Prozess in Frauenfeld
Der Ticker zum Nachlesen – Leichenfund von Zezikon: Urteilsverkündung in zwei Wochen +++ Komplizen stellen sich gegen Hauptbeschuldigten J.B.

Januar 2018: In einem Waldstück bei Zezikon wird der Leichnam einer jungen Frau aus dem Aargau gefunden, eingerollt in einen Teppich. Heute stehen drei Männer vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. Die Anklage: Störung der Totenruhe. Weitere Vorwürfe gegen den Hauptbeschuldigten: Vergewaltigung, Körperverletzung, Drogendelikte.

David Grob
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In diesem Tobel in einem Wald bei Zezikon wurde der Leichnam der 20-jährigen Isabela T. gefunden, eingerollt in einen Teppich.

In diesem Tobel in einem Wald bei Zezikon wurde der Leichnam der 20-jährigen Isabela T. gefunden, eingerollt in einen Teppich.

Bild: Mario Testa

Das ist passiert

  • Im Januar 2018 wurde der Leichnam einer jungen Frau in einem Wald bei Zezikon gefunden. Sie galt seit einer Nacht im Ausgang in Zürich im November 2017 als vermisst. Gemäss Anklageschrift starb die 20-Jährige aus Turgi, Kanton Aargau, in der Wohnung eines niederländischen Staatsbürgers in einem Thurgauer Dorf, woran ist unklar. 
  • Vor Gericht stehen der Drogendealer und zwei Komplizen. Sie sollen den Leichnam ins Waldstück gebracht haben.
  • Gegen alle drei wirft die Staatsanwaltschaft Störung des Totenfriedens und Drogendelikte vor. Gegen den Hauptbeschuldigten J.B. ausserdem Vergewaltigung, Drohung, Verstösse gegen das Waffengesetz und Körperverletzung. 

Quelle: TVO
17:33 Uhr

Mit dem Plädoyer des letzten Verteidigers endet der heutige Verhandlungstag – die Richterin beendet den Prozess. Weiter gehts am Freitag, 28. Mai mit den zweiten Vorträgen der Staatsanwaltschaft, der Privatkläger und der drei Verteidiger. Und nicht zuletzt mit der Urteilsverkündung.

Besten Dank für Ihr Interesse.

17:27 Uhr

Auch der Verteidiger des zweiten Handlangers D.P. fordert einen Freispruch wegen Störung des Totenfriedens. Ebenso seien die gestellten Schadenersatzforderungen der Zivilklage der Eltern abzuweisen.

17:23 Uhr

Für den Verteidiger ist klar: D.P. wollte, dass die Leiche gefunden wurde. Dafür spreche, dass der Leichnam am Strassenrand hinterlassen wurde.

Weiter geht der Verteidiger auf den Punkt der Ehrverletzung des Leichnams ein. Er nennt die Punkte der Gebete in der Wohnung und im Wald, des Schliessens der Augen, des katholischen Glaubens seines Klienten und O.C.s. «Angesichts der Umstände kann man diese Handlungen als respektvoll betrachten.» Darum sein nicht von einem Verunehren des Leichnams auszugehen, so die Verteidigung.

17:20 Uhr

Der Verteidiger plädiert auf ganze oder zumindest teilweise Schuldunfähigkeit seines Klienten.

17:13 Uhr

Nochmals geht der Verteidiger von D.P. auf das Verhalten von J.B. in jener Nacht ein. Beide, so der Verteidiger, hätten die Ambulanz rufen wollen, J.B. habe sich vehement dagegen ausgesprochen.

Der Verteidiger von D.P. zeichnet das Bild vom Hauptbeschuldigten J.B. als dominanten Machtmenschen, der sich gezielt psychisch verunsicherte Menschen wie D.P. und O.C. suchte, die zu ihm aufblicken würden. Ihre Schilderungen seien deshalb mitnichten Schutzbehauptungen, wie von der Verteidigung des Hauptangeklagten J.B. erzählt. Sein Klient habe sich als unterwürfigen Helfer von J.B. gefühlt. O.C. habe J.B. als seinen persönlichen Chauffeur betrachtet.

17:03 Uhr

Jetzt hält der Verteidiger von Komplize D.P. sein Plädoyer. Sein Mandant bedauere den Verlust der Familie T., wenn er könnte, würde er die Zeit zurückdrehen. «Er kann sich nicht erklären, warum er in jener Nacht J.B. nicht die Stirn geboten hat», so der Verteidiger.

D.P. und O.C. seien in jener Nacht an ihre Grenzen und darüber hinaus gekommen. Beiden Beschuldigten falle es schwer, ihr Verhalten und ihre Gefühle in jener Nacht in Worte zu fassen.

Nochmals schildert der Verteidiger jene Nacht in allen Details. J.B. habe D.P. und O.C. angerufen, es gäbe ein Problem. Sie fuhren hin und seien übernächtigt gewesen. In der Nacht zuvor seien sie in Zürich im Ausgang gewesen, hätten Alkohol und Kokain konsumiert. J.B. öffnet die Tür, nur in Unterhosen, in der Wohnung ein Chaos, Wasser ist verschüttet. Und dann sehen sie die Leiche von Isabela T. D.P. habe versucht, sie wiederzubeleben. Daraufhin hätten sie im Schock gehandelt.

