OL-EM
«Ich kämpfe um die Medaillen»: Martin Hubmann ist nicht mehr nur der Aussenseiter

Für den 31-jährigen Eschliker Martin Hubmann bietet sich ab morgen an der Europameisterschaft der Orientierungsläufer die Chance, aus dem Schatten seines älteren Bruders Daniel zu treten. In Neuenburg könnte Martin, der am Freitag seinen 32. Geburtstag feiert, gleich zu drei Starts kommen.

Jörg Greb
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Martin Hubmann rechnet sich an der Heim-EM Medaillenchancen aus.

Martin Hubmann rechnet sich an der Heim-EM Medaillenchancen aus.

Andrea Stalder (Kreuzlingen, 6. September 2020)

Es ist eine undankbare Situation für Martin Hubmann. Fällt im Orientierungslauf der Name Hubmann, denken die meisten zuerst an Daniel Hubmann. Zu Recht. Kein anderer männlicher Orientierungsläufer weist ein so imposantes Palmarès auf wie der 38-jährige Eschliker: acht Weltmeistertitel, sechs Weltcup-Gesamtsiege, fünf Europameistertitel, 31 Weltcup-Triumphe. Weltklasse seit mehr als 15 Jahren.

Daneben hat Daniels jüngerer Bruder Martin einen schweren Stand. Doch gerade in den vergangenen Jahren holte der bald 32-Jährige massiv auf. Nach dem Studium ist auch er Profi-Orientierungsläufer geworden. Und sein Erfolgsausweis präsentiert sich inzwischen ebenfalls eindrücklich: ein Mal Weltmeister, drei Mal Europameister, vier Mal Militärweltmeister. Mittlerweile ist Martin Hubmann so weit, dass er sagt: «Auch ich will gewinnen, und ich will den Bruder besiegen.»

Die Ansprüche an sich selber sind gewachsen

Gelungen ist dies dem lange als Sprint-Spezialisten bezeichneten Martin Hubmann zuletzt am vergangenen Sonntag. An den Schweizer Sprintmeisterschaften war er um einen Rang besser klassiert als Daniel Hubmann. Eine einzige Sekunde betrug in Zwingen die Differenz zwischen den beiden Hinterthurgauern. Sich darüber freuen, dass er besser war als sein älterer Bruder, konnte sich Martin aber nicht. Als Gesamtsechster und SM-Vierter verpasste er ein Resultat, das seinen Ansprüchen genügt. Höchste Bedeutung mass er jenem Rennen aber sowieso nicht zu. Nur wenige Tage vor den Europameisterschaften in Neuenburg, dem ersten Saisonhöhepunkt, ging es ihm primär darum, nochmals «das ganze Ablaufsystem durchzuchecken». Und schliesslich gilt die Regel, was auf eine misslungene Hauptprobe folgt….

Einen ersten Erfolg verbuchte Martin Hubmann an den Testläufen im April, die über die EM-Selektion entschieden. Er hat sich für die beiden Einzelrennen in Neuenburg aufgedrängt, den Knock-out-Sprint am Samstag und den Einzelsprint am Sonntag. Und ebenso nominiert worden ist er für die Mixed Team Staffel, die am Donnerstag die EM eröffnet. Ob er, Mitglied der Schweizer EM-Goldstaffel von 2018, aber auch tatsächlich im Mixed Team 2021 dabei sein wird, klärt sich erst kurzfristig. Sowohl bei den Männern wie bei den Frauen haben die Schweizer Selektionäre ein Trio bestimmt. Welche je zwei Vertreter daraus zum Einsatz gelangen, wird am Mittwoch bekanntgegeben. «Ich bin vorbereitet, bin bereit, meinen Part für eine Medaille zu leisten», sagt Martin Hubmann. Er hat mit Freude festgestellt, dass sich auch nach anderthalb Jahren ohne internationale Vergleiche das so besondere Gefühl wieder einzustellen begann: «Das Kribbeln, die Nervosität, alles ist wieder da – das zu spüren, ist wunderschön.» Es ist Beweis dafür, dass das innere Feuer beim Thurgauer wieder entfacht worden ist. Gleichzeitig ist die lange Zeit präsente Unsicherheit bezüglich der Durchführung dieser Heim-EM in den Hintergrund gerückt. «Parallel dazu kam auch die Motivation zurück», so Martin Hubmann.

Ein neues Format wie auf ihn zugeschnitten

Mit oder ohne Mixed-Team-Start: Martin Hubmann kann sich auch in den beiden Einzelrennen vorzüglich präsentieren. Vor allem der erstmals auf internationaler Meisterschaftsebene zur Austragung gelangende Knock-out-Sprint – eine Form ähnlich der Langlauf-Sprints bei den Nordischen – freut sich Hubmann explizit. «Dieses Rennen wird spannend, braucht Glück, aber ich kämpfe um die Medaillen.» Das Format mit den kurz aufeinanderfolgenden Intensivbelastungen, den kurzen Erholungszeiten und den schnellen Entscheiden, sieht er als «auf mich zugeschnitten». Gleichzeitig aber weiss er auch: «Da brauchst du Glück. Es zeichnet sich ab, dass es schon schwierig sein wird, in den Final der besten Sechs vorzustossen.»

Sprint-EM in Neuenburg. Programm: Donnerstag, ab 16.30 Uhr: Sprintstaffel (live auf SRF 2). – Freitag, ab 15.00 Uhr: Qualifikation Knock-out-Sprint (ohne TV-Übertragung). – Samstag, ab 15.00 Uhr: Halbfinal und Finalläufe Knock-out-Sprint (live auf SRF 2). – Sonntag, ab 13.00 Uhr: Sprint (live auf SRF 2). – Die Finalläufe finden alle im Stadtgebiet von Neuenburg statt. Coronabedingt sind keine Zuschauer vor Ort zugelassen.