Polizeiruf 110

«Einer muss ja das Mädchen sein»

Claudia Michelsen ist eine renommierte deutsche Schauspielerin. Bekannt aus eher stillen Rollen, liess sie es als neue Kommissarin bei «Polizeiruf 110» so richtig krachen. 8, 59 Mio. Zuschauer sahen hin.

Der am Sonntagabend ausgestrahlte «Polizeiruf 110» spielt in Magdeburg. Erster Auftritt Claudia Michelsen (44): Lederjacke, Bar, Hilfestellung an ein sich übergebendes Mädchen, kurzes, schmutziges Baggern an der Bar mit einem Jüngling («Komm mit, dann zeig ichs Dir»), den sie zuvor mit etlich gemeinsam gekippten Schnapsgläsern besoffen machte...

Zweiter Auftritt: Auf der Maschine über die Treppe und den nicht ganz angstfreien Assistenten auf dem Sozius. Lederjacke und Biker-Boots, massive Hormon-Ausschüttungen und hohes Aggressionspotential: So eine schüchtert Kerle schnell ein. Hat als Doreen Brasch mit 17 einen Sohn bekommen, den sie nie recht in ihr Partyleben integrieren konnte, führte Beziehungen mit Kriminellen. Was für eine Vita.

Sylvester Groth gibt ihren ermittelnden Partner. Als Hauptkommissar Jochen Drexler ist er ihr pures Gegenteil: Hat immer im Stillen gearbeitet, benutzt brav öffentliche Verkehrsmittel, isst zum Frühstück Salat aus der Tupper-Dose und parliert fast akzentfrei Französisch.

Kontrastreiches Duo

Lady Kracher und Kommissar Rohkost: Das ist eine Kombi, mit der die Macher eine Reminenz an das leider aufgelöste «Tatort»-Paar Joachim Krol und Nina Kunzendorf anlehnen (wir erinnern uns: Die Sexbombe und der introvertierte Jazzsnob) schaffen wollen. Noch ist es nicht ganz geglückt. Doch ein Ereignis bleibt die Michelsen. Als weiblicher Schimanski darf sie sich mit jungen Mänenrn prügeln, Zeugen nötigen und ihr Motorrad zu Schrott fahren. Ihre Kunst manifestiert sich dann aber eher in den leisen Szenen, als sie im rechtsradikalen Milieu ihren hassserfüllten Sohn wahrnimmt und seien Unschuld beweisen muss.

Claudia Michelsen wurde bereits mit 16 Jahren Schülerin der Ernst-Busch-Schauspielschule. Mit 19 debütierte die Dresdnerin an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz als Ophelia, sie war 22, als der französische Regiestar Jean-Luc Godard DDR-Kind Claudia Michelsen für seinen Film „Allemagne 90 Neuf zéro" engagieren wollte. Die ganz auf die Theaterwelt konzentrierte Schauspielerin fragte zurück: „Godard, wer ist das?" Kürzlich wurde sie für ihre Rolle im Zweiteiler «Der Turm» ausgezeichnet.

Privat war sie nach einer gescheiterten ersten Ehe über 10 Jahre mit dem Schweizer Schauspieler Anatole Taubmann liiert. Aus der Verbindung entstammt Tochter Tara (10). Vor wenigen Wochen bestätigte Michelsen die bereits vor Monaten erfolgte Trennung. Beide leben in Berlin. (cls)

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