Die Niederländerin Noa Pothoven war als Jugendliche mehrmals sexuell misshandelt worden. Nach mehrjährigem Kampf gegen die daraus resultierenden psychischen Probleme, starb die 17-Jährige am Sonntag durch passive Sterbehilfe.

Auf Instagram kündigte sie in einem inzwischen gelöschten Post an, dass sie aufgehört habe zu essen und zu trinken. Nach vielen Gesprächen und Bewertungen hätten die Eltern und Experten entschieden, sie nicht zwangszuernähren, sondern sterben zu lassen. Zuvor soll sich die 17-Jährige bei einer Klinik in Den Haag ohne das Wissen ihrer Eltern über Sterbehilfe informiert haben.

In den Niederlanden ist nebst passiver auch aktive Sterbehilfe seit 2001 erlaubt – selbst für Minderjährige. Das Einverständnis der Eltern ist dafür nicht erforderlich, allerdings müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander ein unerträgliches Leiden feststellen, ohne dass eine Aussicht auf Besserung besteht.

Trauma nie überwunden

Noa Pothoven ging seit einigen Jahren offen mit ihrer Vergangenheit um. In ihrer Biografie «Winnen of Leren» («Gewinnen oder Lernen») berichtet sie, wie sie mit elf und zwölf Jahren erstmals sexuell misshandelt und mit 14 Jahren zweimal vergewaltigt wurde.

In ihrem Buch schildert sie auch, dass sie seither jeden Tag in Angst und Scham lebe und immer auf der Hut sei. Noch immer habe sie das Gefühl, ihr Körper fühle sich schmutzig an. Pothovens Erlebnisse äusserten sich in posttraumatischen Störungen, Depressionen und Magersucht. Auch habe sie sich geritzt, um ein Ventil für ihren Schmerz zu finden.

Vor ihrem Tod veröffentlichte Pothoven noch eine letzte Nachricht, in welcher sie mitteilte, dass ihre Entscheidung ein längerer Prozess gewesen sei und nicht aus einem Impuls heraus geschah. Ihre letzten Tage soll die 17-Jährige zu Hause in einem Krankenbett verbracht haben, um sich von ihrer Familie und Liebsten verabschieden zu können. (pls)