16:56 Uhr

Jetzt will die Richterin O.C. nochmals vernehmen. Ob er bis zum Zeitpunkt des Todes von Isabela T. bereits in psychologischer Behandlung war, will die Richterin wissen? Ja, er sei 2016 sieben Monate in der Forelklinik gewesen, sagt O.C. Nach dem Austritt habe er wieder Alkohol konsumiert und war auf Arbeitssuche. «Ich muss morgens Alkohol trinken, damit dass Zittern aufhört.» Kokain habe er ebenfalls gelegentlich konsumiert.

Richterin: Wann ist Ihre Tochter gestorben? O.C.: Am 19. Oktober vor zwölf Jahren.

16:50 Uhr

Der Verteidiger von O.C. fordert einen Freispruch und eine Abweisung der Zivilklage der hinterbliebenen Eltern von Isabela T.

16:46 Uhr

Jetzt geht es weiter.

16:25 Uhr

Es folgt eine kurze Pause. Danach fährt der Verteidiger von O.C. mit seinem Plädoyer fort.

16:01 Uhr

Weiter geht der Verteidiger von O.C. darauf ein, dass sein Klient und D.P. den Leichnam nicht verstecken wollten. Sie hätten die tote Isabela T. im Teppich an den Strassenrand gelegt. «Dass sie später ins Bachtobel gerollt ist, war nicht beabsichtigt», so die Verteidigung.

Der Verteidiger plädiert auf einen Freispruch. «Mein Mandant hat die tote Isabela T. abgesehen vom Transport und vom Ablegen im Wald mit Respekt behandelt. Er hat sie noch in der Wohnung zugedeckt und im Wald für die tote junge Frau gebetet.»

Aufgrund der psychischen Vorgeschichte und der Alkohol- und Drogensucht seines Klienten, sei er nicht schuldfähig. «Sollte das Gericht O.C. dennoch für schuldig sprechen, muss ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden», so die Verteidigung.

15:50 Uhr

Nun spricht der Verteidiger des Komplizen O.C., der J.B. beim Einwickeln der Leiche in den Teppich geholfen hat. Er beginnt mit dem Schreiben, das sein Klient 2018 an die trauernde Familie gerichtet hat.

«Es geht mir nicht darum, dass sie mir verzeihen, denn ich kann mir selber nicht verzeihen.»

Der gläubige O.C. nimmt Bezug auf seine Religion: «Ich werde meine Strafe widerspruchslos annehmen. Was mir noch bevorsteht, ist die Strafe Gottes.»

Weiter geht der Verteidiger auf die Biografie seines Mandanten ein. Auch sein Klient habe eine Tochter im Alter von 26 Jahren verloren. «Als er die tote Isabela T. gesehen hat, stand er unter Schock und hat nicht mehr rational gehandelt.» Bei der Einvernahme durch die Polizei sei sein Mandant nach seiner Gefühlslage gefragt worden, als er die tote Isabela T. das Treppenhaus nach unten getragen habe. Sein Mandant habe folgendes geantwortet: «Es war, als hätte ich meine eigene Tochter getragen.»

Das Verhalten seines Klienten erklärt sein Verteidiger mit den psychischen Problemen, seiner Biografie, seinen Drogenproblemen, falsch verstandener Loyalität und der Schockreaktion.

15:46 Uhr

Warum J.B. eine höhere Genugtuung an die Familie von Isabela T. zahlen muss, ist für den Verteidiger des Hauptbeschuldigten nicht schlüssig. Dass sein Klient eine Genugtuung zahle, sei für J.B. klar. «Dies bestreiten wir nicht.» Dass die Leiche so lange nicht gefunden werden konnte, sei nicht die Schuld von J.B., sondern jene von D.P und O.C., die sich nicht mehr erinnern konnte, wo sie den Leichnam abgelegt haben.

15:39 Uhr

Weiter inszeniert der Verteidiger seinen Klienten als Opfer einer Medienkampagne. J.B. sei medial vorverurteilt worden, in reisserischer Art und Weise, ohne dass die Unschuldsvermutung für seinen Klienten gegolten hätte. «Dadurch hat er einen Teil seines Umfelds eingebüsst und mehrere Jobs verloren.» Dies müsse in der Urteilsfindung unbedingt strafmildernd berücksichtigt werden.

15:33 Uhr

Für die Verteidigung präsentieren sich die Geschehnisse an jenem Abend im Hotel wie folgt:

J.B. und I.L. haben sich im Ausgang kennengelernt, hätten im Hotelzimmer Alkohol und Kokain konsumiert, vermutlich wegen des Diebstahls gestritten und später am Sonntagabend einvernehmlichen Sex gehabt. Im Anschluss habe I.L. wohl auf Anraten ihrer Freunde wohl die Vergewaltigung erfunden. Die Therapie, welche das mutmassliche Opfer begonnen habe, und die Einvernahme unter Ausschluss der Öffentlichkeit seien Show und Zweck der Prozessbeeinflussung.

