tod stürzte, landete Robert Bösch in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal. Bei seiner Ankunft dann der Schock. "Am Flughafen wartete Dendi Sherpa auf mich. Kein Lächeln, nur der leise gesprochene Satz 'I have very bad news, Ueli is dead.'", erzählt Bösch in seinem Bericht. Er hatte gehofft, dass noch ein zweiter Bergsteiger an diesem Morgen unterwegs gewesen ist. Dass es ein Irrtum sei. Später durch das Telefonat mit dem Helikopterpilot die Gewissheit: "Kein Irrtum. Gewissheit. Einer der weltbesten Bergsteiger ist tot."

Abendrot am Mount Everest: Hier verstarb Ueli Steck am Sonntag, 30. April, bei einer Trainingsexpedition.
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Ueli Steck wird nach seinem Tod nach Kathmandu gebracht
Per Helikopter wird der Leichnam von Ueli Steck ins Spital von Kathmandu gebracht.

Abendrot am Mount Everest: Hier verstarb Ueli Steck am Sonntag, 30. April, bei einer Trainingsexpedition.

KEVIN FRAYER

Seine Grenzen ausloten

1977 lernte Robert Bösch den Bergsteiger bei einer Eiskletter-Foto-Aktion kennen. "Ich ahnte nicht, dass daraus eine langjährige Freundschaft werden sollte", schreibt der Fotograf. Er habe auch nicht geahnt, dass Ueli Steck einer der berühmtesten Bergsteiger werden würde. Steck sei damals ein starker, ambitionierter junger Kletterer gewesen. Er suchte die mediale Präsenz, denn: "Profibergsteigen geht nicht ohne Sponsoring und Medien." Doch was ihn ausmachte, war nicht der "Speed", sondern seine Geschwindigkeit.

"Seine Schnelligkeit war der Schlüssel zu seinen grossen Erfolgen im Himalaya." Er habe stets versucht, seine Grenzen auszuloten. Nach seiner Solo-Erstbegehung durch die 2500 Meter hohe Annapurna-Südwand habe er zu Bösch gesagt, dass er das nicht mehr machen würde. Er sei sich der Grenzen bei seinem Tun sehr bewusst gewesen, aber da sei er viel zu weit über das Limit hinausgegangen.

Dennoch brachte ihm genau das seinen Erfolg ein. "The Swiss machine", den Speedbergsteiger, den Rekordbergsteiger nannte man ihn. Die Schattenseiten der Berühmtheit bekam jedoch auch er zu spüren. "Ueli Steck war zu sensibel, als dass solche, zum Teil massiven Anfeindungen einfach an ihm abgeprallt wären", schreibt Bösch. Seine Frau habe ihm dabei stets zur Seite gestanden. "Sie war ihm ein zentraler Halt und Fixpunkt in seinem intensiven und unsteten Leben." Mit ihr habe er die Faszination zum Bergsteigen teilen können.

Er werde ihm sehr fehlen. Ein "Du, wir sollten mal wieder etwas zusammen machen", das werde es nicht mehr geben.