Nach der St.Galler Ständeratswahl: FDP und SVP sind für den Herbst im Angriffsmodus

Mit wem werden die Verlierer vom Wochenende im Herbst den Ständeratswahlkampf bestreiten? Die Kandidatenauswahl ist beschränkt, eine gemeinsame Kandidatur dennoch kaum denkbar.

Regula Weik
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Dass Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) und Mike Egger (SVP) im Herbst nochmals antreten, ist eher unwahrscheinlich. (Bild: Michel Canonica)

Dass Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) und Mike Egger (SVP) im Herbst nochmals antreten, ist eher unwahrscheinlich. (Bild: Michel Canonica)

FDP und SVP sind die Verlierer vom Wochenende. Sie mussten Benedikt Würth vorbeiziehen lassen. Tempi passati. Die beiden Parteien blicken bereits auf die nationalen Wahlen im Herbst. Sie wollen erneut ein Wort mitreden. Auch wenn sich die Parteizentralen wortkarg geben: Die Kandidatensuche ist angelaufen.

FDP: Steigt nun Dobler ins Rennen?

Die Frage ist einfach: Werden die Freisinnigen dem aktuellen Ständeratsduo im Herbst den Kampf ansagen? Die Antwort scheint schwieriger. Geschäftsführer Christoph Graf bleibt sie jedenfalls schuldig – vorerst. Die Parteileitung will Ende Woche über das weitere Vorgehen entscheiden. Wohl nicht nur darüber. Die Regional- und Ortsparteipräsidenten wurden aufgefordert, in den nächsten Tagen mögliche Kandidatinnen und Kandidaten zu melden. Die Parteileitung dürfte demnach auch über Namen diskutieren.

Dass Susanne Vincenz-Stauffacher nochmals antritt, ist nicht anzunehmen. Die Abtwiler Kantonsrätin und Rechtsanwältin erklärt auf Anfrage:

«Es laufen interne Gespräche.»

Eine Antwort, die sehr nach offizieller Sprachregelung tönt. Auf die Frage, ob die Freisinnigen erneut auf eine Frau setzen werden, antwortet Graf: «Bei der FDP stehen grundsätzlich immer die Kompetenz und die Eignung für das Amt im Zentrum – nicht das Geschlecht oder andere Merkmale.»

Marcel Dobler (Bild:PD)

Marcel Dobler (Bild:PD)

Erneut zum Thema werden dürfte eine Kandidatur von Marcel Dobler. Der Nationalrat gab sich am Sonntag im Pfalzkeller gesprächig – bis der Wahlherbst angesprochen wurde. Dobler, der seit Sommer an Franz Carl Weber beteiligt ist, hatte sich für die Ersatzwahl selber aus dem Rennen genommen. Damals begründete er: «In den ersten Monaten des Jahres 2019 stehen richtungweisende strategische Projekte an, die meine volle Aufmerksamkeit verlangen.» Das klingt nach temporärer Absage und lässt Interesse am Amt vermuten. Kann sich die FDP eine gemeinsame, bürgerliche Kandidatur vorstellen, um Rechsteiner gefährlich zu werden? Grafs Antwort: «Selbstverständlich werden wir Gespräche mit verschiedenen möglichen Partnern führen.»

SVP: Wer will, wer hat noch nicht?

Bereits entschieden hat die SVP. «Wir treten auf jeden Fall an», erklärt Parteipräsident Walter Gartmann auf Anfrage. Diese Taktik verfolgt die Partei bereits seit einigen Jahren – bislang erfolglos. Mike Egger scheint nach wie vor motiviert. Doch den Parteiverantwortlichen dürfte klar sein: Tritt die SVP – wie einst angedacht – nochmals mit dem Nationalrat an, wird sie erneut scheitern.

Ihr aktueller Anlauf mit Egger ist ziemlich missraten; er blieb auch im zweiten Wahlgang weit davon entfernt, die ganze Parteibasis abholen zu können. Gartmann weicht der Frage, ob die SVP erneut auf «jung» setze, aus. Das Resultat werde «in den nächsten Wochen» analysiert. Eine andere Bilanz hat der Präsident bereits gezogen: Die bürgerlich eingestellten St.Gallerinnen und St.Galler seien aktuell nicht im Ständerat vertreten. Auf die Frage einer gemeinsamen bürgerlichen Kandidatur geht Gartmann nicht ein.

Stefan Kölliker (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Kölliker (Bild: Benjamin Manser)

Anfang Jahr hatte ein wichtiger Exponent der St.Galler SVP die kalte Schulter gezeigt: Bildungschef Stefan Kölliker. Doch er schlug die Tür nicht zu. Auf die Frage, ob es schlicht der falsche Zeitpunkt für eine Kandidatur sei, antwortete er damals: «Das kann man so sagen.»

Kölliker begründete den Verzicht mit «einigen Projekten, die für den Kanton nachhaltige Bedeutung haben». IT-Bildungsoffensive, HSG-Campus Platztor, neue Fachhochschule Ostschweiz, Campus Wattwil kommen alle dieses Jahr an die Urne – und Kölliker wäre danach frei für eine neue Herausforderung auf Bundesebene.

Ein Name, der ab und zu fällt, ist jener des Oberrieter Nationalrats Roland Rino Büchel. Er hat sich als Fifa-Kritiker national Respekt verschafft, ist sprachgewandt und jovial. Oder setzt die Partei auf ihre Sekretärin Esther Friedli? Sie könnte unbeschwert in den Ständeratswahlkampf einsteigen – und diesen bei einer Niederlage als Trainingslager für den nächsten Anlauf für die Regierung abbuchen.

CVP: Kurzes Warmlaufen und eine alte Kritik

Benedikt Würth (Bild: Michel Canonica)

Benedikt Würth (Bild: Michel Canonica)

Klar ist die Ausgangslage für die Strategen der CVP: Verteidigung des mit Benedikt Würth frisch gewonnenen Sitzes im Ständerat. Würth hat im Herbst zwei Handicaps: Kaum gewählt, muss er sich bereits der Wiederwahl stellen. Und er ist weiterhin hauptberuflich Regierungsrat und Finanzchef des Kantons; sein Doppelmandat gab bereits jetzt einiges zu reden.

SP: Der Pensionär, der nicht aufhören will

Paul Rechsteiner (Bild: Michel Canonica)

Paul Rechsteiner (Bild: Michel Canonica)

Seit Wochen geklärt ist die Situation der SP. Paul Rechsteiner will nochmals vier Jahre anhängen. Der Partei ist es recht; ähnlich profilierte Politiker gibt es in ihren Reihen nicht zuhauf. Die Konkurrenz hat Rechsteiners «Schwachpunkt» längst entdeckt: sein Alter. Der Pensionär wird im Herbst 67. Der ehemalige Gewerkschaftsboss werde noch zu «einer Ikone für ein höheres Rentenalter», spotten seine Gegner. Jungparteien monieren, es sei Zeit für einen Wechsel, ihre Generation vertrete Rechsteiner «definitiv nicht».

Franziska Ryser, Jahrgang 1991, täte dies. Sie ist die grosse Nachwuchshoffnung der St.Galler Grünen. Mit ihr als Spitzenkandidatin will die Partei den 2015 verlorenen Nationalratssitz zurückgewinnen – und auch in den Ständeratswahlkampf einsteigen? Nicht ausgeschlossen ist, dass Rechsteiner und Würth auch Konkurrenz von Parteilosen erwächst.

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