Rücktritt
Siegfried Dörigs letzte Tage als Gemeindepräsident von Stein: Wehmut kommt weniger auf, als er erwartet hatte

Steins Gemeindepräsident Siegfried Dörig hat nach der Abstimmungsniederlage vergangenen November seinen Rücktritt eingereicht. Am Dienstag ist sein letzter Tag im Amt. Er kann auf eine beachtliche Entwicklung Steins zurückblicken.

Astrid Zysset Jetzt kommentieren
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Sieben Jahre lang war er Gemeindepräsident von Stein. Am Dienstag ist Siegfried Dörigs letzter Tag im Amt.

Sieben Jahre lang war er Gemeindepräsident von Stein. Am Dienstag ist Siegfried Dörigs letzter Tag im Amt.

Bild: Astrid Zysset

Während der Autofahrten ins Fürstentum Liechtenstein, wo er seine Bauberatungsfirma betreibt, hatte Siegfried Dörig Zeit, um sich gedanklich mit dem politischen Geschehen in Stein auseinanderzusetzen. Viele stille Momente auf der Autobahn, während welcher er sich Lösungen, Visionen und Kompromisse überlegte. «Es ist ein Rucksack an Gedanken und Problemen, den man immer mitschleppte.» Doch diese Zeit ist nun passé. Am Mittwoch legt Dörig sein Amt als Gemeindepräsident von Stein nieder. 2015 trat er dieses an. Zuvor war er seit 2003 Vizepräsident und seit 1995 Mitglied des Gemeinderates. Viele Stunden also, in welchen er sich für die Hinterländer Gemeinde einsetzte. Sein Vizepräsident Arnold Zellweger habe für ihn an der vergangenen Gemeinderatssitzung vorgerechnet, dass es deren 13'000 waren. «Wenn man das auf die Jahresarbeitszeit ummünzt, kommen 6,5 Jahre zusammen, die ich nur für Stein investiert habe. Das ist schon eine ganze Menge», sagt Dörig.

Aber er habe es gerne getan. 70 Dankesbriefe schrieb er jeweils Ende Jahr für all die Freiwilligen, welche sich für das Dorf einsetzten. Die Zusammenarbeit im Gemeinderat, den Kontakt zur Bevölkerung und gemeinsam an der Entwicklung Steins mitzuwirken – das alles habe ihm die Jahre hindurch sehr gefallen. Und das Resultat kann sich sehen lassen. Finanziell steht die Gemeinde auf gesunden Füssen, baulich hat sie sich ausgedehnt. Im Gebiet Schützengarten-Löwen kamen in den letzten Jahren 42 Wohnungen hinzu, Schnädt-West ist mittlerweile komplett überbaut, im Schnädt-Ost kommen jedes Jahr eins bis zwei Einfamilienhäuser hinzu. Dörig spricht von einer guten Entwicklung, welche die Gemeinde hingelegt habe.

«Ich kann zufrieden auf die vergangenen Jahre zurückblicken.»

Highlight und Tiefpunkt liegen nahe beieinander

Als Highlight seiner Amtszeit nennt er die Anschlusslösung für das Altersheim Büel. Die Heimbetreiberin Casa Solaris AG, welche Häuser in Gossau und Niederuzwil betreibt, hatte Ende 2018 kurzfristig ihr Interesse bekundet, im Paradiesli einen Neubau zu erstellen und das Büel bis zur Inbetriebnahme weiterzuführen. Für den Steiner Gemeinderat war das Rettung in letzter Sekunde. Da das Büel in der Landwirtschaftszone lag, war eine Erweiterung des Gebäudes nicht möglich. Eine Lösung im Paradiesli wurde zwar angestrebt, doch die Finanzierung durch eine Genossenschaft scheiterte. Dem Gemeinderat blieb nichts anderes übrig, als die Schliessung des gemeindeeigenen Altersheims bekannt zu geben. Für Dörig die dunkelsten Stunden seiner Politkarriere. Die Presse habe sich «verbissen» auf ihn gestürzt, so der 64-Jährige. Er packte die Koffer und zog sich daraufhin vier Tage völlig aus der Öffentlichkeit zurück.

Grosser Effort auch als Gemeinderat

Trotzdem: Während der 27 Jahre im Gemeinderat und als Gemeindepräsident habe er nie mit dem Gedanken gespielt, zurückzutreten. Als er Mitglied des Gemeinderates wurde, bekam er das Präsidium der Baubewilligungskommission auferlegt. Eine Arbeit, die Dörig rückblickend ungeachtet aller Verhandlungen und Kompromisssuchen als harmonisch umschreibt. Gerade mal zwei Rekurse wurden beim Kanton eingereicht. Alle anderen Verfahren wurden auf Gemeindestufe beigelegt. Mit der Ortsplanung respektive der Zonenplanrevision 2005/06 hatte Dörig ebenfalls alle Hände voll zu tun. Noch kurz vor dem gesamtschweizerischen Erlass zur Revision des Raumplanungsgesetzes steckte er in Verhandlungen mit dem Kanton, damit Stein nicht auch zu den Gemeinden gehörte, die Bauland auszonen müssen. Alles in allem: Ein grosser Einsatz, den Dörig nebenamtlich leisten musste. «Aber es hat immer gepasst für mich. Ich habe es gerne getan.»

Rücktritt nach der Baukreditablehnung

Nach dem Nein zur Primarschulerweiterung vergangenen November an der Urne, hat es für den 64-Jährigen aber nicht mehr gepasst. Die Bevölkerung lehnte den Baukredit über 3,8 Millionen zur Sanierung und Erweiterung ab. Für Dörig war dies der Auslöser, den Rücktritt nicht mehr auf Ende der Legislatur, sondern ein Jahr früher einzureichen. Auch heute, ein halbes Jahr nach dem Abstimmungsresultat, ist ihm die Enttäuschung noch anzumerken. Nichtsdestotrotz macht er deutlich: «Es ist gut so wie es ist. Stein wird eine gute Lösung finden, wie es mit der Primarschule weitergeht - auch wenn es vielleicht etwas mehr kosten wird.»

Wendet sich vom Politgeschehen ab

Seine Nachfolge übernimmt ab dem 1. Juni die bisherige Gemeinderätin Petra Hanel Sturzenegger. Dörig hat sein Büro im Gemeindehaus geräumt und die Akten übergeben. Kommt da kein Wehmut auf? «Ein bisschen», sagt Dörig. «Aber weniger als ich erwartet habe.» Von der politischen Bühne tritt er ab. Zumindest zum grossen Teil. Einzig das Präsidium der IG Selbstbestimmte Gemeinden hat er weiterhin inne. Er freue sich jetzt auf die freie Zeit mit seiner Frau. Und mit einem Arbeitspensum von 70 Prozent werde er zudem weiterhin seine Bauberatungsfirma führen und ein Mandat im Fürstentum Liechtenstein wahrnehmen. Dörig lächelt: «Langweilig wird es mir also ganz bestimmt nicht.»

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