«Chügele» für den Silvester

Der Jahreswechsel ist noch fern – die Urnäscher Silvesterchläuse haben dennoch bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Auch Christian Frick Junior und sein «Grondschuppel» sind mit der Herstellung der aufwendigen Hauben beschäftigt.

Noemi Heule
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Christian Frick beim «Chügele» zusammen mit Jürg Frehner (links) und Bruder Andreas Frick (Mitte). Auch dessen Freundin hilft ab und an beim Verzieren der Hauben. (Bilder: Urs Jaudas)

Christian Frick beim «Chügele» zusammen mit Jürg Frehner (links) und Bruder Andreas Frick (Mitte). Auch dessen Freundin hilft ab und an beim Verzieren der Hauben. (Bilder: Urs Jaudas)

URNÄSCH. Seine Hände sind gezeichnet von der harten Arbeit im Strassenbau. Für einmal hält Christian Frick Junior aber kein schweres Gerät, sondern Nadel und Faden in der Hand. Mit viel Liebe zum Detail befestigt er Perle für Perle im vorgestanzten «Chügelistreife» und lässt komplexe Muster entstehen. «Das <Chügele> ist die aufwendigste Arbeit», sagt der gelernte Zimmermann, der heute im Tiefbau tätig ist. 12 000 Chügeli sollen die Haube zieren, wenn sie zum Jahreswechsel das erste Mal ausgeführt wird.

Silvester hat bereits begonnen

Der Silvester hat für den 23-Jährigen schon lange begonnen. Vor zwei Jahren hat er angefangen, Ideen für ein neues Gewand – genannt Groscht – als schöner Silvesterchlaus zu sammeln. Im Gegensatz zu den «Wüeste» und «Schö-Wüeste» benötigen die «Schönen» mit ihren aufwendigen Hauben eine längere Vorbereitungszeit.

Christian Frick hat zahlreiche Skizzen für den neuen Kopfschmuck entworfen und detaillierte Pläne angefertigt. Er ist für die Gestaltung des Kopfschmuckes für die ganze Gruppe – des Schuppels – verantwortlich. Aus Sagex und Sperrholzplatten wurde das Grundgestell der voluminösen Hauben gefertigt. Bänder und Schaumstoff sorgen dafür, dass das Gewicht nicht unmittelbar auf die Kopfhaut drückt. Bis zu elf Kilogramm tragen die Chläuse jeweils auf dem Kopf. Nun gilt es, das Gerüst mit Kordeln und Perlen zu verschönern.

Sein Bruder, Andreas Frick, ist derweil mit dem Schnitzen der Figuren beschäftigt, welche die Hauben schliesslich mit einer Miniaturszene aus dem bäuerlichen Leben schmücken sollen. «Eigentlich bastelt jeder an seiner eigenen Verkleidung», sagt der Forstwart. Weil der 21-Jährige gerne schnitzt, übernimmt er diese Arbeit auch mal für die Kollegen.

Jeder Chlaus eines Schuppels trägt eine andere Szenerie auf dem Kopf. Zusammen erzählen sie eine Geschichte. Diese wird noch nicht verraten: «Erst am Silvester wird das Geheimnis gelüftet», sagt Christian Frick.

Chlausen von Kindsbeinen an

Auch Jürg Frehner ist heute in der Werkstatt von Christian Frick beschäftigt. Der 24jährige Urnäscher ist ebenfalls Mitglied des siebenköpfigen «Grondschuppels». Seit fünf Jahren sind sie zusammen unterwegs; mit dem Chlausen sind sie alle von Kindsbeinen an vertraut. Der Vater der Gebrüder Frick ist seit 30 Jahren als «Schöner» unterwegs. «Es hat mich schon alleweil gereizt, selbst <schö> zu gehen», sagt Christian Frick. Vor fünf Jahren realisierte er den Traum zusammen mit ehemaligen Spielgefährten aus dem Grond in Urnäsch. Sie sind damit einer der jüngsten schönen Schuppel, der seine Hauben selbst gestaltet.

