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Steigt die Teuerung in der Schweiz?

Derzeit befürchtet man überall auf der Welt einen Anstieg der Inflation, doch wie nachhaltig ist die jüngste Entwicklung der Inflationsrate?

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Ende Januar erfolgte eher überraschend eine deutliche Korrektur an den wichtigsten Börsen weltweit. Auslöser dafür waren plötzlich aufgetretene Inflationsbefürchtungen.

Die Diskussionen drehen sich seither über mögliche weitere unerwartete Inflationsanstiege und damit verbunden schneller als erwartet steigende Zinsen. Gilt dies nun auch für die Schweiz?

Ende der ultraexpansiven Geldpolitik
Eigentlich liegt es auf der Hand: Die extrem expansive Liquiditätsversorgung der wichtigsten Zentralbanken, welche seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 umgesetzt wurde, wird langsam, aber sicher beendet. Unsicherheit herrscht lediglich über das Tempo und das Ausmass der Bremsbewegung.

Ausgelöst wurde diese Entwicklung bereits Ende 2016, indem die US-Notenbank FED auf die solide Konjunktur- und Arbeitsmarktverfassung in den USA reagiert und bis heute insgesamt bereits sechs Zinsschritte im Umfang von insgesamt 1,5 Prozent vorgenommen hat. Die US-Wirtschaft liegt im konjunkturellen Zyklus spürbar vor Europa, Japan und auch der Schweiz, was eine restriktivere Gangart der US-Notenbank durchaus rechtfertigt.

Allerdings zeigen sich auch in den anderen Ländern mittlerweile Anzeichen, dass der Tiefpunkt der expansiven Geldpolitik durchschritten wurde. So verringert die Europäische Zentralbank EZB seit einiger Zeit ihr Anleihensaufkaufprogramm (also das so genannte «Quantitative Easing»), und spätestens im nächsten Jahr werden sehr wahrscheinlich auch die Leitzinsen in Europa und Japan erhöht werden.

Unerwartete Inflationsbefürchtungen
Nach dem fulminanten Börsenjahr 2017 erwarteten die meisten Marktteilnehmer einen kontinuierlichen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik mit stetig leicht steigenden Zinsen. Nachdem nun im Januar dieses Jahres die Löhne an den US-Arbeitsmärkten schneller als erwartet gestiegen sind, haben sich reflexartig auch die Inflationsbefürchtungen erhöht, zumal höhere Löhne den Aufwärtsdruck auf die Teuerungsraten ansteigen lassen (können). Die Angst vor schneller als erwartet steigenden Zinsen liess die Börsen weltweit einbrechen. Seither vermochten sie sich bestenfalls teilweise wieder etwas zu erholen. Sind nun diese Inflationsbefürchtungen tatsächlich gerechtfertigt?

Unterschiedliche Konjunkturaussichten
In den USA wurden jüngst die Wirtschaftsprognosen durch die FED nochmals erhöht. Arbeitsmarkt und industrielle Kapazitäten sind nahezu voll ausgelastet. Der US-Dollar schwächt sich weiter ab. Die Inflationsrate nähert sich zügig der Zwei-Prozent-Marke, welche vom FED als Zielgrösse angestrebt wird. Damit wird in den USA der restriktivere geldpolitische Kurs mit grosser Sicherheit fortgesetzt, und es werden in diesem Jahr noch mindestens zwei weitere Zinserhöhungen zu je einem Viertel Prozent erwartet.

Anders in Europa. Die Wirtschaft im Euroraum dürfte jüngst ihren Höhepunkt überwunden haben. Trotz einer immer noch soliden Konjunktur bleiben die Arbeitslosenraten in den ehemaligen Krisenländern relativ hoch. Der deutlich stärkere Euro hat über die Importe einen dämpfenden Effekt auf die Inflationsraten im Euroraum ausgeübt. Solange die Zielinflationsrate von zwei Prozent in Europa nicht erreicht wird, dürfte der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik eher schleppend erfolgen gehen. Die erste Erhöhung der Leitzinsen wird damit wohl erst im kommenden Jahr erfolgen.

Last but not least die Entwicklung in der Schweiz: Eine anhaltend und äusserst solide Konjunkturentwicklung, die zudem breit abgestützt ist, sorgt für nahezu ausgelastete Kapazitäten. Die Arbeitslosenquote liegt solide um die drei Prozent und damit relativ nahe der Vollbeschäftigung und jüngst sorgte der seit Mitte 2017 etwas schwächere Franken sogar für einen leichten Anstieg der Teuerungsraten. Nichtsdestotrotz rechnet auch die Schweizerische Nationalbank SNB nicht mit einem baldigen spürbaren Anstieg der Inflationsrate. Bis zur selbstdefinierten Zielgrösse von ebenfalls zwei Prozent dauert es gemäss unseren Währungshütern noch mindestens bis Mitte 2020 (geldpolitische Lagebeurteilung vom März 2018 bei unverändertem Drei-Monatsliborsatz von minus 0.75 Prozent). Zudem schliesst die SNB aufgrund der geopolitischen Situation nach wie vor nicht aus, dass es neuerlich zu einer (unerwünschten) Festigung des Frankens kommen könnte. Diese Überlegungen legen nahe, dass somit auch in der Schweiz die erste Erhöhung unserer negativen Leitzinsen noch einige Zeit auf sich warten lassen. Es würde überraschen, wenn die SNB bereits vor einer entsprechenden Massnahme der EZB reagieren würde.

Zum Autor Marcel Koller ist Chefökonom bei der Aargauischen Kantonalbank.

Zum Autor Marcel Koller ist Chefökonom bei der Aargauischen Kantonalbank.

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