«Ein One-Night-Stand macht aus J.B. noch keinen Vergewaltiger.»
15:21 Uhr

Jetzt geht die Verteidigung auf die Vorwürfe der Vergewaltigung ein. Dass die Einvernahme des mutmasslichen Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden habe, sei übertrieben und reine «Show», so die Verteidigung.

Wie bei vielen Sexualdelikten stünde Aussage gegen Aussage, sagt der Verteidiger. Sein Klient habe jedoch widerspruchsfrei und glaubhaft die Geschehnisse im Hotelzimmer schildern können. «Mein Klient hat drei mal geduscht, das angebliche Opfer hätte jederzeit fliehen können.» Immerhin habe I.L. zwei Nächte und zwei Tage sich mit seinem Klienten im Hotelzimmer aufgehalten.

Für den Verteidiger ist klar: Die Vergewaltigung sei im Nachhinein erfunden worden, wohl auf Anraten ihrer Kollegen, die J.B. zuvor im Ausgang bestohlen haben. «Der Sex war einvernehmlich, keine Nötigung, keine Vergewaltigung.»

15:18 Uhr

Auf die Drogendelikte geht der Verteidiger wie folgt ein: «Heutzutage wird in der ganzen Gesellschaft derart viel Drogen und insbesondere Kokain konsumiert, dass ein grosser Teil der Bevölkerung zu verurteilen wäre, wenn man überall gleich hinschauen würde.» Der Konsum von Drogen mache ihn noch nicht zu einem Dealer.

15:06 Uhr

«Wir haben es beim Beschuldigten um einen Mann zu tun, der von Alkohol, Drogen und Frauen angetan war», so der Verteidiger einleitend. Er sei ein Mann, der zu seinen Taten stehe. Er geht nun auf einzelne Punkte der Anklage ein.

Warum J.B. nicht die Ambulanz gerufen habe, erklärt der Verteidiger mit «menschlichem Verhalten» und «Panik». J.B. habe versucht, Isabela T. wiederzubeleben. Als dies nicht klappte, habe er seine Freunde gerufen. Dass sich diese nun als Marionetten J.B.s inszenieren würden, sei nicht glaubwürdig, so die Verteidigung.

«Mein Klient stand unter Drogen und Alkohol, seine Freunde waren bei Bewusstsein und ausgeschlafen. Sie waren die treibenden Kräfte beim Verpacken und Wegbringen der Leiche.»

Natürlich sei J.B. ebenfalls schuldig, doch nicht der Haupttäter.

Der Verteidiger greift insbesondere den Beschuldigten D.P. an. Dieser sitzt unruhig und offensichtlich verärgert auf seinem Stuhl, die Arme verschränkt, den Kopf schüttelnd, der Blick starr.

15:01 Uhr

Es geht weiter mit dem Plädoyer der Verteidigung. Der Verteidiger geht auf alle Punkte der Anklage ein - fordert aber den Freispruch im Falle der Vergewaltigung. Ebenso sei auf den Landesverweis zu verzichten.

14:48 Uhr

Es gibt eine kurze Pause. Im Anschluss folgen Plädoyers weiterer Privatkläger.

14:41 Uhr

Der Rechtsanwalt der Eltern geht auf die Auswirkungen des Todes ihrer Tochter ein. «Beide litten und leiden unter Schlafstörung, unter Flashbacks und Depressionen. Beide wachen nachts manchmal auf, im Glauben, Isabela käme nach Hause.»

14:25 Uhr

Rechtsanwalt der Eltern: «Wir wissen nicht, woran Isabela gestorben ist – Schuld daran sind die Beschuldigten»

Jetzt spricht der Rechtsanwalt der hinterbliebenen Eltern von Isabela T., die ebenfalls im Gerichtssaal anwesend sind. Er fordert verschiedene Genugtuungsbeiträge von den drei Beschuldigten im Fall Zezikon. Ausserdem schliesse er sich der Anklage der Staatsanwältin an.

«Was weder die Behörden, noch die Eltern wissen, ist, woran Isabela gestorben ist», sagt der Rechtsanwalt. «Verantwortlich dafür ist das Verhalten der drei Beschuldigten. Hätten sie sich menschlich verhalten, wäre die Todesursache mit grosser Wahrscheinlichkeit bekannt.»

Die Störung des Totenfriedens sei gravierend, so der Rechtsanwalt. «Es handelt sich nicht um ein Vergehen, das normalerweise darunter verstanden werden - etwa das Umdrehen eines Grabsteins.» Die Handlungen würden von purem Egoismus und Gefühlskälte des Hauptbeschuldigten zeugen. «J.B. war die treibende Kraft. An ihm wäre es gewesen, die Ambulanz und Polizei zu rufen.» Aus diesem Grund erachte er die Schuld von J.B. als etwa doppelt so gross.