Noch viel Arbeit in Aussicht

Bis zu Silvester gibt es für die drei noch viel zu tun: «Ab November verbringe ich nach der Arbeit jeden Tag ein paar Stunden mit Basteln», sagt Christian Frick. 500 Stunden rechnet er allein für die Kopfbedeckung, welche dann vier Jahre getragen wird. Danach wird das Prunkstück weder verkauft noch verschenkt, sondern in der eigens dafür gezimmerten Vitrine ausgestellt. Das Samtgwändli, Larve (Maske) und Schellenriemen finden hingegen weiterhin Verwendung. Eigene Schellen besitzt der junge Schuppel nicht; sie werden jeweils für die zwei Silvesterauftritte gemietet.

Der Silvester findet für die Chläuse nämlich zweimal statt. Am 31. Dezember wird der Neue, zwei Wochen später der Alte Silvester gefeiert. Bis zu 40 Schuppel sind jeweils in Urnäsch unterwegs. Sie legen im Vorfeld ihre Route – genannt Strich – fest. Sie entscheiden, bei welchen Häusern sie vorbeischauen und «E guets Neus» wünschen. Um gute Geister anzulocken, geben sie den Bewohnern zudem ein Zäuerli zum Besten. «Das Zäuerlen hat man als Chlaus im Blut», sagt Christian Frick, der sich im Jodelchörli auf seine Auftritte als Vorzäuerler vorbereitet.

Die akribische Vorbereitung ist aber kein Garant für einen gelungenen Silvester. Auch Wetterglück gehört dazu: Die Kunstwerke halten keinem Regen stand. Für den Notfall haben die Chläuse deshalb ein Ersatz-Groscht im Schrank. «Bei ruuchem Wetter gehen wir als Wüeste», sagt Christian Frick. Statt Samt und Haube legen sie gehörnte Masken, Fuchsfelle und Tannenchräs um. Schade wär's aber um die ganze Arbeit: Der junge Schuppel hofft deshalb auf schönes Wetter, um den Zuschauern mit ihrem prunkvollen Kopfschmuck ein lautes «Bravo» zu entlocken – denn wer klatscht, entlarvt sich als Auswärtiger.

Noch bis zum 22. März 2014 widmet das Appenzeller Volkskunde-Museum in Stein den Silvesterchläusen die Sonderausstellung «Of em Chopf».

Die Figuren für die Miniaturszenen werden von Hand geschnitzt. Tausende von Glasperlen verarbeiten Christian Frick und sein Schuppel für die Verzierung. Einzig die Larve wird dieses Jahr nicht neu gefertigt. (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Die Figuren für die Miniaturszenen werden von Hand geschnitzt. Tausende von Glasperlen verarbeiten Christian Frick und sein Schuppel für die Verzierung. Einzig die Larve wird dieses Jahr nicht neu gefertigt. (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Urnäscher Silvesterchläuse: Die Vorbereitungen haben begonnen. Christian Frick junior gehört zu einer Gruppe schöner Silvesterchläuse. Die Vorbereitungen für die aufwändigen Hauben haben bereits begonnen. Ein Besuch in seiner Werkstatt. 06.11.2013 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Urnäscher Silvesterchläuse: Die Vorbereitungen haben begonnen. Christian Frick junior gehört zu einer Gruppe schöner Silvesterchläuse. Die Vorbereitungen für die aufwändigen Hauben haben bereits begonnen. Ein Besuch in seiner Werkstatt. 06.11.2013 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Urnäscher Silvesterchläuse: Die Vorbereitungen haben begonnen. Christian Frick junior gehört zu einer Gruppe schöner Silvesterchläuse. Die Vorbereitungen für die aufwändigen Hauben haben bereits begonnen. Ein Besuch in seiner Werkstatt. 06.11.2013 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Urnäscher Silvesterchläuse: Die Vorbereitungen haben begonnen. Christian Frick junior gehört zu einer Gruppe schöner Silvesterchläuse. Die Vorbereitungen für die aufwändigen Hauben haben bereits begonnen. Ein Besuch in seiner Werkstatt. 06.11.2013 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))