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Digitale Detektive spüren Plastik in der Grünabfuhr auf

Beim Leeren der Grünguttonnen kann der Bioabfall auf Fremdstoffe untersucht werden.

Beim Leeren der Grünguttonnen kann der Bioabfall auf Fremdstoffe untersucht werden.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW hat Methoden evaluiert, um in Bioabfällen Fremdstoffe festzustellen. Damit könnten die Haushalte dafür sensibilisiert werden, zum Beispiel vergammelte Gurken nur ohne Folie zu entsorgen.

In unseren Küchen- und Gartenabfällen landet immer mehr Material, das dort nicht hingehört. Der Anteil an Fremdstoffen – Plastiksäcke, Blumentöpfe, sogar Windeln – hat sich innert zehn Jahren verzehnfacht. Michael Bösch, Professor an der Hochschule für Technik FHNW, nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung: «Es gibt verschiedene Abfallsäcke aus Biokunststoff. Die einen sind biologisch abbaubar, also für Grünabfälle geeignet. Andere sind zwar aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt, aber nicht kompostierbar. Das verwirrt die Leute.» Ein zweiter Grund ist Foodwaste. Nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten nehmen sich die Mühe, verdorbene und in Plastikfolie eingeschweisste Früchte und Gemüse auszupacken, bevor sie im Grünabfall landen. Diese Personen müssten dafür sensibilisiert werden, ihr Grüngut nicht zu verunreinigen. Dort landet neben Bioabfallsäcken und Verpackungen weiterer Müll aller Art.

Scanner wird immer besser

Einen Ansatz zur Problemlösung liefert die Studie «Digitale Grünguttonne», die Bösch und sein Team des Instituts für Biomasse und Ressourceneffizienz FHNW 2019 im Auftrag des Bundesamts für Umwelt verfassten. Sie vergleicht zwei technische Verfahren, mit denen die Mitarbeitenden der Grünabfuhr den Bioabfall auf Fremdstoffe untersuchen können. Das eine Verfahren erzeugt mit zwei Spulen ein elektrisches Feld, auf das leitfähige Stoffe wie Weissblechdosen, Kaffeekapseln aus Alu oder Deckel von Joghurtbechern reagieren. «Mit dieser Methode kann der volle Container gescannt und bei einer zu starken Verschmutzung stehengelassen werden», sagt Bösch.

Beim anderen, optischen Verfahren werden die Grünabfälle mit Halogenlampen beleuchtet, und Multispektralkameras zeichnen die reflektierte Strahlung auf. Dadurch werden im Gegensatz zum strombasierten Verfahren zwar auch Kunststoffe erkannt. Doch gescannt wird nur die oberste Abfallschicht, denn genutzt werden nur Infrarotstrahlung und der sichtbare Bereich des elektromagnetischen Wellenspektrums. Deshalb muss der Container zuerst geleert werden. «Am Anfang wird das System mit einem Trainingsdatensatz gefüttert, indem die Mitarbeitenden der Grünabfuhr die Fremdstoffe manuell klassifizieren und einlesen», erklärt Michael Bösch. Danach sorgt künstliche Intelligenz dafür, dass die Erkennungsqualität immer besser wird.

Bonus-Malus-System

Weder das eine noch das andere Verfahren wird bisher in der Schweiz eingesetzt. Die Studie empfiehlt deshalb Pilotversuche. Ein solcher wurde 2019 in Winterthur mit dem optischen Verfahren erfolgreich durchgeführt.

Während die technische Machbarkeit vorhanden ist, muss die politische Akzeptanz erst nachgewiesen werden. Die «smarte» Grünabfuhr soll nämlich gleichzeitig erfassen, wem die Container gehören. Aus Datenschutzgründen müssten sich die Abfallverursacher aber ausdrücklich mit dieser Identifizierung einverstanden erklären. Und gebüsst werden könnten sie mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen auf Bundesebene nicht.

Der Verband Biomasse Suisse führt dieses und nächstes Jahr in mehreren Gemeinden Projekte durch, in denen das Grünabfall-Tracking ausprobiert wird – um daraus Informationsmassnahmen und allfällige Sanktionsmöglichkeiten abzuleiten. Denkbar ist ein Bonus-Malus-System, bei dem Abfallsünder höhere Gebühren entrichten müssten. Wer seinen Grünabfall besonders rein hält, würde von einer Prämie profitieren.

Thomas Röthlin

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