Dennoch seien die zwei Komplizen D.P. und O.C. nicht die Unschuldslämmer, als die sie sich in ihrer Vernehmung präsentiert hätten - ihre Schuld sei klar:

«Wer nachts eine Leiche entsorgt, weiss, was er tut – auch wenn sie ‹verladen› oder psychisch angeschlagen waren.»
14:17 Uhr

Jetzt spricht die Rechtsanwältin der Privatklägerin I.L., das mutmassliche Vergewaltigungsopfer in jenem Hotelzimmer in Graubünden. Die Schilderung der Privatklägerin I.L. fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - J.B. widerspricht der Darstellung. Die Rechtsanwältin fordert eine Genugtuungssumme von 15'000 Franken.

«Meine Klientin wurde durch die Vergewaltigung seelisch tief beeinträchtigt», sagt die Anwältin der Privatklägerin. «Das Opfer leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. I.L. war vor der Tat in einer guten psychischen Verfassung, stehend an der Schwelle zu Adoleszenz. Bleibende psychische Schäden werden nicht ausgeschlossen.» Die Rechtsanwältin nennt typische Symptome ihrer Klientin: «Depression, Erschöpfung, Vermeidungsverhalten in sozialen Situationen, Flashbacks. Diese finden teilweise mehrmals täglich statt. Diese Symptome wirken sich schwer auf die junge Frau aus.»

14:12 Uhr

Die Begründung des Strafmasses gegenüber Komplizen D.P. sei vergleichbar mit jenem von O.C. Strafmildernd sei das Geständnis zu werten, das er nach erstmaligem Abstreiten abgelegt habe.

14:03 Uhr

Jetzt kommt die Staatsanwaltschaft auf die Begründung des Strafmasses gegenüber Komplizen O.C. zu sprechen - sie betrachtet die Störung des Totenfriedens als Hauptdelikt. Das Verschulden liege aber tiefer als jenes vom Hauptangeklagten J.B. Strafmindernd sei ausserdem, dass O.C. offensichtlich reumütig sei, so die Staatsanwältin, und psychisch unter der Tat leide. So habe O.C. den hinterbliebenen Eltern von Isabela T. einen Entschuldigungsbrief geschrieben – «wobei nicht klar ist, ob er diesen auch abgeschickt hat».

14:02 Uhr

J.B. ist niederländischer Staatsbürger. Dadurch, dass ihm eine Vergewaltigung und Drogendelikte vorgeworfen werden, stelle J.B. eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar. Da er nicht in der Schweiz geboren ist, Schulden hat, keine Landessprache spricht, keine Familie in der Schweiz hat, sei kein Härtefall gegeben, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer:

«Deshalb ist ein Landesverweis von sieben Jahre auszusprechen.»
13:46 Uhr

Die Staatsanwältin geht auf das Strafmass gegen J.B. ein. «Der schwerste Deliktstand ist der Vorwurf der Vergewaltigung. Diese bestimmt die Höhe des Strafmass.» Die Staatsanwaltschaft geht dabei von einem Strafmass von 36 Monaten aus. Hinzu kommen weitere Strafeinheiten für die weiteren Delikte wie die Störung des Totenfriedens, die Körperverletzung, Bedrohung und die Drogendelikte.

Nicht strafmindernd soll sich die intensive Medienberichterstattung auswirken. «Wer Medienberichte dazu verwendet, andere Personen in Angst und Schrecken zu versetzen, kann dies nicht als strafmindernd in Anspruch nehmen», so die Staatsanwältin.

13:33 Uhr

Die Staatsanwältin geht auf die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. Die Beteuerungen J.B.s, er habe das Kokain nur für den Eigengebrauch verwendet und nicht verkauft, sei unglaubwürdig. «Die Menge hätte für mehrere Monate gereicht.»

13:32 Uhr

Die Mittagspause ist vorbei, die Richterin eröffnet den Prozess und erteilt der Staatsanwältin das Wort. Sie fährt mit ihrem Plädoyer fort.

12:40 Uhr

Mit dem Plädoyer der Staatsanwältin endet auch der erste Teil der Verhandlung. Weiter geht es um 13:30 Uhr.

12:29 Uhr

Die Staatsanwältin geht auf den Vorwurf der Vergewaltigung ein - und auf die sich widersprechenden Darstellungen. «Wie so oft bei Sexualdelikten fehlen weitere Zeugen, somit ist es an Ihnen, geschätztes Gericht, zu entscheiden, welche Darstellung glaubhafter sei.»

Dennoch befindet die Staatsanwältin die Aussagen der Privatklägerin, dem mutmasslichen Vergewaltigungsopfer I.L., als glaubhafter. Ein Beispiel: Die zerbrochene Flasche, mit der J.B. in jenem Hotelzimmer I.L. bedroht haben soll. Hier habe sich J.B. in Widersprüche verwickelt. «Mal ist sie beim Einschenken zerbrochen, mal zu Boden gefallen.»

«Auch wenn sich die Privatklägerin während des Geschlechtsverkehr nicht gewehrt hat, so hat sie ihm dennoch verbal deutlich gemacht, dass sie den Geschlechtsverkehr nicht will und dabei geweint», so die Staatsanwältin. Aus diesem Grund müsse J.B. klar gewesen sein, dass der Sex gegen den Willen von I.L. vollzogen wurde.

