Hollande. Julie Gayet
Das Prinzip Hollande oder die Faszination der Mätressen

In Frankreichs staatliche Einrichtungen, gelten Mätressen häufig als die geheimen Herrscherinnen, deren Verführungskraft so manche Potentaten unterlagen. Ihretwegen verstrickten sich Landesherren in dramatische Konflikte zwischen Liebe und Macht.

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Mätressen: Die geheime Macht der Frauen
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François Hollande mit PartnerinValérie Trierweiler. KEY
Julia Farnese, die Geliebte von Rodrigo Borgia, Papst Alexander VI.
Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, Marquise de Montespan, Mätresse von Ludwig IV. von Frankreich.
Madame du Barry, bekannteste Geleibete von Ludwig XV. von Frankreich.
Madame de Pompadour, bekannteste Liebhaberin, Freundin und Ratgeberin von Ludwig XV.
Portrait der Lucrezia Borgia, die Femme fatale der Rennaissance.

Mätressen: Die geheime Macht der Frauen

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Sie sind die Gloriolen des Lasters, die geheimen Liebschaften der Mächtigen. So manch eine brachte es zu Ruhm, bekannte Namen aus der Historie sind uns nur allzu bekannt. Besonders England und Frankreich gelten als traditionsreich, was die Tradition von nicht ehelichen Gespielinnen angeht. Valérie Trierweiler, seit acht Jahren Lebensgefährtin von Frankreichs Premier François Hollande, war selbst einmal die Mätresse des Mannes, der nun in den Schlagzeilen ist wegen einer erotischen Liaison mit einer nicht ganz unbekannten Schauspielerin. Als Hollande noch mit Ségolène Royal verheiratet war, war sie die Maitresse en titre, die anschliessend ins Elysée einzog. Nun hat sie womöglich diesen Status verloren, und muss, es ist bekannt, etwas dramatisch, in einer Klinik ihren «coup de blues» - so nennen die Franzosen eine kurzzeitige Stimmungsschwankung - auskurieren.

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Seitenweise füllt das präsidentielle Liebesleben die Gazetten und seriöse Blätter - und geben damit der Faszination Nahrung. Mätressen faszinieren noch heute, weil sie ihre Männer nicht nur durch Schönheit, sondern auch durch Klugheit eroberten, weil sie Macht gewannen und diese zu nutzen verstanden. Mätressen verdanken ihren Erfolg weder Heirat noch Abstammung, sondern eigenem Handeln. Die bekanntesten unter ihnen haben glanzvollen Epochen ihr Gepräge gegeben, dem Rom der Renaissance-Päpste ebenso wie dem Istanbul der Osmanen-Herrscher und dem Versailles des Sonnenkönigs.

Diane - Kurtisane von Frankreich

König Franz I. herrscht im 16. Jahrhundert in Frankreich. Er lernt die junge Gräfin Diane de Brézé kennen, als diese sich für ihren Mann einsetzt, der angeblich an einer Verschwörung gegen den König beteiligt war. Franz I. findet Gefallen an Diane und bittet sie, seinem ungeschliffenen Sohn Heinrich höfische Manieren beizubringen, ehe er ihn aus politischen Gründen mit der jungen Katharina von Medici verheiratet. Heinrich und Diane verlieben sich ineinander und beginnen eine leidenschaftliche Affäre

Als Katharina von Medici an den französischen Hof kommt, bleibt ihr nicht lange verborgen, wie Diane zu Prinz Heinrich steht. Sie beginnt ihre Rivalin zu hassen. Auch als der Prinz nach dem Tod seines Vaters und seines älteren Bruders als Heinrich II. den Thron besteigt, hält er zu Diane. Doch bei einem glanzvollen Turnier wird er Opfer einer heimtückischen Verschwörung und stirbt. Damit fällt alle Macht an Katharina. Diane muss mit dem Schlimmsten rechnen.

Die Geliebte des Königs

Als der Sonnenkönig Ludwig XIV., mächtigster Herrscher seiner Zeit und folglich von jeder Menge «Groupies» umringt, sich im Jahr 1661 eine Geliebte leistet, wird die Funktion einer Mätresse am Hof keineswegs als selbstverständlich hingenommen. Mit seiner öffentlich gelebten Bigamie stellt sich der Sonnenkönig bewusst über christliche Moral und staatliches Gesetz. Doch Louise de la Valière ist eigentlich zu nett für die Rolle einer dominanten Gebieterin über Macht und Sex; eine schüchterne Amazone, von moralischen Skrupeln geplagt. Sie wird vom König, den sie wirklich verehrt, bald stiefmütterlich behandelt und geht schließlich nach sieben Jahren Frust ins Kloster.

Ihre Freundin Madame de Montespan (1641 - 1707) hat da weit weniger Hemmungen, die Freundschaft zu ihren Gunsten und dem Schaden von Louise auszunutzen. Sie ist der Ansicht, der König brauche eine ihm ebenbürtige Mätresse. «Er ist es seinem Volk schuldig, die schönste Frau des Hofes zur Mätresse zu nehmen», sagt sie. Und mit der schönsten Frau meint sie natürlich sich selbst. Dass nicht nur der König, sondern auch sie selbst verheiratet ist, stört sie dabei nicht weiter. Dass ihr Mann eifersüchtig wird, führt nur zu Amüsement und Skandalen am Hof. Dass die Geistlichen an Hof König und Mätresse die Absolution verweigern, ist schon eher ein Problem.

