Dritt-Welt-Projekte
Spendengelder sollen nicht versiegen: Verein Dritt-Welt-Freunde schliesst sich der Stiftung Endamarariek an

Der Verein Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl fand keine Vorstandsmitglieder mehr. Er löste sich auf und implementierte in die Stiftung Endamarariek in Niederhelfenschwil. Eine Zusammenarbeit bestand schon seit der Gründung durch den ehemaligen Wittenbacher Sales Huber.

Zita Meienhofer
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Sie haben weiterhin ein gemeinsames Ziel und unterstützen die Projekte in Tansania und Peru: (vorne von links) Heinz Surber, Myriam Zumstein, Gallus Heeb und Dino Keller von den Dritt-Welt-Freunden und (hinten von links) Sales Huber, Claudio Lehmann, Urs Germann von der Stiftung Endamarariek sowie Natalie Löhrer-Brägger von der Stiftung Conrado Kretz.

Sie haben weiterhin ein gemeinsames Ziel und unterstützen die Projekte in Tansania und Peru: (vorne von links) Heinz Surber, Myriam Zumstein, Gallus Heeb und Dino Keller von den Dritt-Welt-Freunden und (hinten von links) Sales Huber, Claudio Lehmann, Urs Germann von der Stiftung Endamarariek sowie Natalie Löhrer-Brägger von der Stiftung Conrado Kretz.

Bild: Zita Meienhofer

1995 wurde in Wittenbach der Verein Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl gegründet. Dies nachdem einige Personen aus der Gemeinde Wittenbach verschiedene öffentliche und private Landspitäler in Tansania besucht hatten. Gallus Heeb, Arzt und Präsident des Vereins, erinnert sich noch sehr gut daran:

«Wir erschraken über die sehr mangelhafte medizinische Versorgung der Bevölkerung.»

Ziel des Vereins war eine langfristige und nachhaltige Unterstützung von einzelnen Projekten in der Dritten Welt. Es sollte der Kontakt mit den Menschen dort gepflegt werden. Ziel war ebenso die Zusammenarbeit mit Vereinen mit ähnlicher Zielsetzung sowie die Beschaffung von Mitteln zur Unterstützung verschiedener Projekte. Und letztlich wollten sich die Vereinsmitglieder mit selbstfinanzierten Reisen zu den von ihnen unterstützten Projekten ein Bild vor Ort machen können.

Eines dieser Gründungsmitglieder war auch Sales Huber, der in Wittenbach aufgewachsen und damals in Niederhelfenschwil als Arzt tätig war. Er arbeitete als junger Mediziner in Tansania, als ihn ein Hilferuf aus einem Health Centre – einem Spital – in Nordtansania ereilte. Die Finanzierung und Führung in Pflege und Administration war wegen Überalterung der weissen Missionare zusammengebrochen. Huber und seine Frau Marianne entschloss sich, dieses Spital in Endamarariek zu erhalten und für die nötige Finanzierung zu sorgen. Auch, weil er das Vorurteil, dass die Einheimischen keinen solchen Betrieb führen können, nicht teilte.

Wittenbacher Verein unterstützt Projekt von Helfenschwiler Arzt

Der Verein Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl wurde eine wichtige Geldquelle für das Projekt von Sales Huber. Der Verein aus Wittenbach liess dem Vorhaben von Huber jährlich eine finanzielle Unterstützung zukommen – in den letzten Jahren waren es rund 20'000 Franken. Im Jahr 2007 gründeten Huber und einige seiner Mitstreiter die Stiftung Endamarariek, die sich weiterhin zum Ziel machte, das jährliche Betriebskostendefizit des Spitals in Tansania zu decken. Claudio Lehmann, er gehört dem Stiftungsrat an, spricht von jährlich rund 220'000 Franken, die dafür benötigt werden.

Den Verein Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl präsidiert Gallus Heeb. Dem Vorstand gehören zudem die in Wittenbach wohnhaften Paul Geiger, Dino Keller, Heinz Surber und Myriam Zumstein an. Einige Vorstandsmitglieder hatten ihre Demission aus gesundheitlichen oder aus Altersgründen eingereicht, andere vorerst angekündigt. Gallus Heeb erklärt:

«Die Rekrutierung von neuen Vorstandsmitgliedern gestaltete sich schwierig.»

Deshalb suchte der Vorstand nach einer neuen Lösung für den Verein, verbunden mit der Tatsache, dass der Spendenfluss weiterhin garantiert sein soll.

Verein wird in die Stiftung Endamarariek implementiert

«Nach intensiven Diskussionen sahen wir eine Lösung mit dem Zusammenlegen unseres Vereins mit der Stiftung Endamarariek», sagt Gallus Heeb. Eine Fusion ist aus rechtlicher Sicht nicht möglich, eine Implementierung wird angestrebt. Das heisst, der Verein Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl muss sich auflösen und wird anschliessend in die Stiftung Endamarariek eingebunden. Heeb begründet dieses Vorgehen mit den Vorteilen für den Verein. Die Vereinsziele der Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl können in dieser Stiftung weitergeführt werden, die Strukturen der Stiftung sind intakt, das Controlling mit regelmässigen Besuchen in Tansania vorhanden, und es besteht ein solides Netzwerk. Heeb sagt: «Mit dieser Lösung versiegen die Stiftungsgelder von unseren Mitgliedern ab 2022 nicht.» An der kürzlich abgehaltenen Hauptversammlung folgten alle Anwesenden dem Antrag des Vorstands einstimmig.

Praktikanten berichten regelmässig über ihre Erfahrungen vor Ort

Neben Sales Huber und seiner Frau Marianne gehören der Wiler Arzt Urs Germann, Tanja Schadegg Müllhaupt aus Wängi und Claudio Lehmann dem Stiftungsrat an. Lehmann wuchs in Zuckenriet auf und wohnt heute in Wittenbach. Sein Vater gehörte zu den Gründern dieser Stiftung. Marianne und Sales Huber sowie Urs Germann reisen regelmässig nach Endamarariek, um sich vor Ort zu informieren.

Ebenfalls absolvieren regelmässig Medizinstudentinnen und -studenten, Ärztinnen und Ärzte, Hebammen sowie weiteres Fachpersonal im Spital in Tansania Praktika. So auch Barbara Eigenmann und Sarah Oklé, die an der Hauptversammlung über ihre Erfahrungen in Endamarariek berichteten.

Eine andere Stiftung soll auch weiterhin unterstützt werden

Ebenfalls unterstützt durch den Verein Dritt-Welt-Freunde Wittenbach-Kronbühl wird die Stiftung Sozialwerke Conrado Kretz mit Sitz in Lenggenwil. Jährlich gingen in den vergangenen Jahren rund 5000 Franken an diese Stiftung. Stiftungsrätin Natalie Löhrer-Brägger zeigte den Anwesenden, wie die Stiftung, die ihr Grossonkel ins Leben rief, die Projekte der Menschen im Altiplano von Peru, in Arapa, unterstützt. Die Anwesenden sowie die Verantwortlichen der Stiftung Endamarariek befanden deshalb, dass das Werk von Conrado Kretz auch künftig auf die Spenden der Wittenbacher zählen könne.

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