Ebenso befindet die Staatsanwältin in weiteren Anklagepunkten wie Verstössen gegen das Waffengesetz und Drohungen für schuldig.

12:10 Uhr

Die Staatsanwältin begründet die Anklage gegenüber J.B. wie folgt: Er habe die Anweisungen gegeben, die Leiche zu verpacken und zu verschnüren und ausserdem tatkräftig dabei mitgeholfen. Dabei sei es unerheblich, ob er dabei war oder nicht. «Der Beschuldigte war froh, dass der Leichnam ausserhalb der Wohnung war. Er hoffte, dass sie nicht mehr gefunden würde.» Und weiter:

«Die Beschuldigten liessen jedes Ehrgefühl vermissen.»

Als J.B. erfahren habe, dass seine beiden Komplizen den Leichnam in einem Waldstück hinterlassen haben, habe er befürchtet, der Teppich und die Bettwäsche, in welche die Leiche eingewickelt war, können auf ihn zurückzuführen sein. «So hat er verlangt, dass die beiden Teppich und Bettwäsche zurückholen», sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

12:00 Uhr

Das fordert die Staatsanwaltschaft

Jetzt spricht die Staatsanwältin und verliest die geforderten Strafmasse:

  • Hauptbeschuldigter J.B.: 52 Monate Freiheitsstrafe, Busse von 500 Franken, Landesverweis von sieben Jahren, Übernahme der Verfahrenskosten.
  • O.C: Geldstrafe von 340 Tagessätzen zu je 30 Franken, Busse von 1100 Franken.
  • D.P.: 250 Tagessätze zu je 90 Franken, Busse von 2100 Franken. 
11:57 Uhr

Die Vernehmung der Beschuldigten ist zu Ende. Jetzt folgt das Plädoyer der Staatsanwältin.

11:54 Uhr

Es tue ihm leid, sagt D.P.. Er könne sich nur bei der Familie entschuldigen. Mehr könne er momentan nicht sagen.

11:48 Uhr

Die Richterin befragt D.P. nach den weiteren Geschehnissen in jener Nacht, danach, was nach dem Verlassen der Wohnung passiert ist.

«Wir sind vielleicht fünf Minuten mit dem Leichnam im Kofferraum gefahren. Es kam mir vor wie fünf Stunden», sagt D.P. Sie hätten gedacht, die Leiche würde bestimmt am nächsten Tag gefunden werden. Doch es habe geschneit. Die tote Isabela T. wurde erst zweieinhalb Monate später gefunden.

Richterin: «Warum haben Sie dies gemacht?»

D.P.: «Ich kann es nicht sagen.»

Richterin: «In welchem Verhältnis standen Sie damals zu J.B.?»

D.P.: Wir waren befreundet. Uns allen ging es damals nicht gut. Weder mir, noch J.B., noch O.C.

11:39 Uhr

Was sagt D.P. zu den Geschehnissen in der Nacht im November 2018?

Er bekam einen Anruf, ging zu J.B. in die Wohnung. Es war ein Chaos in der Wohnung, der Körper von Isabela T. sei kalt gewesen. «Wir haben den Puls gefühlt, und versucht, eine Herzmassage durchzuführen. Doch es war zu spät.» Er habe die Ambulanz rufen wollen, sagt D.P. Doch dies habe der Hauptbeschuldigte J.B. nicht gewollt. Warum haben Sie sich nicht durchgesetzt, fragt die Richtern.

«Ich weiss es auch nicht. Ich stand unter Schock – eine solche Situation habe ich noch nie erlebt.»
11:32 Uhr

Jetzt bittet die Richterin den zweiten Komplizen im Fall Zezikon nach vorne, D.P., der wie O.C. in jener Nacht in J.B.s Wohnung war und den Leichnam von Isabela T. im Waldstück bei Zezikon abgelegt hat.

Die Richterin befragt D.P. nach seinen derzeitigen persönlichen Lebensumständen, er antwortet auf Italienisch, eine Dolmetscherin übersetzt auf Deutsch. Ihm gehe es sehr schlecht, erzählt D.P. «Ich kann kaum essen, kaum schlafen.» Und weiter:

«Ich musste die Geschichte meiner Familie erzählen. Das schwierigste war, meiner 19-jährigen Tochter zu schildern, was ich gemacht habe.»

Dies sei drei Wochen nach der Entlassung aus dem Untersuchungsgefängnis gewesen, sagt D.P. Er antwortet oft auf Deutsch, teils auf Italienisch.

11:28 Uhr

Die Richterin geht in die Details, die an jenem Abend, als Isabela T. in J.B.s Wohnung gestorben ist. Auch hier sagt O.C., er könne sich nicht mehr genau erinnern, er wisse nicht mehr genau, was passiert ist. Woran er sich denn noch erinnern könne, will die Richterin wissen. «Wie wir die Leiche heruntergetragen haben, wie wir im Anschluss nach Frauenfeld gefahren sind», sagt O.C.. «Warum haben Sie dies getan?», fragt die Richterin. «Aus falscher Loyalität zu einem Freund.»

