Dass die Mode zuweilen seltsame Blüten treibt, wissen wir längst. Und dass sie Kontroversen liebt, sowieso. Praktisch jede Saison taucht eine Strömung jenseits des guten Geschmacks auf, die, so die Hoffnung und meist auch die Realität, schnell wieder verschwindet. In diesem Jahr aber scheinen sich die Designer auf fragwürdige Kreationen geradezu eingeschworen zu haben. Haufenweise ärgern sie das Auge. So etwa die Ugly Sneakers – der Name sagt eigentlich schon alles. Inspiriert von den plateaubesohlten Buffalos, die in den 1990er-Jahren bis zum Beginn der Nullerjahre zur Standardausrüstung der Techno-Szene gehörten, kommen die hässlichen Turnschuhe mit extradicken Sohlen und viel, viel Plastik in greller Verzierung daher. Besonders Modelle des Designerlabels Balenciaga sind heiss begehrt. Preis pro Paar: 600 Franken.

Jeder Brand, der etwas auf sich hält, weist mindestens eine Interpretation der Sneakers in seiner aktuellen Kollektion vor. Bereits im vergangenen Jahr beugten sich Influencer rund um den Globus dem Modediktat, trugen die klobigen Dinger vorzugsweise zu Midi-Röcken und führten sie, logisch, auf Instagram vor. Und jetzt, im Jahr 2019, zieht die Masse nach – die Modepresse feiert die Sneakers als «Must-Haves». Wir sehen sie als «Must-Nots», ja als Tiefpunkt. Es sei denn, sie verspüren den Drang, sich lächerlich machen zu wollen. Da ist so nichts Schönes, nichts Erhabenes an diesen Turnschuhen, und ein eleganter Gang ist damit sowieso nicht möglich. Kurz: Man sieht darin aus wie ein Idiot. Finger weg!

Schlappe Sünde

Dasselbe Vorgehen sollten Sie im Falle der «Chunky sandals» beherzigen. Aus unerfindlichen Gründen kamen etablierte Designerlabels wie Prada oder Dries van Noten, aber auch Neulinge wie Collina Strada im vergangenen Jahr auf die hirnverbrannte Idee, den Teva-Tourischlappen, ebenso eine Sünde aus den 1990ern, zur Auferstehung zu verhelfen. Sie besetzten deren Neuauflage mit Nieten und präsentierten sie an den Shows im Herbst 2018. Schwere Kost für die Modepresse, die sich einig war: ein irritierender Trend, an den man sich erst gewöhnen müsse.

Nichtsdestotrotz werden immer mehr Trendsetter, It-Girls und Promis in Paris, New York oder London gesichtet, die diese Schlappen mit Stolz tragen – und das zwingend kombiniert mit weissen Tennissocken, so, wie es die Touristen in den DisneyLändern dieser Welt seit je tun.

Die Kardashians sind schuld

Und der böse Geist der 1990er setzt noch einen obendrauf. In diesem Jahr sollen, so die Prognosen di- verser Modemagazine, die Radlerhosen die Strasse zurückerobern. Diese knallengen Geschmacksverirrungen aus Spandex, die kurz vor dem Knie enden. Schuld daran sind Social-Media-Star Kim Kardashian sowie deren Schwester, das Model Kendall Jenner, und ihre Busenfreundin Gigi Hadid, die sich bereits im 2018 allen Ernstes mit dem fragwürdigen Kleidungsstück ablichten liessen. Wir hätten es in unseren schlimmsten Albträumen nicht für möglich gehalten. Auch nicht, dass bauchfreie Tops oder «cropped tops» ein Revival erleben würden. Von diesen nehmen Sie besser auch Abstand. Es sei denn, Sie sind noch keine 18 Jahre alt und tragen null, aber wirklich null Bauchfett mit sich herum.

Seien Sie vernünftig, wenn es schon die Mode nicht ist.