Interview
«Es wird schwierig, den entstandenen Klüngel aufzulösen»: Franz Weibel blickt auf 18 schöne und 2 weniger schöne Jahre als Werkhofleiter von Steckborn zurück

Ende Mai ist Franz Weibel nach 20-jähriger Tätigkeit im Werkhof der Stadt Steckborn in Frühpension gegangen. In dieser Zeit gab es für den 64-Jährigen viele Höhepunkte. Zu Ende gegangen ist seine berufliche Laufbahn jedoch mit verhängnisvollen Jahren, wie er sagt.

Samuel Koch
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Franz Weibel im Garten seines Anwesens in Steckborn.

Franz Weibel im Garten seines Anwesens in Steckborn.

Bild: Samuel Koch

Herr Weibel, Sie zögern nicht, den aktuellen Schlamassel nach den Querelen der vergangenen Jahre anzusprechen. Warum?

Franz Weibel: Rückblickend waren es zwei verhängnisvolle und erfahrungsvolle Jahre als Abteilungsleiter des Werkhofs.

Sie hätten sich also einen anderen Abgang gewünscht?

Auf jeden Fall. Leider hat sich die Disharmonie aber abgezeichnet, was sowohl mit Roman Pulfer als neuem Stadtpräsidenten, aber auch mit den Versäumnissen des ganzen Stadtrates zu tun hat.

Was ist passiert?

Zwei Jahre sind vergangen mit tausend kleineren und grösseren Geschehnissen im Stadthaus, die meisten davon negativ, unprofessionell, unmenschlich und völlig unnötig.

Sie plädieren also dafür, dass man die Geschehnisse nochmals aufrollen soll?

Ja. Eine unabhängige Untersuchungskommission wäre angebracht, die den Bürgerinnen und Bürgern sowie den neuen Stadtrat ins Bild setzen würde. Schliesslich kosten die Querelen Geld, der Reputationsschaden ist immens, der Wissens- und Qualitätsverlust durch die vielen Kündigungen dramatisch. Es wird schwierig, den entstandenen Klüngel aufzulösen, auch mit den neu gewählten Stadträten.

Was war denn vorher besser?

Es war bestimmt nicht alles besser. Aber unter Roman Pulfers Vorgängern herrschte ein anderer Führungsstil, man konnte funktionieren, initiativ sein und sich in Projekte einbringen, auch wenn nicht alle Abläufe im Detail den kommunalen Organisationsreglementen entsprochen haben. Es war ein gewisser Spielraum vorhanden, um für die Stadt wirtschaftlich zu arbeiten.

Was war aus Ihrer Sicht das Schlimmste während der Querelen?

Die Ohnmacht gegenüber all dem Unrecht aus meiner Perspektive und die fehlende Kommunikation. Irgendwann wurde alles an Personen festgemacht, und man konnte nicht mehr sachlich über ein Thema diskutieren und danach zusammen ein Bier trinken.

Sie blicken auf zwei Jahrzehnte in der Steckborner Verwaltung zurück. Da gibt es aber nicht nur negative Erinnerungen?

Nein, aber die negativen und frischen Vorkommnisse überwiegen. Ich darf aber auch auf viele schöne Jahre zurückblicken, als ich als Leiter des Werkhofs mit viel Eigeninitiative Projekte umsetzen durfte.

Franz Weibel beim Natureisfeld beim Strandbad.

Franz Weibel beim Natureisfeld beim Strandbad.

Bild: Samuel Koch (20.01.2017)

Was sind Höhepunkte?

Der Rundwanderweg, das Reservoir Obergrund, die Entsorgungsanlage bei der Ara im Feldbach, mehr Biodiversität oder auch die Umstellung auf die Unterflurcontainer. Wir haben in all den Jahren viel bewirken können.

Sie traten Anfang der Nullerjahre ihren Posten an, nachdem Sie Ihr eigenes Baugeschäft in Eschenz aufgelöst und Ihr Amt als Gemeinderat in Eschenz nach 13 Jahren aufgegeben hatten. Wie kam es dazu?

Damals stand ich unter enormem Druck und bekam die Möglichkeit, als junger Vater zweier Söhne noch unter Stadtammann Koni Füllemann im Werkhof Steckborn anzufangen. Es waren andere Zeiten, es herrschte ein anderer Geist.

Franz Weibel zeigt als Bauamtsleiter die Schäden in der Feldbachhalle.

Franz Weibel zeigt als Bauamtsleiter die Schäden in der Feldbachhalle.

Bild: Nana Do Carmo (29.12.2009)

Wie meinen Sie das?

Damals gab es noch Fax. (lacht) Mit der zunehmenden Digitalisierung ist der Druck auch in der öffentlichen Verwaltung gestiegen.

Wie?

Es kamen immer mehr Aufgaben dazu, etwa mit dem Feuerschutz oder der Übertragung der Leitung der Wasserversorgung. Ich blicke aber gerne zurück, es war eine super Zeit. Ich hege keinen Groll und bin jetzt Frührentner. Für mich stimmt's.

Jetzt haben Sie mehr Freizeit. Wie nutzen Sie diese?

Ich mache gerne Sport, auf dem Rennvelo oder Kraftübungen, soweit es meine Hüftprothese zulässt. Sonst betätige ich mich gerne im Garten oder geniesse die Zeit mit meiner Familie, wir werden schliesslich bald Grosseltern. Und dann ist da noch das Reisen, das zuletzt durch Corona viel zu kurz gekommen ist.

Welches ist Ihre nächste Reisedestination?

Wieder Australien, dort fehlt meiner Frau und mir für die Umrundung noch ein Teil. Nach Australien bin ich als 20-Jähriger ausgewandert und habe dort eine andere Welt kennen gelernt. Während dieser zwei Jahre habe ich aber auch gelernt, was es heisst, arbeitslos zu sein.

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