Weihrauch, Myrrhe, Kriessnergold

In der Vorlesestunde am Samstag der ersten Woche nach Neujahr in der 5. Klasse las der Lehrer (dem ich sehr zu Dank verpflichtet bin, da er mich speziell gefördert hat) nicht weiter in der «Rote(n) Zora», sondern die Geschichte von den drei Weisen aus dem Orient.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
Drucken

In der Vorlesestunde am Samstag der ersten Woche nach Neujahr in der 5. Klasse las der Lehrer (dem ich sehr zu Dank verpflichtet bin, da er mich speziell gefördert hat) nicht weiter in der «Rote(n) Zora», sondern die Geschichte von den drei Weisen aus dem Orient. Als er zu der Stelle kam, wo von Weihrauch, Myrrhe und Gold die Rede war, giftelte ein Schulkamerad von hinten: «Das war sicher Kriessnergold!» Chriessnergold, Inbegriff von falsch, unecht, Bschess! Warum man das so sagte, weiss ich bis heute nicht.

Die andern zwei Gaben kannte ich schon. Als Ministrant konnte ich mitten in der Kirche völlig legal zöösla, das Weihrauchfass qualmte wie eine Dampflok, das wertvolle Gefäss interessierte nicht. Wie hätte ich auch wissen können, dass das, was ich machte, 4000 Jahre vor mir schon Leute gemacht haben? Weihrauch zu kultischen Zwecken verbrennen.

Weihrauch, bot. Boswellia sacra ist ein kleiner, knorriger Baum, der um das Horn von Afrika wächst. In der heissen Gegend wird die Rinde eingeschnitten, das Harz oder «Blut» des Baumes trocknet schnell und ergibt die typischen Körner, die «Tränen der Götter». Der Weihrauch ist stark bedroht, man befürchtet sogar das Aussterben der Bäume. Nicht wegen der Weihrauchproduktion, nein, die Lebensumstände in dieser Gegend sind für Mensch, Tier und Pflanze schwieriger geworden. Der Weihrauchbaum im Botanischen Garten St. Gallen ist mehr umsorgt. Seine Blätter sind stark glänzend und wie mit Harz lackiert.

Die Gabe der drei Weisen war sicher hochwertig und sinnvoll. Das war Medizin, Duft, kultische Gabe. Wer immer mit Schafen, Ziegen und deren männlichen Vertretern in einer wasserarmen Gegend zusammen ist, duftet nicht nach Veilchen. Und noch im 19. Jahrhundert monierte ein Mann von Welt, dass seine Mitbeter in der Kirche die körperliche Hygiene vernachlässigen würden und wenigstens der Weihrauch etwas Linderung schaffe. Die Feinstaubbelastung durch Kerzen und Weihrauch ist aber so hoch, dass über dem Jordan, bzw. Rhein die süffisante Frage gestellt wurde, ob wegen der Problematik des Passivrauchens Kirchen anderen Verpflegungsstätten gleichgesetzt werden sollen.

Auch Commiphora myrrha, Myrrhe ist im Botanischen Garten zu finden. Der unscheinbare Strauch, der einmal ein kleiner Baum wird, liefert ähnliches Gummiharz wie der Weihrauch. Auch er wird für Räucherzeremonien und medizinische Zwecke sowie zur Parfumherstellung genutzt. Das Schenken von Gold, Weihrauch, Myrrhe war ein Zeichen höchster Wertschätzung!

Die Alternative im Januar wäre momentan im Sonderverkauf: Das Duftwasser «Alpenland» in der Halbliterflasche zum Discount-Vorzugspreis.