Vermischtes

Lehrlingstod verjährt ungesühnt – ehemaliger Staatsanwalt freigesprochen

Der tödliche Unfall eines Lehrlings verjährte wegen Verzögerungen. Nun stand der ehemalige Innerrhoder Staatsanwalt vor Gericht. (Symbolbild)

Der tödliche Unfall eines Lehrlings verjährte wegen Verzögerungen. Nun stand der ehemalige Innerrhoder Staatsanwalt vor Gericht. (Symbolbild)

Weil der Unfalltod eines Lehrlings ungesühnt verjährte, stand in Appenzell am Dienstag der ehemalige Innerrhoder Staatsanwalt vor Gericht – und wurde freigesprochen. Laut Gericht heisst das aber nicht, dass keine Fehler passiert sind.

Der Hintergrund: Am 17. September 2010 starb ein 17-jähriger Lehrling in einer Autogarage in Appenzell, weil er in einem Warenlift eingeklemmt worden war. Bereits zuvor war der Lift durch das Arbeitsinspektorat beanstandet und der Lieferant dazu aufgefordert worden, die Mängel zu beheben. Dennoch lief der Lift ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen weiter.

Staatsanwalt Herbert Brogli leitete in der Folge zwar Untersuchungen ein. Diese verzögerten sich aber derart, dass erst sechseinhalb Jahre später die Anklage gegen drei Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung beim Bezirksgericht Appenzell eingereicht wurde – gegen den Leiter des Lehrbetriebs, den Lehrmeister sowie den Hersteller des Warenlifts. Vor Gericht ist der eigentlich Fall allerdings nicht mehr gelandet. Im September 2017 stellte das Innerrhoder Bezirksgericht das Verfahren ein, weil die Verjährungsfrist abgelaufen war.

Herbert Brogli, der nach einem externen Untersuchungsbericht 2018 als Innerrhoder Staatsanwalt freigestellt worden war und anschliessend kündigte, begründete das Versäumnis vor Gericht mit der Arbeitslast, der er als alleiniger Staatsanwalt nicht gewachsen gewesen sei. Er habe pro Jahr über 200 Überstunden angehäuft, sagte er vor dem Richtergremium. Mehrmals habe er bei der Regierung gebeten, die personellen Ressourcen aufzustocken, jedoch ohne Erfolg.

Ausserordentlicher Staatsanwalt unterliegt mit Forderung

Brogli sagte am Dienstag vor Gericht in Appenzell: «Es war nie meine Absicht, dass das Verfahren verjährt.» Er habe den Fall vielleicht verschlampt, sagte sein Verteidiger, aber keinesfalls vorsätzlich in Kauf genommen, dass er verjährt. Der Verteidiger Broglis forderte, dass sein Mandant freigesprochen wird. Die Richter folgten dieser Argumentation. Es gebe keinerlei Anzeichen, dass Brogli den Fall bewusst verjähren liess, hiess es in der Urteilsverkündung.

Der Fall hätte nach spätestens eineinhalb Jahren abgeschlossen gehört, hatte dagegen die Anklage ausgeführt. Der ausserordentliche Staatsanwalt forderte für den ehemaligen Innerrhoder Staatsanwalt Hermann Brogli darum wegen mehrfacher Begünstigung in drei Fällen eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren.

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