Kultur
«Patente, die die Welt nicht braucht»: Stefan Heuss gastierte im Chössi-Theater

Müssen Erfindungen Sinn machen? Zum Beispiel, um die Welt zu verbessern? Nach dem Auftritt des Erfinders und Kabarettisten Stefan Heuss im Chössi-Theater bleiben zumindest Zweifel daran.

Christof Lampart
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Stefan Heuss (links) – das verkannte Genie – gastierte mit dem Multiinstrumentalist Dide Marfurt im Lichtensteiger Chössi-Theater.

Stefan Heuss (links) – das verkannte Genie – gastierte mit dem Multiinstrumentalist Dide Marfurt im Lichtensteiger Chössi-Theater.

Bild: Christof Lampart

Stefan Heuss ist wohl jemand, dem man nie ein Schraubenzieher-Set in die Hände drücken und ihn allein bei sich zu Hause lassen sollte. Geschweige denn mit einer ganzen, gut ausgerüsteten Werkstatt. Was nämlich dann passieren könnte, präsentiert der patente Zürcher gegenwärtig schweizauf, schweizab mit seinem vollmundig sich «Die grössten Schweizer Patente» nennenden, abendfüllenden Programm.

Wer den letzten Samstagabend im Lichtensteiger Chössi-Theater verbrachte, wusste nachher mit Bestimmtheit eines: Der Experimentierlust Heuss’ sind keine Grenzen gesetzt, seinen Erfindungen – zumindest was deren Massentauglichkeit betrifft – jedoch garantiert.

Komplexe Geräte, köstliche Schadenfreude

Doch was ein echter Jünger Edison und da Vinci ist, lässt sich von so einer Petitesse nicht aus dem seelischen Gleichgewicht bringen oder sogar abschrecken. Vielmehr scheint das Kind im Manne bei Heuss munter darauf loszuexperimentieren, wenn die «Mama» nicht hinschaut.

Was Heuss nicht umbringt, macht Heuss nur härter – und so werden der Reihe nach Erfindungen wie der Kinderwagenrüttler (soll das Baby beruhigen, trägt aber wohl eher zu einer Gehirnerschütterung bei), eine Bratwurstgrillvorrichtung (deren komplexer Aufbau die Zielgruppe – Kindergärten und Primarschulausflugsgruppen – komplett überfordern dürfte) oder auch der Hundekotentferner (ein Spass für jeden Golfprofi) vorgestellt.

Lauter Konstruktionen, die wohl jede und jeder gerne angewendet sehen würde – aber nicht bei sich selbst. Und so bricht sich immer wieder mal ein Quantum Schadenfreude freie Bahn, wenn es beispielsweise der Gel-Dosierer zu grosszügig mit Heussens Haar und Jackett meint oder die Haarbürsten-Maschine so grob mit des Mimens Gesicht umgeht, dass man kurzfristig um dessen Brille bangt. Kurz: Kein Mechanismus ist für Heuss zu kompliziert, um das Leben der Anwenderin oder des Anwenders zu verschlimmern – was natürlich das verkannte Genie völlig anders sieht.

Gute musikalische Ergänzung

Eine gute Wahl hat Heuss mit dem Multiinstrumentalisten Dide Marfurt getroffen, der nicht nur die Umbaupausen musikalisch gekonnt überbrückt, sondern als «Innovationsorchester» auch ziemlich schräg zusammen mit Heuss musiziert. Während Marfurt sich dabei sämtlichen denkbaren Saiteninstrumenten widmet, sieht es beim Erfinder schon technischer aus. Mit Kokosnusshälften, Sägeblättern und Malerklebband «verwebt» Heuss, mittels Loops, allerlei absurde Klänge mit dem virtuosen Spiel Marfurts.

Dem Publikum im Chössi-Theater gefiel das Gesehene und Gehörte auf jeden Fall und spendete den beiden Kunstschaffenden einen regen Applaus, der nach gut zwei Stunden Vorstellungsdauer auch hochverdient war.