Caminada war erst 2005 von den GaultMillau-Testern entdeckt und 2007 zum Aufsteiger des Jahres erkoren worden. Im Jahr darauf bekam er 18 Punkte und dazu den ersten "Koch des Jahres"-Titel. Mit dem 19. Punkt sei die erneute Krone zwingend, hiess es bei der Präsentation des GaultMillau 2010 am Montag in Basel.

Der 32-jährige Rätoromane Caminada kratzt ein wenig an der Dominanz der Westschweizer Küchen im 19-Punkte-Club. Nicht weniger als fünf der acht besten Schweizer Köche haben ihr Wirkungsfeld in der Romandie. In der Deutschschweiz bleiben Horst Petermann in Küsnacht ZH und André Jaeger in Schaffhausen mit 19 Punkten in der Topliga. Für GaultMillau-Chefredaktor Urs Heller hat die Romandie 30 Jahre Vorsprung gegenüber der Deutschen Schweiz; die hole aber auf.

Quasi im Wartezimmer des 19er-Clubs ist die Französin Anne-Sophie Pic vom "Beau-Rivage" in Lausanne: Weil Frankreichs erste Dreisterneköchin dort derzeit nur Teilzeit arbeitet und in Valence (F) lebt, wartet GaultMillau noch zu mit einer Bewertung.

Insgesamt bewertete der Gastroführer 816 Restaurants in der ganzen Schweiz, fünf mehr als im Vorjahr. Die noch nie vergebene Höchstnote 20 erkochte sich auch heuer keiner der Starköche. 82 Küchen sind aufgestiegen, 41 ab. Zudem sind 72 Restaurants nicht mehr gelistet, teils wegen Betriebsaufgabe.

Heller gab sich positiv überrascht, dass nicht mehr Lokale der Krise zum Opfer gefallen sind. Von den gut 800 GaultMillau-Lokalen zählten rund 100 zur Spitze, und diese müssten eben langfristig wirtschaften - die Topköche seien daher heute "nicht nervös". Man spare vielleicht beim Personal oder kaufe noch mehr regional ein.