Kurzschluss in Mels

Frank und Patrik Riklins Konzept, Mels während Monaten täglich für einige Minuten den Strom zu entziehen, hat das Dorf in Aufregung versetzt. Die Reaktionen reichen von Zustimmung bis zu blankem Entsetzen.

Philippe Reichen
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Der Melser «Traube»-Wirt Paul Hidber hat den Gästen schon einmal vorsätzlich das Licht gelöscht. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Der Melser «Traube»-Wirt Paul Hidber hat den Gästen schon einmal vorsätzlich das Licht gelöscht. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Mels. Guido Fischer, Gemeindepräsident von Mels, ist die Anstrengung der letzten Tage anzumerken. Die St. Galler Künstler Frank und Patrik Riklin haben mit der Idee, «seinem» Dorf während fünf Monaten täglich für zehn Minuten den Strom abzuschalten, die erwartete Kontroverse ausgelöst. Fischer wurde belagert: zuerst von Journalisten; dann stellten Bürger den Gemeindepräsidenten auf der Strasse und forderten ihn in zeitraubenden Diskussionen. Zuschriften verstopften den E-Mail-Briefkasten des Gemeindepräsidenten.

Immer und immer wieder hiess es: «Was soll das? Das ist ein Scherz!»

Guido Fischer war für zwei Tage blockiert. Er sagt: «Ich habe dringende Geschäfte auf die Seite legen müssen.» Das hat ihm, so scheint, die Lust an der «Kunstaktion» genommen. Riklins Denkpause nennt er nun «eine Kulturmassnahme»; attestiert den Brüdern aber, ihr Projekt «gekonnt aufgemacht» zu haben.

Paul Hidber, Wirt im Restaurant Traube, mag nicht einmal mehr über das Thema reden. Er bestätigt aber das Gerücht, kurz vor Mitternacht am Ende eines gemütlichen Abends zur Überraschung der Gäste das Licht ausgelöscht zu haben. Die Pointe sass. In der «Traube» hätten sich alle bestens amüsiert, so Hidber. Die Gäste mussten den Heimweg dann aber doch nicht im Dunkeln finden.

Volle Leserbriefspalten

Es seien Mutmassungen und wilde Gerüchte im Umlauf, deren Ausläufer sich auch in den Leserbriefspalten bemerkbar machten, ist von Architekt Daniel Ackermann zu erfahren. Gestern in der Zeitung «Sarganserländer»: Toni Bärtsch, OK-Präsident des Kultursommers Mels, reagiert in einem Artikel ausführlich auf die Kontroverse. Bärtsch versucht in seinem Beitrag die Wogen zu glätten.

«Nicht nur Riklins bewegen etwas in Mels, nein, 56 weitere Künstlerinnen und Künstler werden ab dem 1. Mai 2010 Mels mit ihren Werken verzaubern», schreibt der OK-Präsident. Und: «Ich habe immer gesagt, die technischen und juristischen Auswirkungen würden sorgfältig abgeklärt. Wir können es uns nicht leisten, mit Schadenersatzforderungen konfrontiert zu werden.» Krebst Toni Bärtsch nun zurück?

«Sind in der Denkpause»

Auch er hat einiges zu hören und lesen bekommen. Die Wörter «Katastrophe» und «Idioten» gehörten zur vornehmeren Wortwahl. Eine anonyme Person wies Bärtsch an, Riklins in die Psychiatrie einzuweisen. Bärtsch schrieb zurück und beschwichtigte, vergeblich. Die Person antwortete: «Alles Scheisse.»

Toni Bärtsch hat aber auch etliche positive Feedbacks bekommen. 30 Prozent der Bevölkerung seien dafür, 70 Prozent dagegen, schätzt er die Stimmungslage ein.

Dieses Wochenende wird er sich mit Frank und Patrik Riklin treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Gemeindepräsident Guido Fischer hat seine Meinung schon gebildet: «Eine Denkpause muss man nicht inszenieren, wir sind bereits mittendrin.»