11:16 Uhr

Die Richterin nimmt die Verhandlung wieder auf. Befragt wird nun einer der beiden Komplizen, der J.B. geholfen hat, die Leiche von Isabela T. in den Wald zu bringen. O.C. sitzt auf einem Stuhl vor der Richterin, die die Personalien durchgeht und allgemeine Fragen zu seiner Person stellt. Er könne sich an nichts mehr erinnern, sagt O.C. gleich zu Beginn, der seit der Tat in psychologischer Betreuung und einer Tagesklinik ist. Warum er sich nicht mehr erinnern könne, will die Richterin wissen. O.C.:

«Ich weiss es nicht. Meine Therapeutin meint, es sei ein Schutzmechanismus. Was ich gemacht habe, ist unverzeihlich.»
11:05 Uhr

Es folgt eine kurze Pause von rund zehn Minuten.

10:59 Uhr

J.B. hat erwähnt, er habe auf seinem Tablet einen Ordner mit Medienberichten über die Tat von Zezikon angelegt - jenen Ordner, den I.L., die J.B. der Vergewaltigung bezichtigt, laut J.B. im Hotelzimmer gesehen haben soll. Warum er diesen Ordner angelegt habe, will die Richterin wissen.

Auch hier verweist J.B. auf die in seinen Augen ungerechtfertigte Berichterstattung der Medien.

«Auch ich habe ein Recht auf Privatsphäre. Es ist sicherlich kein Fetisch von mir.»
10:54 Uhr

Der Rechtsanwalt der klagenden Eltern von Isabela T. will von J.B. wissen, ob er an die Eltern gedacht habe, als er die Leiche von Isabela T. im Waldstück abgelegt habe.

«Es ist sehr hart. Ich bin selber Vater. Mir fehlen die Worte - es kommt nur Schmerz heraus. Wäre ich an der Stelle der Eltern, da wäre nur Schmerz. Ich mit meinem Tun habe ihnen ihre Tochter weggenommen»

10:50 Uhr

Die Richterin hat keine weitere Fragen mehr. Ob J.B. noch Drogen konsumiere, will sein Verteidiger wissen. Nein, sagt J.B., seit den Vorfällen konsumiere er keine Drogen und keinen Alkohol mehr - «dies hat nur alles schlimmer gemacht».

Ebenso sieht sich J.B. als Opfer der Medien, der Berichterstattung. «Nach einem Bericht von 20 Minuten habe ich meinen Job verloren.»

10:47 Uhr

Die Richterin liest das geforderte Strafmass vor: 52 Monate, 500 Franken Strafe und sieben Jahre Landesverweis. «Was sagen Sie dazu», will die Richterin wissen.

«Ich habe drei Familien zerstört, ich bezahle dafür. Aber ich will das Land nicht verlassen müssen. Ich hoffe, es kommt nicht dazu», sagt J.B.

10:36 Uhr

Die Richterin kommt auf verschiedene Drogendelikte J.B.s zu sprechen, die sich zwischen 2016 und der mutmasslichen Vergewaltigung im August 2019 zugetragen haben: Konsum von Kokain, Abgabe von Konsum. Auch hier widerspricht J.B. in Details. Ein Vorwurf: Er habe I.L., das mutmassliche Vergewaltigungsopfer, zum Kokainkonsum eingeladen.

J.B.: «Ja, es stimmt. Wenn ich mit jemandem im Ausgang war, habe ich Kokain angeboten. Mir ging es damals nicht gut. Ich war wirklich abgestürzt.»

10:30 Uhr

Jetzt spricht die Richterin einen weiteren Vorfall in jenem Hotelzimmer an. Wieder geht es um den Vorwurf von J.B. an I.L. und ihre Freunde, sie hätten ihn im Ausgang bestohlen, noch bevor es zur vorgeworfenen Vergewaltigung gekommen sei. J.B. hat daraufhin gemäss Anklage mit verschiedene Sprachnachrichten die Personen bedroht, die ihn bestohlen hätten. Dies stimme, sagt J.B.. Er sei wütend gewesen.

10:22 Uhr

Die Richterin schildert weitere Details der Anklageschrift. So habe J.B. sie zur Selbstbefriedigung gezwungen, J.B. habe den Geschlechtsverkehr erzwungen, I.L. habe während des Sex geweint. Auch dies bestreitet er.

Warum soll I.L. dies alles erfinden, will die Richterin wissen?

J.B.: «Weil sie sich einen Vorteil verschaffen will.»

Richterin: «Welchen Vorteil?»

J.B.: «Ökonomischen Vorteil. Sie kann die Geschichte erzählen, sie sei von mir, diesem Killer, diesem Monster, vergewaltigt worden. Ein Jahr später hatte sie ein Kind. Wenn ich sie wirklich vergewaltigt hätte, würde sie doch nichts mehr mit einem Mann wollen.»

