In Berlin wurde ein Mann als erster Deutscher überhaupt schwanger und brachte ein Baby zur Welt. Das scheinbare Wunder vollbrachte ein Mann, der in Neukölln wohnt. Das Besondere: Er ist ein sogenannter Transmann, also ein Mann, der früher eine Frau war.

Die Nachricht, die wie eine Sensation klingt, ist eigentlich so neu nicht mehr. Denn passiert ist «das Wunder von Berlin» schon im Frühjahr.

Laut «Spiegel» wurde am 11. April das Neuköllner Jugendamt über die «Geburt eines Kindes durch einen gebärenden Mann» informiert. In den Akten steht, dass es ein Junge ist, der bei einer Hausgeburt mit Hilfe einer Hebamme zur Welt kam.

Da er ja vorher eine Frau war, besass er noch immer Eierstöcke und Gebärmutter, so konnte er überhaupt schwanger werden und natürlich gebären. Das Kind wurde durch eine Samenspende gezeugt.

Trotz Schwangerschaft und Niederkunft liess sich der Neuköllner als Vater des Babys eintragen. Damit dürfte das Kind bundesweit das einzige sein, in dessen Geburtsurkunde der Name der Mutter fehlt.

Offiziell wird es von Vater und Kind keine Bilder geben. Wir werden auch nie erfahren, wie der Mann sein Vaterglück erleben wird.

Denn der Neuköllner will als erster schwangerer Mann Deutschlands nicht in die Geschichte eingehen. Und er möchte daher anonym bleiben.

Amerikaner brachte drei Kinder zur Welt

Der Deutsche ist nicht der erste Mann, der einen Babybauch hatte. Der Amerikaner Thomas Beatie war weltweit der Erste.

In Europa bekannt wurde er beim Aufrtitt beim RTL-Jahresrückblick 2008, wo er mit seiner Frau Nancy, die unfruchtbar ist, und seiner Tochter Susan Juliette (heute vier Jahre alt) zu Gast war.

Thomas Beatie, der als Tracy geboren wurde, hatte sich 1998 einer teilweisen Geschlechtsumwandlung unterzogen. Er schenkte seiner Frau Nancy zwei weitere Kinder (Austin, 3 und Jensen, 2). Vor einem Jahr trennte sich das Paar. Beatie liess sich alle weiblichen Geschlechtsorgane entfernen.

Vom Mann zur Frau und umgekehrt: 2934 Deutsche tauschten in den vergangenen zwei Jahren auf den Ämtern per Dokument ihr Geschlechter. Damit gibt es bundesweit zahlreiche Männer, die wie Harald schwanger werden könnten.

In der Schweiz gibt es keine genauen Zahlen. Transgender Network Switzerland, die Dachorganisation für Menschen, die sich im falschen Körper geboren fühlen, gibt an, dass es dabei «darauf ankommt, wen man alles mitzählt.

Eine genaue Zahl kann man deshalb nicht nennen; die Transmenschen wurden in der Schweiz auch nie gezählt.»

Studien aus dem Ausland würden ganz verschiedene Häufigkeiten zeigen. So fanden Forscher aus Holland, dass einer von 200 Menschen sich nicht nur als das Geschlecht fühlen, dem er nach der Geburt zugeordnet wurde. Das wären in der Schweiz etwa 40'000 Menschen.

Andere zählen nur die Transmenschen, welche eine geschlechtsangleichende Operation machen liessen. Das sind in der Schweiz nur ein paar Hundert. (cls)