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Bilder demokratisieren die Stadtplanung

In Workshops konnte sich die Bevölkerung in die Planung des Basler Klybeck-Areals einbringen.

In Workshops konnte sich die Bevölkerung in die Planung des Basler Klybeck-Areals einbringen.

Wenn Städte Überbauungen planen, sagt ein Bild oft mehr als tausend Worte. Forscherinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickeln eine Methode, wie Bevölkerungsgruppen mitwirken können.

Hochhäuser, Glas, Stahl, Beton: Die Modellbilder, die Planerinnen und Planer zur Veranschaulichung städtischer Umbauvorhaben veröffentlichen, verströmen oftmals urbane Modernität. Doch das kann auch Ängste und Widerstand auslösen, weiss die Kulturan­thropologin und Architektin Aylin Yildirim Tschoepe von der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW. Befürchtungen vor Verdichtung, Aufwertung und Verdrängung werden oftmals laut. Für die Wissenschaftlerin zeigen solche Reaktionen, dass Bilder in der Stadtplanung mehr sind als blosse Illustrationen: «Darin kommen Lebenswelten und Denkhorizonte zum Ausdruck, in denen sich Menschen wiedererkennen oder eben nicht.»

Genau diese Kraft der Bilder könnte vermehrt schöpferisch genutzt werden, glaubt Yildirim Tschoepe. Zusammen mit Susanne Käser, Design-Expertin für visuelle Kommunikation, erforscht sie im Nationalfonds-Projekt «Visuelle Kommunikation in partizipativen Stadtplanungsprozessen» die Rolle von Bildern in städtebaulichen Mitwirkungsprozessen. Mitwirkung ist heute vielenorts gesetzlich verankert. «Sie umzusetzen ist jedoch Neuland», stellt Käser fest. Da vermittelten Fachleute an Vorträgen komplexe Informationen. Das überfordere manche Menschen und erwecke den Eindruck, die Planung sei schon abgeschlossen. Bilder «sprechen eine andere Wahrnehmungsebene an», so die Designerin. Und die Arbeit mit ihnen mache Mitsprache «erfahrbar».

Klybeck kreieren

Übers Bild könnten also breitere Kreise ihre Vorstellungen einbringen. Wie das geht, testen die beiden Forscherinnen derzeit bei einem aktuellen Stadtplanungsprojekt in Basel. Auf dem Klybeck-Areal am nördlichen Stadtrand, wo bis vor Kurzem die Kamine der chemischen Industrie rauchten, soll ein neues Stadtquartier entstehen. Das Grossprojekt bietet Chancen und weckt Erwartungen. Unabhängig von Behörden und Eigentümerinnen und Eigentümern führten die Wissenschaftlerinnen mehrere Workshops mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Interessenvertreterinnen und -vertretern durch, vom Gewerbeverband bis zum Quartierverein.

Dabei gestalteten die Teilnehmenden unter anderem gemeinsam Collagen. Als Vorlagen dienten Bildelemente aus einem Inventar, das auch Zonenpläne aus der seit 2016 laufenden Klybeck-Testplanung und Fotos aus dem Quartier enthält. Wo soll Kleingewerbe hinkommen? Wo können Kinder spielen? Hat es genügend Grün im neuen Quartierteil? Die Leute entwarfen sich ihren Stadtteil. Sie platzierten Elemente, stellten sie um, fügten Geräusch- und Sprechblasen ein, griffen zu bunten Papierbögen, Kreppbändern und Stiften. Die Forscherinnen beobachteten, wie die Leute dabei ins Gespräch kamen. Wie sie Nutzungskonflikte verhandelten und sich annäherten, als Personen im Raum wie auch im gegenseitigen Verständnis. «Vielschichtige Erzählungen» entstanden.

Weniger hierarchisch

Wie sehen Bilder aus, die produktive Verhandlungen auslösen? Vor allem dies wollen Yildirim Tschoepe und Käser herausfinden, an deren Forschungsprojekt auch die Universität Basel beteiligt ist. Sie sprechen vom «partizipativen Bild». Es könne die Debatte stimulieren, zur Meinungsbildung beitragen, ja zum Planungsinstrument einer weniger hierarchischen Stadtentwicklung werden. Denn die Bevölkerung verfüge über viel Wissen zu ihrem Quartier.

Weitere Workshops sollen folgen, digital und vor Ort, insbesondere auch mit Migrantinnen und Migranten. Deren Anteil ist im Klybeck hoch, und Bilder können helfen, allfällige Sprachbarrieren zu überwinden. Basierend auf den Forschungsresultaten, erarbeiten die FHNW-Forscherinnen eine Methodenbeschreibung samt Werkzeugkasten für Behörden, Planer und Investorinnen. Nicht nur zuhanden von Stadtverwaltungen, wie Yildirim Tschoepe anfügt: «Ich kann mir vorstellen, dass das Vorgehen auch in kleineren Gemeinden und auf dem Land funktioniert.»

FHNW

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Der kreative Planungsprozess im Zeitraffer

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