Kolumne
Seitenblick: Lammhüftli-«Salat», oder warum ich das Homeoffice schätze

In der Schweiz gilt nun seit fast einem Monat Homeoffice-Pflicht. Welche Vor- und Nachteile Redaktorin Rossella Blattmann bei der Arbeit am heimischen Schreibtisch sieht.

Rossella Blattmann
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Home-Koller oder doch auch eine gewisse Gemütlichkeit?

Home-Koller oder doch auch eine gewisse Gemütlichkeit?

Foto: Getty Images

Homeoffice. Des einen Freud, des anderen Leid, so ist es doch für uns alle Pflicht im Kampf gegen die Pandemie. Seit fast einem Monat müssen alle Schweizerinnen und Schweizer dort, wo es «möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar» ist, bis auf weiteres in den eigenen vier Wänden ihre Brötchen verdienen. Sei es frisch geschminkt, geduscht und mit frisch geföhnten Locken im extra eingerichteten Arbeitsplatz, ergonomisches Sitzkissen inklusive. Oder im Gammellook, mit löchriger Sesamstrassen-Pyjamahose und Struwwelpeter-Frisur. So will es der Bundesrat.

Wie alles andere auch, birgt auch das Homeoffice Vor- und Nachteile. Was fehlt mir weniger? Und wonach sehne ich mich am meisten? Eine Auflistung:

Das Kantinenessen

Lauwarme Pasta. Halbrohe Zucchinirädli. «Salat» aus dem Lammhüftli des Vortages, garniert mit einem traurigen Büschel Peterli. Bei einem Blick auf das Kantinenbuffet läuft einem nicht immer das Wasser im Munde zusammen. Es ist sicher nicht einfach, mit einem beschränkten Budget hungrige Journalistenmäuler mit frischem und gesundem Essen zu stopfen. Doch ein wenig mehr Kreativität wäre manchmal schon erwünscht. Zum Beispiel das Lammhüftli von gestern zusammen mit Tomaten und einer Sauce in ein Sandwich packen? Da lobe ich mir das Homeoffice mit der frisch gekochten Gerstensuppe aus der heimischen Küche (oder den tibetischen Teigtaschen vom lokalen Lieferservice).

Die Geräuschkulisse im Büro

Kopiergeräte rumoren, irgendwo läuft auf dem Fernseher das ach so wichtige Fussballspiel, laut telefonierende Kolleginnen und Kollegen: Die Geräuschkulisse im Büro macht es einem nicht immer einfach, sich zu konzentrieren und effizient zu arbeiten. Da lobe ich mir das Homeoffice mit seiner Stille und den zwitschernden Vögeln auf dem Balkon. Auf den Nachbarn, der mit viel Elan, aber wenig Talent, dem Posaunenspiel frönt, könnte jedoch gut verzichtet werden.

Die Infrastruktur

Der in die Jahre gekommene Laptop will nicht mehr, der Occasion-Drucker gibt demnächst seinen Geist auf, die Internetverbindung streikt: Technische Pannen sind im Homeoffice vorprogrammiert. Da lobe ich mir das Büro mit zweitem Bildschirm und funktionierenden WLAN. Dem Papierstau im Profidrucker weine ich hingegen nicht nach.

Die Kolleginnen und Kollegen

Der Schwatz bei der Kaffeemaschine, das gemeinsame Mittagessen in der Sonne, das Lästern und Lachen auf der Terrasse: Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen fehlt im Homeoffice doch sehr. Die Vorfreude auf ein Ende der Pandemie und ein virenfreies Miteinander im Büro ist gross. Auch wenn es zum Mittagessen Lammhüftli-«Salat» gibt.