Das Gehirn organisiert sich schon früh in der Entwicklung so, dass es die Sprache als solche erkennen und entschlüsseln kann, wie die Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten.

Das Team von der Université de Picardie Jules Vernes in Amiens hatte zwölf Frühchen untersucht, die zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen waren. Das Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll ausgereift.

Mit speziellen Messgeräten, die am Brutkasten eingesetzt werden können, überprüften die Forscher bei den schlafenden Babys, wie sich die Aktivität der Gehirne als Reaktion auf verschiedene Silben und Stimmen änderte.

Die Experten um Mahdi Mahmoudzadeh fanden heraus, dass selbst feine sprachliche Unterschiede - zum Beispiel ein Lautwechsel von "Ba" zu "Ga" - im Gehirn wahrgenommen wird. Diese Unterscheidung sei sehr schwierig, bei Menschen mit Hörproblemen ginge die Fähigkeit dazu schnell verloren.

Mann und Frau unterscheiden

Und auch die jüngsten Babys konnten schon männliche und weibliche Stimmen unterscheiden. Das rechte Frontalhirn reagierte sowohl auf die unterschiedlichen Laute als auch auf die verschiedenen Stimmen, berichten die Wissenschaftler weiter. Das linke reagierte hingegen nur auf die Lautverschiebung. Ein Grund dafür sei vermutlich, dass sich die rechte Seite einige Wochen vor der linken entwickle.

Fazit der Forscher: Das Gehirn bereite sich schon Monate vor der Geburt auf die Verarbeitung von Sprache vor. Ihre Untersuchung zeige, dass angeborene Faktoren dabei scheinbar eine grössere Rolle spielten als die Auseinandersetzung mit der Umwelt, schreiben sie im Fachblatt.