10:20 Uhr

Wenn J.B. spricht, dann sehr enerviert, seine Stimme wird lauter, er verteidigt sich.

10:12 Uhr

J.B.: «Sie hätte jederzeit gehen können. Ich war rund 20 Minuten weg aus dem Hotelzimmer, um etwas einzukaufen. Sie wollte bleiben.»

Auch weitere Vorwürfe bestreitet J.B.. I.L., das mutmassliche Vergewaltigungsopfer, wirft ihm Schläge vor, er habe sie mit einer zerbrochenen Flasche bedroht. «Es gibt keine Zeichen an ihrem Körper, dass ich sie geschlagen oder körperlich angegriffen hätte», sagt J.B. «Ich habe mich auch gefragt, warum sie dies erfindet. Ich vermute, weil sie die Medienberichte auf meinem Laptop gesehen hat. Weil sie Profit machen will.»

J.B. weiter: «Wenn ich tatsächlich solche Sachen gemacht hätte, warum hat sie nicht um Hilfe gerufen? Warum kam sie später zu mir ins Bett und hat sich an mich gekuschelt?»

10:05 Uhr

Auch weitere Vorwürfe der Zeugin, was im Hotelzimmer passiert sei, bestreitet J.B. Ein Vorwurf: J.B. habe der Zeugin und dem mutmasslich späteren Vergewaltigungsopfer auf seinem Tablet Medienberichte im Fall Isabela T. gezeigt. Dies stimme nicht, sagt J.B., sie habe die Zeitungsartikel auf dem Tablet selber entdeckt. Er habe sie nicht damit bedroht.

«Ich bin nicht das Monster, zu dem mich 20 Minuten und Blick machen.»
09:55 Uhr

J.B. bestreitet Details der Vergewaltigung

Die Richterin kommt nun auf die Anklage der Vergewaltigung zu sprechen. Nicht alles sei richtig, was die Richterin sagt, meint J.B. Streitpunkt: ein Foto, das er vom Ausweis der Zeugin gemacht haben soll. Zuvor waren J.B., das mutmassliche Vergewaltigungsopfer in einer Wohnung einer Kollegin, wo die Kollegin ihn bestohlen habe. Das Foto habe er geschossen, da er gemerkt habe, ihm fehle Geld.

Später gingen die zwei in ein Hotel. «Ich habe ihr gesagt, sie könne gehen. Doch sie wollte unbedingt mitkommen», sagt J.B. «Vermutlich, da sie mit ihrer Kollegin einen Streit hatte.»

09:50 Uhr

Jetzt kommt die Richterin auf einen weiteren Anklagepunkt zu sprechen: eine Tätlichkeit. Im Herbst 2018 soll J.B. einen ehemaligen Freund geschlagen haben, der ihn darauf anzeigte. «Dies war mein Fehler», sagt J.B. Er habe sich entschuldigt, die Anzeige zog sein ehemaliger Freund jedoch nicht zurück.

09:45 Uhr

J.B.: «Ich erinnere mich, wie ich Isabelas persönliche Sachen in einen Sack gepackt habe - ich weiss nicht mehr, ob es am gleichen Abend oder am nächsten Tag war.» Er habe unbedingt die Wohnung verlassen wollen, sagt J.B. Deshalb könne er sich nicht mehr genau erinnern.

09:38 Uhr

Jetzt verliest die Richterin die Geschehnisse vom November 2018, als Isabela T. in J.B.s Wohnung gestorben ist, in allen Details. Wie Isabela T. tot auf dem Boden lag. Wie J.B. seine Freunde gerufen hat. Wie sie Isabela T. in Paketschnur verschnürt und in Bettwäsche und einen grünen Teppich eingewickelt haben. «Warum haben Sie nicht die Polizei gerufen?», will die Richterin wissen. J.B.:

«Ich frage mich dies jeden Tag. Meine erste Reaktion war, meine Freunde zu rufen. Mein ganzes Leben würde anders verlaufen, wenn ich die Polizei gerufen hätte.»

J.B. wirkt gefasst, der Blick ist klar, die Antworten deutlich. Ein Mitbeschuldigter hat das Gesicht in den Händen vergraben, sitz unruhig auf seinem Stuhl.

09:35 Uhr

J.B. zahlt Alimente für einen sechsjährigen Sohn, den er zuletzt vor zwei Jahren gesehen hat. Der Sohn lebt in Deutschland. Ausserdem hat er einen 17-jährigen Sohn in New York und eine 12-jährige Tochter.

Seinen Freundeskreis habe er vor drei Jahren verloren, erzählt J.B., als dies mit Isabela T. passiert sei.

09:29 Uhr

Während der letzten drei Jahre habe er viele Hochs und Tiefs erlebt, sagt J.B. auf die Frage der Richterin, wie seine familiäre Verhältnisse aussehen. Eine Partnerin habe er nicht. J.B. antwortet mal auf Deutsch, meist jedoch auf Englisch, das ihm geläufiger ist. Teilweise muss die Dolmetscherin die Fragen der Richterin übersetzen.

J.B. erzählt, er habe verschiedene Stellen wegen der Medienberichterstattung verloren. «Dies ist verständlich», sagt J.B.

