Kirchenakten schon einmal verloren

Gestern Vormittag wurde eine kupferne Hülse mit frisch ergänzten Akten an der Spitze des Kirchturmes deponiert. Vor der Zeremonie statteten die Gäste dem Dachboden des Kirchengebäudes einen Besuch ab, um nachzusehen, ob die Fledermäuse bereits zurückgekehrt sind.

Kurt Latzer
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Die goldene Kugel wurde von Martin Meister, Firma Rüetschi (l.), für das Platzieren der Kupferhülse vorbereitet. Hansueli Geisser, Präsident Evang. Kirchgemeinde Eichberg, und Gemeinderätin Doris Brülisauer.

Die goldene Kugel wurde von Martin Meister, Firma Rüetschi (l.), für das Platzieren der Kupferhülse vorbereitet. Hansueli Geisser, Präsident Evang. Kirchgemeinde Eichberg, und Gemeinderätin Doris Brülisauer.

Eichberg. Es sei Hansueli Geisser, Präsident der evangelischen Kirchgemeinde Eichberg, ein grosses Anliegen, dass sich das Malheur von 1991 nicht wiederhole. Deshalb blieb er gestern bei der ganzen Zeremonie, damit die Kirchturmkugel mit den darin eingesetzten Schriften sicher ihren Platz erhält.

Nicht schlecht gestaunt

«Im Jahre 1991 feierte die Gemeinde Eichberg ihr elfhundertjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass bat der Gemeinderat die Kirchenvorsteherschaft, die Kirchturmkugel herunterzunehmen, um die darin befindlichen Akten sichten zu können», sagte der Kirchgemeindepräsident. Als dieses Vorhaben dann am 22. Mai 1991 im Beisein einiger Kirchbürger in die Tat umgesetzt worden sei, hätten diese nicht schlecht gestaunt – die Kugel war leer. «Erst einige Wochen später habe damals Andreas Bruderer erfahren, dass die Akten 1939 im Zuge der Kirchenrenovation aus der Kugel genommen und ins Archiv des damaligen Gemeindehauses überbracht worden seien», sagte Geisser.

Da 1974 ein neues Gemeindehaus und somit auch ein neues Archiv bezogen wurde, ging man davon aus, dass die Akten auch dort liegen sollten. «Leider waren sie aber unauffindbar, und niemand wusste, wo sie hingekommen waren», so der Kirchgemeindepräsident.

Aus den noch vorhandenen Unterlagen nahm Andreas Bruderer – 1991 amtierender Kirchgemeindepräsident – die grosse Arbeit auf sich und fasste alle wichtigen Ereignisse aus den vergangenen Jahren zuhanden der Kirchturmkugel zusammen.

Akten wieder am richtigen Ort

Gestern wurde nun die neue Kirchturmkugel mit der Chronik bis 1991 – ergänzt mit Informationen der Kirchgemeindepräsidenten der folgenden Jahre – wieder montiert. Dies waren: Marcel Pillet, 1994 bis 1998, Paul Lehmann, 1998 bis 2002, Oliver Fischer, von 2002 bis 2008.

Bei der Zeremonie war gestern auch Gemeinderätin Doris Brülisauer dabei. Sie überbrachte ein paar Fotografien der Politischen Gemeinde Eichberg, die ebenfalls in der goldenen Kugel Platz fanden. Darunter waren auch Aufnahmen des letzten grossen Hochwassers.

Aufwand hat sich gelohnt

Reinhard Dietsche, für die Kirchenrenovation zuständiger Architekt, gab sich zuversichtlich, dass die Arbeiten noch vor den Sommerferien beendet werden können. Die Einweihungsfeier der frisch renovierten Kirche findet im August statt. Mit von der Partie war gestern Vormittag auch René Güttinger, Kantonaler Fledermausschutz-Beauftragter St. Gallen und Appenzell. Unter seiner Führung konnten sich die Gäste auf dem Dachboden des Kirchengebäudes umsehen. Beim schmalen Einstieg zum Dachboden zeigte sich, dass die Fledermäuse trotz der Renovierungsarbeiten zurückgekehrt sind. Damit habe sich der Aufwand gelohnt, der zugunsten der Tiere betrieben wurde. Güttinger betonte, dass es in der Schweiz nur sehr wenige solcher Populationen gibt, bei der Kleines Mausohr und Grosses Mausohr gemeinsam unter einem Dach leben. Er schätzt, dass in der Eichberger Kirche über 300 Tiere Unterschlupf gefunden haben.

Die Fledermäuse sind auf den Dachboden des Kirchengebäudes zurückgekehrt, was neben ihrem Piepsen auch ihr Kot beweist. (Bilder: Kurt Latzer)

Die Fledermäuse sind auf den Dachboden des Kirchengebäudes zurückgekehrt, was neben ihrem Piepsen auch ihr Kot beweist. (Bilder: Kurt Latzer)