Livemusik und Stadtpolitik: Am Samstag wird in St.Gallen gefeiert und diskutiert

Parkplatzfest am Unteren Graben, Abschlussfest im Kino Rex: Am Samstag laden Grabenhalle, Palace und das Kulturmagazin «Saiten» zu einer grossen Party. Zwischen Bier und Bands werden auch stadtpolitische Fragen verhandelt.

Roger Berhalter
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Zwischennutzung bis zum Abbruch: Das frühere Kino Rex ist noch bis Samstag ein Kulturlokal (im Bild die Sängerin Karin Enzler mit Band). (Bild: Hanspeter Schiess (27. April 2019))

Zwischennutzung bis zum Abbruch: Das frühere Kino Rex ist noch bis Samstag ein Kulturlokal (im Bild die Sängerin Karin Enzler mit Band).
(Bild: Hanspeter Schiess (27. April 2019))

Der Name ist irreführend: Parkplatzfest. So heisst der fast schon traditionelle Open-Air-Anlass, den die Grabenhalle jeweils im Juni auf dem Platz vor ihrer Haustür veranstaltet. Wo sonst Autos parkieren, spielen für einmal Live-Bands; die Park- wird zur Tanzfläche. Diesmal spannt die Grabenhalle für das Fest mit dem Palace zusammen. «Wir wollen nicht den Parkplatz feiern», sagt Johannes Rickli von der Palace-Leitung:

«Es gibt schon genug Parkplätze in der Stadt, und sie werden schon genug gefeiert.»

Vielmehr wollen die beiden Kulturlokale die Entwicklung vor Ort mit einer Art Einweihung vorwegnehmen. Sie inszenieren das Fest als Eröffnung eines neuen öffentlichen Platzes, samt Festreden, Spatenstich und Blasmusik.

Diesen öffentlichen Platz gibt es zwar noch nicht. Doch das Ende der oberirdischen Parkplätze neben der Grabenhalle zeichnet sich ab. Sobald das neue Parkhaus UG25 fertig gebaut ist, verschwinden sie, und die Fläche wird für eine neue Nutzung frei. «Das allein ist schon ein Grund zu feiern», sagt Matthias Fässler, der das Fest mitorganisiert und auch in der Politgruppe der Grabenhalle aktiv ist.

Matthias Fässler von der Grabenhalle (Bild: Urs Bucher)

Matthias Fässler von der Grabenhalle (Bild: Urs Bucher)

Das Parkplatzfest sei seit seinen Anfängen eine «kulturpolitische Intervention». Einmal im Jahr nimmt das Kulturlokal den Platz in Beschlag und zeigt bunt und lautstark, was dort statt Parkieren auch noch möglich wäre.


Experimente statt Autos

Dieses Jahr gehen die Grabenhalle und das Palace einen Schritt weiter. «Wir haben den Anspruch, mitzureden, wenn es um die künftige Nutzung des Platzes geht», sagt Johannes Rickli vom Palace. «Und wir wollen mitentscheiden», ergänzt Matthias Fässler. Schon jetzt sei man in einem guten Dialog mit der Stadt und sammle Ideen für den Platz.

Johannes Rickli vom Palace (Bild: Benjamin Manser)

Johannes Rickli vom Palace (Bild: Benjamin Manser)

Einen Grundsatz habe man schon definiert: Auf dem Platz soll es keine kommerziellen, profitorientierten Akteure geben. Vielmehr soll er ein niederschwelliger Freiraum für alle sein. «Ein Experimentierraum, wo nicht schon alles geplant ist», sagt Fässler.

Ein solcher Experimentierraum stand in den letzten zweieinhalb Monaten schon zur Verfügung: im Kino Rex, nur einen Steinwurf von der Grabenhalle entfernt. Das Kulturmagazin «Saiten» hatte dort mit der Eigentümerin, der Generalunternehmung HRS, eine Zwischennutzung ausgehandelt.

Seit dem «Saiten»-Jubiläumsfest Anfang April ist das alte Kino unter dem Namen Ex-Rex als Kulturlokal geöffnet. Konzerte, Lesungen, Vorträge, Theateraufführungen, Diskussionsrunden und mehr haben dort stattgefunden, insgesamt über 30 Veranstaltungen. Morgen Samstag ist das Ex-Rex zum letzten Mal geöffnet und lädt zum Tanz in den Kinosälen.

Philip Stuber von «Saiten »(Bild: Peter Käser)

Philip Stuber von «Saiten »
(Bild: Peter Käser)

Philip Stuber von «Saiten» blickt auf eine gelungene Zwischennutzung zurück. «Das Ex-Rex war sehr niederschwellig ausgelegt. Wer als Veranstalter etwas ausprobieren wollte, der bekam bei uns die Möglichkeit.» So sei das Projekt zum 25-jährigen Bestehen von «Saiten» auch gedacht gewesen: Als Plattform für Veranstalter, die «einfach machen, einfach mal auszuprobieren» wollten, wie Stuber sagt. Fixe Orte, wo solche Experimente in grösserem Rahmen möglich seien, fehlten in der Stadt. Deshalb begrüsst Stuber den Trend hin zu Zwischennutzungen wie aktuell im Kulturkonsulat an der Frongartenstrasse oder kürzlich im «Haus Famos» an der Davidstrasse:

«Solche Möglichkeiten sollte die Kulturszene nutzen. Sonst stehen die Gebäude einfach leer und bringen niemandem etwas.»

Skeptischer ist Matthias Fässler von der Grabenhalle. In der aktuellen «Saiten»-Ausgabe kritisiert er das «unpolitische Abfeiern von Zwischennutzungen». Auf Nachfrage präzisiert er: Umnutzungen wie das Ex-Rex seien an sich spannend. Doch was mit dem Kino passiere, sei auch eine stadtpolitische Frage:

«Ein ehrwürdiges Kino muss Luxuswohnungen weichen, weil das Unternehmen HRS als Immobilienhai wütet. Die ökonomischen Interessen überwiegen, die Kultur wird herumgeschoben.»

Solche Eigentumsfragen würden zu wenig thematisiert.

Morgen Samstag wird nun noch einmal gefeiert, auf dem künftigen öffentlichen Platz neben der Grabenhalle und im ehemaligen Kino Rex. Danach verabschieden sich Grabenhalle und Palace in die Sommerpause – und das Ex-Rex steht wieder für eine Weile leer. Noch ist der Abbruch des Kinos nämlich nicht bewilligt, drei Einsprachen gegen das Bauprojekt sind nach wie vor hängig.


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