Forschung

Gehörlose sehen transparente Maske als Chance gegen Diskriminierung

Hoffnung für Gehörlose: Die neue, vollständig transparente Gesichtsmaske, welche Forscher der EPFL in Lausanne und der Empa entwickelt haben.

Hoffnung für Gehörlose: Die neue, vollständig transparente Gesichtsmaske, welche Forscher der EPFL in Lausanne und der Empa entwickelt haben.

Gehörlose begrüssen die Entwicklung der ersten transparenten Maske durch Forscher der EPFL Lausanne. Weil damit Lippenlesen auch in Coronazeiten wieder möglich wird sinke das Risiko von Diskriminierungen.

(nst) Die Idee von durchsichtigen Gesichtsmasken ist nicht neu. Erst recht nicht seit dem Ausbruch der Coronakrise. Online sind jedenfalls einige Prototypen von Masken zu finden, in die eine Kunststoffschicht integriert wurden. Doch nun haben Forscher der EPFL in Lausanne mit der Eidgenössischen Prüfanstalt Empa in zwei Jahren eine vollständig transparente Maske entwickelt. Diese soll die Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patienten verbessern und vereinfachen. Zudem kann damit frei geatmet werden und sie laufen nicht feucht an. Das eigens dafür gegründete Startup Hmcare will die «Hello Mask» vertreiben und herstellen. Womöglich sogar in der Schweiz.

Unter herkömmlichen Gesichtsmasken leiden aber besonders auch Gehörlose. Dies weil die Lippen nicht sichtbar sind und ein Grossteil des Gesichts verborgen ist. Das beeinträchtigt die nonverbale Kommunikation stark. «Wir begrüssen die Entwicklung dieser neuartigen Maske sehr», sagt Sandrine Burgener, Sprecherin des Schweizerischen Gehörlosenbunds, auf Anfrage von CH Media. Diese Entwicklung könne eine grosse Hilfe sein im Alltag von Gehörlosen. Direkten Kontakt mit den Forschenden oder dem neuen Startup habe ihre Organisation allerdings noch keine gehabt.

Bereits vor Wochen transparente Masken gefordert

Da immer mehr Personen wegen des Coronavirus Schutzmasken tragen, forderte der Gehörlosenbund bereits Ende April transparente Masken. Frühestens Anfang 2021, wenn Hmcare die Markteinführung plant, könnte der Wunsch der Gehörlosen in Erfüllung gehen. Die aktuelle Situation verursache nämlich Stress und sei äusserst belastend für gehörlose Menschen, argumentierte der Gehörlosenbund im April. Dies weil sie nicht mehr wie gewohnt von den Lippen ihrer Gesprächspartner ablesen könnten.

Laut seiner jährlichen Statistik werden Gehörlose noch immer systematisch diskriminiert, obwohl der Schutz vor Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung eigentlich mehrfach gesetzlich verankert sei. Die transparenten Masken könnten hierbei langfristig eine praktische Hilfestellung bieten, argumentiert der Gehörlosenbund.

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