Alfons Egloff

Angstfrei ins Alter

Alfons Egloff geht in Pension, nachdem er 20 Jahre lang das Alters- und Pflegeheim St. Bernhard in Wettingen geleitet hat. Foto: bär

Angstfrei ins Alter

Alfons Egloff geht in Pension, nachdem er 20 Jahre lang das Alters- und Pflegeheim St. Bernhard in Wettingen geleitet hat. Foto: bär

Nach 20 Jahren als Direktor kennt er nicht nur die 130 Mitarbeiter beim Namen, sondern auch die 116 Bewohnerinnen und Bewohner. Gestern hat Alfons Egloff seinen Schlüssel abgegeben. Er geht in Pension.

Melanie Bär

«Grüezi Herr Müller, hätten Sie nicht Lust, ein bisschen zu jassen?», fragt Alfons Egloff einen älteren Herrn, der ihm auf dem Gang im Altersheim gerade entgegenkommt. Doch dieser will nicht und so vertröstet Egloff zwei andere Männer, die im Speisesaal vergebens weitere Spielpartner suchen. «Bald habe ich mehr Zeit, dann werde ich mit euch jassen», vertröstet der Verwaltungsdirektor die beide Spielfreudigen.

Gestern hat Alfons Egloff den Schlüssel seinem Nachfolger Andreas Notz abgegeben. «Ich bin froh und habe überhaupt keine Mühe loszulassen», sagt der Vater zweier erwachsener Söhne ein paar Tage davor. «Ich bin mit dem Alter vertraut und weiss, was auf mich zukommt». 20 Jahre lang war der 65-Jährige Verwaltungsdirektor im Alters- und Pflegeheim St. Bernhard.
Als Mitglied der Baukommission ist er aber schon seit 1972 mit dem Heim vertraut. Nachdem es zu Problemen mit der Heimleitung kam, hat man vor zwanzig Jahren ein Leitungsteam gebildet und Egloff als Verwaltungsdirektor eingesetzt.

Was hat sich denn geändert in den letzten zwanzig Jahren? «Anfangs haben sich Kollegen mitleidig geäussert, ob ich zu den Alten gehe. Später haben sie meine Ratschläge geholt, wenn sie Hilfe bei der Platzierung ihrer Eltern oder Bekannten brauchten.» Denn trotz ständigen Erweiterungen ist es weiterhin schwierig, auf die Schnelle einen Platz im Alters- oder Pflegeheim zu finden. Die Pflegewohnungen sind zu 100 % belegt, das St. Bernhard nahezu. «Heute kommen die Bewohner später und für kürzere Zeit ins Heim.» Im Durchschnitt sind die Bewohner im St. Bernhard 86 Jahre alt und bleiben 3 Jahre und 113 Tage im Heim.

«Einige erleben bei uns Schönes, wie sie es zeitlebens nicht erlebt haben», sagt Egloff, «und viele sind erstaunt, welch vertraute Atmosphäre im St. Bernhard herrscht.» Neben der Pflege ist auch das Essen mitentscheidend, ob es den Bewohnern gefällt oder nicht. Mit dem «Tröttlihit», einem exklusiven Menü auch für Externe, hat das St. Bernhard ein Angebot geschaffen, damit das Heim auch von Aussenstehenden besucht wird. «Ebenso wie die Ausstellungen, die wir als eines der ersten Heime immer wieder organisieren», sagt Egloff mit Blick auf die momentane Ausstellung von Quiltbildern aus Stoff.

Sich selber und seine Frau hat Egloff noch nicht auf die Heim-Warteliste setzen lassen. «Das werde ich tun, wenn wir etwa 70- oder 75-jährig sind», sagt Egloff. Und obwohl er mittlerweile den Direktoren-Schlüssel abgegeben hat, wird er auch weiterhin regelmässig im St. Bernhard anzutreffen sein: zum Jassen oder um die eigene Mutter zu besuchen.

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