Orientierungslauf
Der Frust sitzt tief: Martin und Daniel Hubmann suchen nach der Heim-EM aus der Baisse

Die Thurgauer OL-Brüder Martin und Daniel Hubmann blieben vergangene Woche an der Sprint-Europameisterschaft unter ihren Erwartungen. Bei der Verarbeitung gehen sie unterschiedliche Wege. Anfang Juli findet bereits die WM statt.

Jörg Greb
Drucken
Daniel Hubmann fehlten in Neuenburg nur drei Sekunden zu Bronze.

Daniel Hubmann fehlten in Neuenburg nur drei Sekunden zu Bronze.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Mit hohen Zielen waren die Orientierungsläufer Martin und Daniel Hubmann an die Sprint-Europameisterschaft nach Neuenburg gereist. Von Medaillen sprachen beide im Vorfeld. Daniel, der ältere und erfolgsgewohntere der Brüder, verwies als amtierender Welt- und Europameister auf sein Flair. Martin, der sechs Jahre jüngere, ging von seinen Fortschritten und seiner professionellen Vorbereitung aus. Und dann diese Ergebnisse! Rang sechs resultierte für Daniel Hubmann im Einzelsprint. Im Knock-out-Sprint schied er bereits im Halbfinal aus. Noch ernüchternder waren die Resultate von Martin Hubmann: Zehnter im Einzelsprint, Viertelfinal-Aus im Knock-out-Sprint und Nichtberücksichtigung für die Mixed-Staffel.

Martin Hubmann sagt: «Ich verpasste die Medaille nicht nur, ich hatte keine Chance darauf».

Martin Hubmann sagt: «Ich verpasste die Medaille nicht nur, ich hatte keine Chance darauf».

Jean-Christophe Bott/Keystone

Dass sie ihr Ziel verpasst haben, beschäftigt beide. Die Art, wie sie die Aufarbeitung angegangen sind, unterscheidet sich jedoch wesentlich. Während Daniel sehr schnell den Fokus wechseln konnte, sitzt das Verpasste bei Martin tiefer.

Daniel Hubmann hielt die Karte falsch rum

Daniel Hubmann bilanziert: «Ich hatte 2018 bei meinem WM-Titel wie auch beim EM-Titel das Glück auf meiner Seite. Nun war es anders.» Am Wochenende in Neuenburg fehlten ihm drei Sekunden zu Bronze. «Für eine Medaille muss vieles passen», sagt der Eschliker. «Für Gold sowieso.» Konkurrenzfähig sei er noch allemal, auch wenn er die Fortschritte der neuen Generation an jungen Läufern anerkennt.

Fragt sich, was fehlte. «Kleinigkeiten», sagt Daniel Hubmann. Dazu gehört das Malheur, sich im Halbfinal des Knock-out-Sprints zuerst auf der falschen Seite der Laufkarte orientiert zu haben. Die EM-Enttäuschungen hat der Thurgauer abgehakt. Seine Konzentration gilt nun der WM von Anfang Juli in Tschechien. Dort geht es wieder in den Wald. «Die Abwechslung tut gut.» Er strahlt Selbstvertrauen aus, auch im Hinblick auf die Testläufe von Ende Mai, die über die Selektion entscheiden. «Im Sprint habe ich als Titelhalter den Startplatz gesichert, und in den anderen Disziplinen werde ich beweisen, dass ich ins Team gehöre.»

Martin Hubmann sieht sich in einer schlechten Position

Weniger komfortabel präsentiert sich die Situation für Martin Hubmann. Er hat in Neuenburg realisiert: «Ich verpasste die Medaille nicht nur, ich hatte keine Chance darauf.» Kommt hinzu, dass er teamintern von jungen Läufern übertroffen worden ist. Dies ruft nach Erklärungen. Doch hat er noch keine befriedigende Antwort gefunden. Trotz oder gerade wegen der offenen Fragen kommt auch Martin Hubmann der anstehende Wechsel in den Wald gelegen. Er sieht seinen Platz im Schweizer WM-Team keineswegs gesichert, auch in seiner Spezialdisziplin Sprint nicht. «Meine Position ist schlecht, zumal es keine Möglichkeit zur Korrektur mehr gibt.»