Vermischtes

Die Kantone Uri und Schwyz betreiben künftig den «Weg der Schweiz»

Nach 32 Jahren ist Schluss: Am Montag ist die Stiftung «Weg der Schweiz» aufgelöst worden. Sie wird bis Ende Jahr abgewickelt. Am beliebten Wanderweg durch die Zentralschweiz soll das nichts ändern.

Am Montag zeigte sich der Spätsommer von seiner besten Seite, als sich die MS Flüelen ab Brunnen zu einer ganz speziellen Sonderfahrt min Bewegung setzte. Rund 70 geladene Gäste aus allen Kantonen durften auf dem Urnersee eine Rundfahrt geniessen, bei der ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit verschiedenen kulturellen Einlagen geboten wurde. Nebst Auftritten von Alphornbläsern und Fahnenschwinger gab es auch eine Vorstellung der Theatergruppe Seelisberg.

Mit dem kurzen Dialektstück «Es sollte nicht so sein», nahm sie mit viel Witz und Humor die bewegte Entstehungsgeschichte des Wegs der Schweiz auf die Schippe: Bekanntlich erlitt die Idee einer Landesausstellung im Jahr 1991 an der Volksabstimmung im April 1987 Schiffbruch. Als einziger Bestandteil des CH91-Kozepts hat bis heute der Weg der Schweiz überdauert.

Schulkinder mit Kantonsfahnen auf dem «Weg der Schweiz» aus Anlass des 25. Geburtstag des 1991 errichteten Zentralschweizer Wanderweg.

Schulkinder mit Kantonsfahnen auf dem «Weg der Schweiz» aus Anlass des 25. Geburtstag des 1991 errichteten Zentralschweizer Wanderweg.

Kantone erhalten «Mitgift» von drei Millionen Franken

Zur Erstellung und für den Unterhalt des 35 Kilometer langen Wanderwegs rund um den Urnersee gründeten die Kantone 1988 die Stiftung Weg der Schweiz. 32 Jahre nach der Gründung erachtet die Stiftung ihren Zweck als erfüllt. Sie ist gestern im Rahmen des Abschlussanlasses auf der MS Flüelen aufgelöst worden. Neu zeichnen künftig die beiden Standortkantone Uri und Schwyz für den Weg der Schweiz verantwortlich. Um den Betrieb und Unterhalt des nach wie vor sehr beliebten Wanderwegs, der jährlich rund 200 000 Gäste anlockt, sicherzustellen, erhalten die beiden Urschweizer Kantone quasi als Mitgift das verbleibende Stiftungskapital von rund drei Millionen Franken.

Der Schwyzer Regierungsrat Andreas Barraud, letzter Präsident der Stiftung Weg der Schweiz, konnte – nebst aktuellen und ehemaligen Vertretern der Kantone – auch Wegmeister und Tourismusvertreter zum Abschlussevent willkommen heissen. Für Uri war Regierungsrat Daniel Furrer zugegen. In seiner Begrüssungsansprache betonte Barraud: «Wir dürfen heute mit Stolz auf 29 erfolgreiche Jahre Weg der Schweiz zurückblicken.» Dieser Weg, der vom Rütli nach Brunnen führt, sei das grosszügige Geschenk aller Kantone an die Eidgenossenschaft zum 700-Jahr-Jubiläum. «Er symbolisiert die Entstehung der Schweiz in der Landschaft rund um den Urnersee.» Bei der Auflösung der Stiftung habe er ein weinendes und ein lachendes Auge, wobei das lachende überwiege. «Ich weiss, dass mit der Abtretung aller Rechte und Pflichten an die Standortkantone der Bestand, der Erhalt sowie die Weiterführung dieses Bauwerks langfristig gesichert ist.» Garant dafür sei das verbleibende Stiftungskapital. «Zudem bin ich überzeugt, dass Uri und Schwyz auch künftig keinen Rummelplatz, keine Rennbahn oder keinen Jahrmarkt wollen, sondern sich weiterhin an der ursprünglichen Philosophie von 1991 orientieren werden», so Barraud.

In Brunnen (Bild) endet der Weg der Schweiz.

In Brunnen (Bild) endet der Weg der Schweiz.

Vor einem Jahr haben die Uri Tourismus AG, die Schwyz Tourismus AG und die Erlebnisregion Mythen gemeinsam die IG Wiege der Schweiz aus der Taufe gehoben. Deren Ziel besteht darin, den Gästen die Schweizer Gründungsgeschichte rund um den Urnersee erlebbar zu machen. Hierzu sollen die bestehenden Attraktionen wie der Weg der Schweiz mit neuen Angeboten ergänzt und insbesondere über die digitalen Kanäle beworben werden.

Im Rahmen der gestrigen Urnersee-Rundfahrt stellten Barraud und der langjährige Geschäftsführer Peter Durisin eine Abschlussbroschüre der Stiftung Weg der Schweiz vor. Diese ist in deutscher, französischer sowie italienischer Sprache erschienen und fasst die rund 30-jährige Geschichte des attraktiv angelegten Wanderwegs aus verschiedenen Blickwinkeln zusammen. «Diese Broschüre soll kein Nachruf auf den Weg, sondern in erster Linie ein Dank an die Stifter und ihre Helfer, die ihn gebaut, gehegt und gepflegt haben, sein», erklärte Barraud.

Von links: Die Regierungsräte Daniel Furrer und Andreas Barraud sowie Stiftungsgeschäftsführer Peter Durisin stellen eine Abschlussbroschüre vor.

Von links: Die Regierungsräte Daniel Furrer und Andreas Barraud sowie Stiftungsgeschäftsführer Peter Durisin stellen eine Abschlussbroschüre vor.

Das 23-seitige Werk beinhaltet unter anderem auch ein Interview mit Barraud und Heidi Z’graggen, Ständerätin und vormalige Justizdirektorin des Kantons Uri. Die Schlussfrage «Ende gut, alles gut?» beantwortet der Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Schwyz folgendermassen: «Wir haben eine Win-win-Situation. Das war immer unser Ziel: Es soll nur Gewinner geben.» Z’graggen zur gleichen Frage: «Ja, es wäre sicher auch schön gewesen, wenn die Stiftung am Leben geblieben wäre, aber letztlich muss man Lösungen finden, wenn es nicht mehr so geht, wie es war. So ist das wirklich eine gute, zukunftsfähige Lösung.»

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