Madame de Montespan erobert tatsächlich das Herz des Königs. Schönheit allein aber reicht nicht aus, um als Mätresse zu bestehen. Witz, gute Manieren, eine starke Persönlichkeit und leider ein aussergewöhnliches Talent zum Intrigieren gehören ebenso dazu. Das geht an die Kräfte - die Lebenserwartung der Höflinge ist geringer als die einfacher Bauern.

Zimperlich geht die Montespan nicht zu Werke. Eine Nebenbuhlerin wirft sie mit der Unterstellung aus dem Rennen, die Dame leide an Lepra und Krätze. In den 14 Jahren als Mätresse des Sonnenkönigs bringt die Montespan sieben Kinder zur Welt. Zur Erzieherin erwählt sie die stille Madame de Maintenon. Aber ausgerechnet die Maintenon verbündet sich mit der Königin und dem Klerus, um den König von seinem ehebrecherischen Lebenswandel abzubringen. Und ausgerechnet die scheinbar so sittenstrenge Maintenon wird nach dem Fall der Montespan neue und letzte Mätresse Ludwig XIV. und bringt ihn sogar dazu, sie heimlich zu heiraten.

Erst die französische Revolution macht dem nun offiziell am Hof anerkannten Amt der Mätresse ein Ende. Die letzte maitresse en titre, Madame Dubarry, stirbt 1793 unter der Guillotine.

Die Geliebte des Sultans

In der Mitte des 16. Jahrhunderts ist der prächtige Sultanspalast von Istanbul - der Topkapi Serail - das Zentrum des mächtigsten Reichs der Erde. Im Innersten des Palastes befindet sich mit dem Harem der am strengsten bewachte Ort des Reiches, den - von 800 afrikanischen Eunuchen abgesehen - nur ein Mann betreten darf: «Gottes Schatten auf Erden» - der Sultan Süleyman der Prächtige. Hunderte Frauen sind jahrelang dafür ausgebildet worden, um von ihm als Konkubine erwählt zu werden.

Mit welcher seiner Frauen der mächtigste Herrscher seiner Zeit, der die Türken bis vor Wien geführt hat, die Nacht verbringt, bestimmen strikte Regeln, gegen die selbst der Sultan nichts ausrichten kann. Doch die ukrainische Sklavin Roxelana bringt dieses System durcheinander. Sie fasziniert den Sultan mit ihrer Klugheit, ihrer Raffinesse und ihrer Leidenschaft. Sie bringt Süleyman dazu, die Gesetze des Harems zu brechen und nur noch mit ihr zu verkehren. Schliesslich führt der Sultan mit Roxelana sogar eine monogame Ehe. Er liebt sie, weil sie wie er etwas von Kunst versteht, Gedichte schreibt und ihn mit Ratschlägen versorgt

Als Roxelana 1558 stirbt, hat sie für ihren eigenen Sohn den Weg an die Macht frei gemacht. Die europäische Sicht des Harems ist von Klischees bestimmt. Orientalische Frauen werden ausschließlich als auf ihre laszive Ausstrahlung reduzierte Nymphen dargestellt. In Wahrheit kommt es, eingeleitet von Roxelana, zu einem in der islamischen Welt einzigartigen Vorgang: Haremssklavinnen erlangen ein Jahrhundert lang die Herrschaft über das Osmanische Reich. Während des «Sultanats der Frauen» wird hinter den Mauern des Harems in Istanbul Weltgeschichte geschrieben.

Erst 1909 wird der Herrscherharem endgültig aufgelöst, dem noch ungefähr 500 Sklavinnen angehören. Sie beenden ihr Leben als tragische Jahrmarktsattraktionen in Westeuropa.

Die Geliebte des Papstes

Die Marmorstatue einer jungen Frau neben dem Hauptaltar im Petersdom zu Rom birgt ein Geheimnis. Einst war diese erotische Skulptur nackt. Dann wurde sie unter einem Bleigewand verborgen. Noch heute fühlt sich die katholische Kirche durch diese Statue kompromittiert und möchte die skandalösen Spuren der eigenen Geschichte tilgen. Denn Julia Farnese, deren Antlitz hier verewigt ist, hat ihr Bett mit einem Papst geteilt.

Ihr Schicksal führt in das Italien der Renaissance. Dass selbst der Papst eine Mätresse und zahlreiche Kinder mit ihr hat, wirft ein grelles Licht auf jene Epoche. Mit seiner Mätresse Vannozza lebt Papst Alexander VI., der Borgia-Papst, nicht Ausschweifung und Sittenlosigkeit aus, sondern etwas ihm ebenso verbotenes: ein Familienleben. Vannozza ist die Mutter seiner Kinder, darunter der heute noch berühmt-berüchtigten Cesare, dem späteren Fürsten von Florenz und Lucrezia.

Als die erotische Anziehungskraft Vannozzas für den Papst schwindet, legt er sich eine neue Mätresse zu. Seine Wahl fällt auf die beste Freundin seiner Tochter, eben jene Julia Farnese. In Rom wird sie nur «Giulia Bella», die schöne Julia, genannt. Durch ihre Intrigen im Bett des Papstes beginnt der Aufstieg der Farnese von einem zweitrangigen Landadelsgeschlecht zur mächtigsten und reichsten Familie Roms.

Um seiner schönen Geliebten zu gefallen, verhilft Alexander VI. ihrem Bruder Alessandro Farnese zu einem steilen Aufstieg, macht ihn zum Kardinal. 1534 wird dieser selbst Papst. Und ausgerechnet er macht den zügellosen Sitten der Zeit ein Ende. Er gründet die römische Inquisition und leitet die Gegenreformation ein.