Clive Bucher, welche Erlebnisse in Ihrer Kindheit haben Sie geprägt?

Prägend ist, wenn man von zu Hause wegmuss. Im Heim hat man nicht immer jemanden, wenn es einem schlecht geht. Man lebt in einer Gruppe und ist auf sich alleine gestellt. Das hat aber auch sein Gutes.

Was denn?

Man wird abgehärtet und aufs Leben vorbereitet. Ich musste im Alter von 13 Jahren bügeln, waschen und kochen. Es gibt Menschen in meinem Alter, die können das bis heute nicht. Das Schöne ist, dass man viele Persönlichkeiten kennen lernt und Sachen erlebt. Wir gingen beispielsweise klettern und wandern. Das hat uns Kinder zusammengeschweisst.

Wie nah standen Sie den anderen Kindern?

Man lebt zusammen und erlebt viel gemeinsam. Es ist, wie wenn man einen Bruder oder eine Schwester hat.

Haben Sie noch Kontakt?

Nein, die kenne ich alle nicht mehr. Es ist im Moment intensiv, aber das ist jetzt teilweise mehr als zehn Jahre her.

Weshalb kamen Sie ins Heim?

Das waren verschiedene Gründe. Meine Mutter war jung und alleinerziehend, und deshalb entschied der Beistand, dass es besser für mich ist, in einem geschützten Rahmen aufzuwachsen.

Wie stehen Sie zur Mutter?

Das Verhältnis war immer super. Ich war ja nicht im Kinderheim eingesperrt gewesen. Ich bin jedes Wochenende nach Hause gegangen. Meinen Vater habe ich erst später kennen gelernt.

Wären Sie lieber in einer Pflegefamilie gross geworden?

Nein, definitiv nicht. Meine Familie bleibt meine Familie. Eine Pflegefamilie wäre mir zu nahe. Aber da spreche ich nur für mich. Ich will nicht mit fremden Leuten so eng sein. Ich hatte im Kinderheim zwar eine Nonne, die war wie eine Mutter für mich. Sie hat zu mir geschaut, als ob ich ihr Kind wäre. Bei ihr war ich sehr gut aufgehoben und sie gab mir Geborgenheit. Aber das hat sich so ergeben. (aba)