09:27 Uhr

Jetzt erfolgt die Befragung des Hauptbeschuldigten J.B.. Erst klärt die Richterin die Personalien und listet nochmals alle Anklagepunkte auf.

09:24 Uhr

Die Befragung der Zeugin, dem Vergewaltigungsopfer, ist vorbei, die Öffentlichkeit wieder zugelassen. Soeben haben J.B., seine beiden Komplizen im Fall Zezikon und die Verteidiger den Saal wieder betreten.

08:54 Uhr

Darüber berichtet die Zeugin

Gemäss Anklageschrift hat der Hauptbeschuldigte J.B., ein heute 40-jähriger Niederländer, eine heute 21-jährige Brasilianerin im August 2019 in einem Hotel in Graubünden vergewaltigt. Die beiden haben sich in einer Bar kennengelernt, konsumierten gemeinsam Kokain und besuchten schliesslich ein Hotel. Hier hat der Hauptbeschuldigte die junge Frau gemäss Anklageschrift erst psychisch unter Druck gesetzt, sie später geschlagen, mit einer zerbrochenen Flasche bedroht und schliesslich vergewaltigt. Ebenso habe er mit der Tat von Zezikon geprahlt und behauptet, er habe Isabela T. umgebracht. Das Opfer konnte fliehen, nachdem der Täter eingeschlafen war.

08:40 Uhr

Im August 2019 soll der Hauptbeschuldigte J.B. (Name der Redaktion bekannt) in Chur eine Frau vergewaltigt haben. Sie wird nun befragt - unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Konfrontation mit den drei Angeklagten im Fall Zezikon. Sie haben den Gerichtssaal verlassen. Der Hauptbeschuldigte und sein Verteidiger können die Verhandlung aus dem Nebenraum via Videoübertragung mitverfolgen. Die Medienschaffenden sitzen im Vorraum vor dem Gerichtssaal.

08:38 Uhr

Die Verhandlung ist eröffnet. Auf das Verlesen der Anklage wird verzichtet. Ebenso ist eine Dolmetscherin im Saal, welche für den Hauptbeschuldigten übersetzt.

08:34 Uhr

Die Vizepräsidentin des Gerichts listet die Anklagepunkte gegen die drei Beschuldigten auf. Hauptvorwurf: Störung des Totenfriedens.

08:31 Uhr

Herzlich willkommen aus dem Bezirksgericht Frauenfeld. Wir berichten heute den ganzen Tag über den Prozess im Fall Zezikon.

8:00 Uhr

Ein Fall, der die Schweiz bewegte

Es ist ein Fall wie aus einem Gangsterfilm, und doch bittere Realität: Am 25. Januar 2018 wurde der Leichnam der 20-jährigen Isabela T. in einem Tobel in Zezikon gefunden, eingewickelt in einen grünen Teppich. Seit November 2017 galt die junge Frau als vermisst, zuletzt war sie im Ausgang in Zürich gesichtet worden.

Heute stehen die drei Männer vor dem Bezirksgericht Frauenfeld, die kurz nach dem Leichenfund verhaften worden sind. Die Anklage: Störung des Totenfriedens. Der Hauptangeklagte ist ein heute 40-jähriger Drogendealer niederländischer Staatsbürgerschaft, Mitbeschuldigte sind zwei Komplizen des Hauptangeklagten. Die letzten Stunden vor ihrem Tod soll Isabela T. in der Wohnung des damals 36-jährigen Hauptbeschuldigten verbracht haben. Die genaue Todesursache ist unklar, vermutet wird ein tödlicher Drogenmix. Der Vorwurf der vorsätzlichen Tötung habe sich «nicht derart erhärten lassen, als dass diesbezüglich Anklage zu erheben gewesen wäre», ist der Anklageschrift zu entnehmen.

Klarer ist für die Anklage aber, was nach dem Tod von Isabella T. passiert ist: Der Hauptbeschuldigte rief zwei Kollegen an, sie umwickelten den Leichnam mit einer Paketschnur und einem grünen Fransenteppich. Die Komplizen fuhren den Leichnam in ein Waldstück bei Zezikon, wo er zweieinhalb Monate später gefunden wurde. Der Hauptangeklagte soll in der Zwischenzeit Kleider, Handy und Utensilien der Toten in einen Kehrichtsack vor dem Mehrfamilienhaus entsorgt haben.

Das fordert die Anklage

Die Liste der Anklagepunkte gegen den Hauptbeschuldigten ist lang, Störung des Totenfriedens nur ein Punkt unter vielen. So wirft die Staatsanwaltschaft dem 40-jährigen Drogendealer unter anderem Vergewaltigung, einfache Körperverletzung, mehrfache Drohung, Verstösse gegen das Waffengesetz und verschiedene Drogendelikte vor.

Die beiden Komplizen des Haupttäters, die heute ebenfalls vor dem Bezirksgericht Frauenfeld stehen, müssen sich wegen Störung des Totenfriedens, Irreführung der Rechtspflege und Drogendelikte verantworten.

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