Das neue offizielle Foto der St.Galler Regierung bricht mit Traditionen

Die St.Galler Regierung hat neue offizielle Bilder. Eines davon bricht mit Traditionen. Es zeigt die Politiker nicht nur im Regierungszimmer, sondern auch im Dialog. Und es ist das letzte Bild in dieser Konstellation.

Katharina Brenner
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Das «alternative» offizielle Foto der St.Galler Regierung (von links): Finanzdirektor Benedikt Würth, Baudirektor Marc Mächler, Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann, Staatssekretär Canisius Braun, Justizdirektor Fredy Fässler, Bildungsdirektor Stefan Kölliker, Vorsteher des Departements des Innern Martin Klöti (Bild: Ladina Bischof)

Das «alternative» offizielle Foto der St.Galler Regierung (von links): Finanzdirektor Benedikt Würth, Baudirektor Marc Mächler, Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann, Staatssekretär Canisius Braun, Justizdirektor Fredy Fässler, Bildungsdirektor Stefan Kölliker, Vorsteher des Departements des Innern Martin Klöti (Bild: Ladina Bischof)

Dieses Bild ist klug. Es hat Schwerpunkte, aber kein Zentrum. Hier sticht niemand heraus. Und doch geht der Blick schnell zu einer Person: Heidi Hanselmann. Sie ist die einzige, die den Betrachter direkt anschaut. Die St.Galler Regierungspräsidentin ist die Verbindung zwischen Volk und Regierung. Exponiert steht sie vor den Tischen im Regierungszimmer, wo sich die Regierung jeweils am Dienstag für ihre Sitzungen trifft.

Als einzige Frau im Männergremium hat sich Hanselmann in dunkler Hose und Blazer perfekt assimiliert. Allerdings trägt sie als einzige keine Brille. Vielleicht um als Präventionsverfechterin zu zeigen: Rüebli helfen. Die Hände hält sie ausgestreckt wie eine Chirurgin vor der Operation, wenn das Desinfektionsmittel trocknet. Mit den nach oben geöffneten Handflächen wäre die Gesundheitschefin aber auch bereit, ein Geschenk des Himmels zu empfangen. Beispielsweise eine Lösung für die Probleme des Spitalverbunds.

Bild trägt Handschrift der Präsidentin

Das offizielle Regierungsbild ist der einzige Moment im Jahr, in dem die St.Galler Regierung in den Präsentationsmodus wechselt. Das Bild soll ein wenig von allem sein: Öffentlichkeitsarbeit, Statement, Kunst. Und es trägt immer auch die Handschrift des aktuellen Präsidenten oder der aktuellen Präsidentin. Die Aufnahmen stammen von der Arboner Fotografin Ladina Bischof.

Das offizielle Bild der St.Galler Regierung (von links): Finanzdirektor Benedikt Würth, Baudirektor Marc Mächler, Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann, Staatssekretär Canisius Braun, Justizdirektor Fredy Fässler, Bildungsdirektor Stefan Kölliker, Vorsteher des Departements des Innern Martin Klöti (Bild: Ladina Bischof)

Das offizielle Bild der St.Galler Regierung (von links): Finanzdirektor Benedikt Würth, Baudirektor Marc Mächler, Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann, Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann, Staatssekretär Canisius Braun, Justizdirektor Fredy Fässler, Bildungsdirektor Stefan Kölliker, Vorsteher des Departements des Innern Martin Klöti (Bild: Ladina Bischof)

Vergangenes Jahr präsentierte sich die Regierung noch in zwei engen Reihen auf dem Balkon der Fachhochschule in St.Gallen. Damals war Bildungsdirektor Stefan Kölliker Regierungspräsident. In der aktuellen Debatte fand die neue Regierungspräsidentin Hanselmann ein Spital als Kulisse möglicherweise zu heikel. Ein weiterer Grund für die Ortswahl könnte der Klimawandel sein. Das Parlament will seine Ausflüge künftig klimaschonend gestalten. Womöglich verlässt die Regierung klimaschonenderweise schon gar nicht mehr das Regierungszimmer.

Während Hanselmann den Betrachter betrachtet, betrachtet Fredy Fässler Hanselmann – als einziger. Auf diesem Bild interagieren jeweils Zweiergrüppchen. Das geht auf, mit Staatssekretär Canisius Braun sind es acht Personen. Naheliegend, dass das eine SP-Mitglied das andere anlächelt. Dabei dürfte Fässler nicht zum Lächeln zu Mute sein. Wie er das linke Bein anwinkelt, das rechte ausstreckt und sich Hanselmann zuwendet, wirkt unnatürlich und er kurz davor, umzukippen. Ein Anzeichen, dass ihn weniger in der Regierung hält als auch schon?

Gespräch über zweiten Sitz in Regierung

Hinter Fässlers Rücken unterhalten sich angeregt Bildungsdirektor Stefan Kölliker und der Vorsteher des Departements des Innern Martin Klöti. Betont lässig sitzt Klöti auf der Tischkante. Es sieht aus, als zähle der FDP-Regierungsrat mit Daumen und Zeigefinger bis zwei:

«Wenn ich nach dieser Legislatur gehe, könnte die SVP einen zweiten Sitz ergattern.»

SVP-Regierungsrat Kölliker hält Daumen und Zeigefinger eng beisammen: «So nah sind wir dran, das zu schaffen.» Kölliker ist auf dem Bild hell ausgeleuchtet. Mit der Uni St.Gallen und der Fachhochschule Ost steht er besonders im Licht der Öffentlichkeit. Während die anderen dezente Krawatten tragen, sticht seine bunt geblümte heraus.

Ein Duo im Hintergrund sind Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann und Bauchef Marc Mächler. Mächler hält den Kopf leicht geneigt und stützt sich mit der rechten Hand auf der Tischplatte ab, als suche er Halt. Er lächelt Damann an, der zurücklächelt, Arme und Hände eng am Körper. Er ist der einzige, der sein Veston zugeknöpft hat.

Benedikt Würth stützt seinen Kopf ab

Neben Damann sitzt Canisius Braun. Der Staatssekretär strahlt sein Gegenüber, Benedikt Würth, geradezu an. Er hat die gespreizten Finger auf der Tischplatte abgelegt. Braun spielt keineswegs eine Nebenrolle: Er sitzt inmitten der Regierungsräte.

Anders Finanzchef Würth. Sein Platz ist am Rand, den Kopf auf die rechte Hand gestützt, als wäre er bereits erschöpft von der Doppelbelastung durch Regierungs- und Ständeratsmandat. Und er sitzt nahe der Tür – auf dem Sprung nach Bern? Sicher ist allein: Es ist das letzte offizielle Bild der Gesamtregierung in dieser Konstellation.

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