Abtwiler Biersommelière mit Wissensdurst

Patricia Donhauser aus Abtwil motiviert ihre Gäste dazu, über den Gläserrand hinauszuschauen.

Ursula Ammann
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Patricia Donhauser ist fasziniert von den Aromen und Farben der Bierwelt. (Bild: Urs Bucher, 5. Juli 2019)

Patricia Donhauser ist fasziniert von den Aromen und Farben der Bierwelt. (Bild: Urs Bucher, 5. Juli 2019)

Das frischgezapfte Märzen leuchtet in sattem Rotbraun. Patricia Donhauser nimmt den ersten Schluck. «Dieses Bier hat ein intensives Raucharoma, schmeckt nach Caramel und ist sehr angenehm im Nachtrunk», sagt die Biersommelière. Sie empfiehlt es insbesondere jenen Gästen, die von sich behaupten, kein Bier zu mögen. Ein Argument, das Patricia Donhauser oft hört, das für sie aber noch lange nicht bedeutet, dass Hopfen und Malz verloren wären. «Es gibt niemanden, der Bier nicht gern hat, nur solche, die noch nicht das probiert haben, das ihnen mundet», erklärt die 26-Jährige. Denn die unglaubliche Vielfalt an Bieren biete für jeden Geschmack etwas. Ob schokoladig, teigig oder strohig: Die Bandbreite an Aromen sei überwältigend, so Patricia Donhauser. «Und auch die Farben faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Die Palette reicht von Hellgelb über Rot bis hin zu Tiefschwarz.»

Diese Vielfalt möchte sie ihrer Kundschaft näherbringen. Es liege ihr aber fern, jemanden zum Biertrinken zu überreden, sagt sie. Vielmehr versuche sie, all jene zu motivieren, die bisher noch nicht viel kennen gelernt hätten.

«Die meisten trinken nur Lager. Mein Ziel ist es, dass sie auch einmal etwas anderes probieren.»

Wo immer die Biersommelière ein Dürsten nach einer Erfahrung über den Gläserrand hinaus spürt, zapft sie an. Selbst für diejenigen, die Mühe mit Bitterstoffen haben, findet sie etwas. Denn Bier müsse nicht zwingend bitter sein.

Sauerbier hat es 
ihr angetan

Als Patricia Donhauser ihr erstes Bier getrunken hatte, war sie darob etwas ernüchtert. Die gebürtige Deutsche, die seit drei Jahren in Abtwil lebt, kannte anfangs nur das Pils. «Das war nicht so mein Fall», sagt sie. Bald einmal entdeckte sie naturtrübe Sorten. Und nach und nach erschloss sich ihr die faszinierende Welt dieses Getränks. Derzeit hat es ihr das Sauerbier besonders angetan.

Über Jahre gärte Patricia Donhausers Interesse an Bier. Im Arbeitsalltag hatte es die gelernte Restaurations- und Hotelfachfrau dennoch eher mit Wein zu tun – bis sie im April im neu eröffneten Restaurant Brauwerk in St. Gallen ihre Stelle antrat. Im Rahmen dieser Tätigkeit schloss sie Ende Juni erfolgreich ein Spezialistenseminar von GastroSuisse und dem Schweizer Brauerei-Verband ab und verfügt seither über ein Zertifikat als Schweizer Biersommelière. Als Abschlussarbeit mussten die Teilnehmenden zu vorgegebenen Strukturen eines Gastronomiebetriebs eine Bierkarte ausarbeiten und diese an einer mündlichen Prüfung präsentieren. Zudem galt es, sensorische Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, verschiedene Biere zu beschreiben und über lebensmittelrechtliche Grundlagen Auskunft zu geben. Im Seminar war Patricia Donhauser eine von wenigen Frauen. Dass es sich bei Bier nach wie vor um eine Männerdomäne handelt, stört sie überhaupt nicht. «Dadurch falle ich als Bierbotschafterin sogar noch etwas mehr ins Gewicht», sagt sie. Aus ihrem Umfeld habe sie bisher ausnahmslos überraschte und begeisterte Reaktionen erhalten.

Bierkultur in Gebärdensprache vermitteln

Die 26-Jährige lernt gerne. «Ich hatte schon immer einen grossen Wissensdurst», sagt sie. Auch mit den Bierbrauen möchte sie sich in Zukunft auseinandersetzen. Und noch etwas hat ihr Interesse geweckt: Patricia Donhauser bringt sich in ihrer Freizeit anhand von Youtube-Videos die Gebärdensprache bei. Ihr Ziel ist es, auch auf gehörlose Gäste eingehen zu können. Zwar war das bisher noch nicht gefragt. Sie möchte aber auf diese Eventualität vorbereitet sein und als Bierbotschafterin möglichst alle erreichen können.

Patricia Donhauser leitet das Bier-Seminar «Von Frau zu Frau». Infos unter www.restaurantbrauwerk.ch.