Vermischtes

Homeoffice führt Spielsüchtige und Alkoholabhängige in Versuchung

Weil zu Hause niemand anderes auf den Bildschirm schauen kann, ist die Versuchung für Spielsüchtige grösser. (Symbolbild)

Weil zu Hause niemand anderes auf den Bildschirm schauen kann, ist die Versuchung für Spielsüchtige grösser. (Symbolbild)

Das Coronavirus zwingt viele Menschen zu Homeoffice. Weil dadurch eine Kontrollfunktion verloren geht, sind Suchtkranke einem höheren Risiko ausgesetzt. Die Nachfrage nach Methadonprogrammen ist stark angestiegen.

Im normalen Alltag gehen viele Suchtkranke ihren täglichen Tätigkeiten nach. Sie haben einen geregelten Tagesablauf, arbeiten in Grossraumbüros und pflegen soziale Kontakte. Durch das Coronavirus fällt diese Normalität nun weg. Weil damit auch die soziale Kontrolle verloren geht, sind etwa Spielsüchtige oder Alkoholabhängige einer stärkeren Versuchung ausgesetzt.

«Im Homeoffice schaut einem niemand auf die Hände. Dadurch wird die Versuchung, zu konsumieren bei Menschen mit einer Suchterkrankung viel höher», erklärt Regine Rust, Geschäftsleiterin der Suchthilfe St. Gallen. Niemand würde es merken, wenn jemand den ganzen Tag Webseiten von Online-Casinos besuche.

Anfragen für Beratungsangebote von Spielsüchtigen oder Alkoholabhängigen haben bei der Suchthilfe St. Gallen seit den Einschränkungen des Bundesrates zugenommen. Die Beratungen werden nach wie vor persönlich, per Telefon, E-Mail oder Videochat durchgeführt.

Nachfrage nach Methadonprogrammen steigt

Generell erhöhe die Coronapandemie das Risiko für mehr Konsum. «Mit ihrem Suchtverhalten regulieren unsere Klienten Stress«, sagt Rust. Die Geschäftsleiterin vermutet, dass infolge der geschlossenen Grenzen weniger Stoff im Umlauf sei oder die Qualität der Drogen abnehme. Besonders gefragt seien nun deshalb Methadonprogramme. «Es ist wichtig, dass in diesen Zeiten genügend Ersatzstoffe vorhanden sind», betont Rust.

Die Suchthilfe St. Gallen verzeichnete in den letzten Tagen eine gestiegene Nachfrage nach dem Methadonprogramm. Weil sich die Klienten als auch die Angestellten an die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit halten, könnten Personen das Programm nur noch einzeln absolvieren. Die Folge: Eine längere Dauer und Überstunden für die Angestellten.

Eine vergleichbare Entwicklung stellt auch die Luzerner Gassenküche fest. «Wir arbeiten eng mit der Luzerner Psychiatrie zusammen und konnten einige Drogenabhängige in einem Substitutionsprogramm unterbringen», erklärte Geschäftsführerin Franziska Reist. Denn der Stoff werde nicht nur knapp, sondern auch teurer. «Die Suchtkranken stehen unter enormen Druck, das führt auch zu einer angespannten Atmosphäre.»

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