Ostschweiz
Bei Anflug auf Airport Altenrhein abgestürzt: 70-jähriger Pilot eines Kleinflugzeuges bei Staad lebend aus See geborgen – Mann war schon einmal als Geisterflieger unterwegs

Flugzeugunglück am Bodensee: Um 11.30 Uhr ging bei der St.Galler Kantonspolizei die Meldung ein, dass ein Flugzeug vermisst werde. Es kam zu einem Grosseinsatz der Rettungskräfte, in deren Folge das verunfallte Kleinflugzeug und der Pilot bei Staad aufgefunden werden konnten.

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(lex/tn/nro/dwa/rtl/mbu) Das Kleinflugzeug befand sich laut Polizeiangaben im Landeanflug an den Flughafen Altenrhein, als es verunglückte. Nach 13 Uhr meldete die Polizei schliesslich, dass die Maschine einige 100 Meter vor Staad im Bodensee gefunden und der Pilot gerettet worden sei. Es heisst weiter:

«Er war beim Auffinden ansprechbar und wurde vom Rettungsdienst ins Spital gebracht.»

Laut Polizeiangaben handelt es sich beim Piloten um einen 70-jährigen Deutschen, der im Tessin wohnhaft ist. Gemäss jetzigen Erkenntnissen startete er alleine mit seinem zweimotorigen Flugzeug (Piper) in Locarno mit dem Ziel Altenrhein. Aus ungeklärten Gründen stürzte das Flugzeug bei Staad dann in den See.

Der Pilot konnte sich selbst aus dem Flugzeug befreien. Die aufgebotene Feuerwehr organisierte einen Fischer mit seinem Boot und konnte den Piloten aus dem See bergen. Der Nebel am See war so stark, dass die Helfer gerade einmal einen Arm weit sehen konnten, erzählt einer von ihnen. Er schätzt, dass der Mann etwa eine Dreiviertelstunde im Wasser gelegen hätte - in sommerlich-leichter Bekleidung. Und:

«Wir hätten nicht gedacht, dass wir ihn lebend finden.»

Der Mann wurde anschliessend ans Ufer gebracht und vom Rettungsdienst ins Spital überführt. Er war ansprechbar und unterkühlt.

Wie blick.ch schreibt, sei es nicht das erste Mal, dass der deutsche Pilot Probleme hat. Am 2. März 2006 musste gemäss dem Online-Portal sogar die Schweizer Luftwaffe eingreifen. Offenbar mit der gleichen Maschine, wie beim jetzigen Absturz, sei der Mann damals von Egelsbach bei Frankfurt a. M. nach Lugano geflogen. Auf dem Flug sei der Strom und damit Funk und Instrumente ausgefallen. Der Pilot sei nicht mehr zu erreichen gewesen und nur noch auf Sicht geflogen. Eine Meldung von Skyguide über das Geisterflugzeug habe dazu geführt, dass die Luftwaffe mit zwei Tiger-F5-Kampfjets ausgerückt sei und das Kleinflugzeug über den Gotthard eskortiert habe. Laut der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) sei der technische Zustand des Flugzeugs damals mangelhaft gewesen, hält blick.ch weiter fest.

Flugzeug befindet sich in 84 Meter Tiefe

«Das Flugzeug selbst ist mittlerweile gesunken», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen auf Anfrage. Schätzungen zufolge befindet es sich in 84 Metern Tiefe. Dass es am Donnerstag noch aus dem See gezogen werden kann, ist gemäss den Experten eher unwahrscheinlich.

Der Tower verlor den Sicht- und Funkkontakt

Thomas Krutzler, CEO People's Air Group.

Thomas Krutzler, CEO People's Air Group.

Bild: PD

Thomas Krutzler ist CEO der People's Air Group. Er steht am Donnerstagnachmittag am Airport Altenrhein den Medienleuten Rede und Antwort. In den fünf Jahren, in denen er diesen Job mache, habe er so etwas noch nie erlebt, sagt er. Zwei Meilen vor dem Landeanflug zeichnete sich das Unglück ab.

«Als der Tower den Sicht- und Funkkontakt verlor, löste er den Alarm aus», sagt er. Dieser erreichte über die Kantonale Notrufzentrale auch die Einsatzkräfte der Kantonspolizei. Der Airport selber habe ebenfalls zahlreiche Feuerwehrmänner und Rettungskräfte vor Ort, die sofort aufgeboten wurden - und als Erste im Hafen Staad eintrafen. Die beiden Skyguide-Mitarbeitenden im Tower wurden nach dem Vorfall ausgewechselt, sagt Krutzler, zu stark sei die mentale Belastung.

Absturzursache noch unbekannt

Die Umstände, die zum Absturz geführt haben, sind nach wie vor unbekannt. Wie die Polizei weiter schreibt, werden im Falle einer erfolgreichen Suche die Sicherung der Unfallstelle und die Tatbestandsaufnahme in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST organisiert.

BRK

Wegen des Nebels war die Sicht am Bodensee zum Zeitpunkt der Suche nach dem Unglücksflugzeug stark eingeschränkt. Es sei mittlerweile eine Ölsperre zur Absturzstelle geschleppt worden.

Polizeiboot am Rorschacher Hafen

Zum Einsatz kamen nebst mehreren Patrouillen und Sonderfunktionen der Kantonspolizei St.Gallen die internationalen Seerettungsdienste, die Rega sowie örtliche Feuerwehren.

Ein Augenzeuge sichtete um die Mittagszeit am Rorschacher Hafen das Ausfahren eines Polizeiboots.

Auf der Flugradar-Website «flightradar24» war zudem zu erkennen, dass der Helikopter HB_ZQN der Schweizerischen Luftambulanz ab 11 Uhr während rund 20 Minuten über dem Bodensee kreiste.

Ein Rettungshelikopter der Schweizerischen Luftambulanz war ebenfalls im Einsatz.

Ein Rettungshelikopter der Schweizerischen Luftambulanz war ebenfalls im Einsatz.

Printscreen flightradar24

Nicht die erste Maschine, die in der Region Rorschach in den Bodensee stürzt

Am kommenden Dienstag jährt sich der Absturz einer «Commander AC-90» in den Bodensee zum 32. Mal. Die Maschine der «Rheintalflug» stürzte beim Landeanflug auf den Flugplatz Altenrhein im Nebel vor Rorschach in den Bodensee. Alle elf Insassen kamen ums Leben, darunter auch der österreichische Sozialminister Alfred Dallinger. Der Absturz wurde auf menschliches Versagen zurückgeführt, konnte aber nie restlos geklärt werden.

Im April 2012 stürzte eine Maschine, die am Vormittag in Altenrhein gestartet war, kurz nach dem Start in den See. Das Kleinflugzeug hatte zuvor an Leistung verloren. Die Insassen kamen mit dem Leben davon. (mos/dwa)

Mehr dazu folgt...