Publireportage
Mehrere Sprachen bereichern den Kindergarten

Ob auf Deutsch, Portugiesisch oder Albanisch: Spielerisches Lernen könnte in Schweizer Kindergärten auch mehrsprachig erfolgen. Davon profitieren alle Kinder, wie die Wissenschaft nahelegt. Jetzt hat ein Team der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW ein Praxismodell entwickelt.

Drucken
Teilen
Eine fremdsprachige Geschichte zu erzählen, fördert die Sprachkompetenz von Kindergärtlern.

Eine fremdsprachige Geschichte zu erzählen, fördert die Sprachkompetenz von Kindergärtlern.

FatCamera

Sie ist international berühmt, die kleine Raupe Nimmersatt aus dem Bilderbuch. Am Schluss entpuppt sie sich zum wunderschönen Schmetterling. Oder wie das auf Portugiesisch heisst: Era uma borboleta muito bonita. Oder auf Französisch: un merveilleux papillon. Oder auf Albanisch: U shndërrua në një flutur shumë të bukur. Und auf Türkisch: Harika bir kelebek. Alle diese Sprachen kommen im Projekt «Miteinander mehrsprachig» vor, das die Pädagogische Hochschule FHNW für Schweizer Kindergärten entwickelt hat. «Es zielt darauf ab, die Sprachkompetenz zu fördern», sagt FHNW-Professorin Simone Kannengieser.

Zwei Jahre lang liessen acht Basler und Zürcher Kindergärten immer wieder mehrsprachige Elemente in den Unterricht einfliessen. Die Lehrpersonen bezogen beispielsweise Eltern ein. Eine Mutter las den Kindern ein Märchen auf Spanisch vor, eine andere leitete sie auf Russisch beim Backen an. Auch Gäste aus pädagogischen und verwandten Berufen, die nicht deutscher Muttersprache sind, gestalteten gemeinsam mit den Lehrpersonen das Spielen in der jeweiligen Sprache oder schauten mit den Kindern Bilderbücher an.

Chance statt Problem

«So begegnen die Kinder den verschiedenen Sprachen alltäglich», erklärt Sprachwissenschaftlerin Kannengieser. Das entspreche ihrem Alter besser als eine starre Lernsituation. Trotzdem klingt der Ansatz zunächst einmal ungewohnt, gilt doch im Schweizer Bildungs­system die Devise, neu zugezogenen, fremdsprachigen Kindern so rasch wie möglich Deutsch beizubringen. In vielen Kantonen schickt man sie bereits auf Kindergartenstufe in zusätzlichen Deutschunterricht, denn das Erlernen der Sprache wird als Schlüssel zur Integration betrachtet. Kurse in heimatlicher Sprache können die Kinder zwar auch besuchen, aber ausserhalb des Unterrichts. Warum also sollen Kindergärtler auch ihre Erstsprache hören? Und warum deutschsprachige Kinder auch Türkisch oder Tamil?

«Weil Mehrsprachigkeit eine Chance ist für alle Kinder», antwortet Kannengieser. Immer noch werde sie indes als Problem gewertet, zum Teil gar unterbunden, beispielsweise durch das Gebot, auf dem Pausenplatz nur Deutsch zu reden. Die FHNW-Dozentin empfiehlt einen Perspektivenwechsel und verweist auf Erkenntnisse der Sprach- und Hirnforschung. Lernen Kinder zwei Sprachen gleichzeitig, werden diese durch die gleichen Hirnstrukturen verarbeitet. Bei Erwachsenen sei das viel umständlicher, sagt die Expertin: «Wenn wir von Kindsbeinen an mit mehreren Sprachen in Berührung kommen, lernen wir eine neue Sprache leichter.» Mehrsprachiges Erleben präge die Sprachlernbiografie bei Migrantenkindern wie auch bei den deutschsprachigen Gspändli positiv.

Sprachenvielfalt nutzen

Im Praxistest brach jedenfalls keine babylonische Sprachverwirrung aus, vielmehr beobachteten die FHNW-Forscherinnen weitere Vorteile. Gestärkt durch die Würdigung ihrer Herkunftssprache, begannen sich schweigsame Kinder plötzlich zu äussern. Und rein deutschsprachige Kinder zeigten sich höchst neugierig auf die anderen Sprachen. «Das ergibt ein Fundament der Lern- und Sprachförderung im Kindergarten», so Kannengieser.

Erste ermutigende Erfahrungen sind also gemacht, auch mögliche Stolpersteine sind erkannt, darunter die Vorbehalte einiger Lehrpersonen. Kindergärten und Primarschulen, die ein Entwicklungsprojekt mit mehrsprachigen Sequenzen durchführen möchten, können sich beim Forscherinnenteam melden. Die Schulen könnten dabei auch die Vielfalt in den eigenen Reihen nutzen, schlägt Kannengieser vor: «Vermutlich gibt es im Kollegium oder in der ganzen Belegschaft mehrsprachige Personen.»
FHNW

Aktuelle Nachrichten