Mutter und Sohn wollen in die Politik

HERISAU. Die FDP Herisau strebt Sitzgewinne im Kantons- und Einwohnerrat an. Zu den Nominierten gehören Eliane Ess und ihr Sohn Dominik. Sie will ins Kantonsparlament, er in den Einwohnerrat. Beide haben klare Ziele, die sie verwirklichen möchten.

Mathurin Blumer
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«Politfamilie»: Eliane und Dominik Ess – Mutter und Sohn – kandidieren für den Kantons- beziehungsweise Einwohnerrat. (Bild: blu)

«Politfamilie»: Eliane und Dominik Ess – Mutter und Sohn – kandidieren für den Kantons- beziehungsweise Einwohnerrat. (Bild: blu)

Die Gesamterneuerungswahlen stehen vor der Tür. Auf kommunaler und kantonaler Ebene sind die Parteien daran, Kandidierende für die Sitze zu finden. Die FDP widmete sich dieser Aufgabe Mitte Dezember. Zu den Nominierten gehören Eliane und Dominik Ess aus Herisau. Sie beide wurden von der Partei für eine Kandidatur angefragt – Dominik Ess für den Einwohnerrat und seine Mutter Eliane für den Kantonsrat.

Von der Hausfrau zur Anwältin

Eliane Ess-Schneider ist in Degersheim aufgewachsen. Die 46jährige ist Mutter von drei Kindern und hat letztes Jahr ihr Jura-Studium an der HSG abgeschlossen, nachdem sie zuvor eine Zweitwegmatura gemacht hatte. Davor war sie, nach Absolvierung einer bäuerlichen Haushaltsschule, zwölf Jahre lang als Mutter und Vollzeit-Hausfrau tätig gewesen. Zur Erlangung des Anwaltspatents ist Eliane Ess momentan in einem Anwaltspraktikum tätig. «Es war ein langjähriger Wunsch von mir, studieren zu können», sagt Eliane Ess. Diese Möglichkeit war ihr als Jugendliche verwehrt worden, da gemäss ihren Eltern ein Studium für eine künftige Hausfrau nicht unbedingt nötig sei. So arbeitete sie – bis zur Geburt ihres ersten Kindes – als Banksekretärin und Flight Attendant bei der Swissair. Vier Jahre lang lebte sie mit ihrem Mann Christian in Lausanne, bis das Heimweh und die Sehnsucht nach der Region sie zu einem Umzug nach Herisau bewog. «Ein Zäuerli am Radio hat ausgereicht, um das Heimweh ausbrechen zu lassen. Ich wollte, dass auch unsere Kinder das Brauchtum erfahren können.»

Fortschritt in Familienplanung

Schon seit einiger Zeit ist Eliane Ess Mitglied der FDP, unter anderem in der Funktion einer kantonalen und eidgenössischen Delegierten. Ihre Motivation für einen Sitz im Kantonsrat ist klar: «Ich habe in meinem bisherigen Leben Einblicke in verschiedene Lebensbereiche erhalten. Eines meiner Anliegen ist es, dass für Frauen und Männer Beruf und Familie vereinbar sind – sowohl für die Betreuung von Kindern als auch von pflegebedürftigen Angehörigen. Dafür braucht es fortschrittlichere Strukturen», sagt Eliane Ess. In der Politik sieht sie die Möglichkeit, an Verbesserungen mitzuarbeiten.

Die Politik aufleben lassen

«Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich deshalb sehr verbunden mit der Region», sagt Dominik Ess. Dies ist mit ein Grund, weshalb er den Vorschlag für eine Kandidatur in den Einwohnerrat angenommen hat. «Ich habe das Bedürfnis, politisch mitzuwirken und Herisau positiv zu verändern», so Dominik Ess. Der erst 19jährige Herisauer war überrascht, als er von der Partei angefragt worden war. «Ich denke jedoch, dass etwas jugendliche Dynamik die Politik aufleben lassen kann.»

Im Moment befindet sich Dominik Ess im Militärdienst, wo er in der Offiziersschule zum Zugführer ausgebildet wird. Zuvor besuchte er während sechs Jahren das Gymnasium St. Antonius in Appenzell. Seine Zeit dort unterbrach er für ein Austauschjahr in den USA.

Politisches Interesse geweckt

«Erst im Ausland beginnt man, die heimische Region wirklich zu schätzen», erinnert er sich. In den USA war es auch, als Dominik Ess sein Interesse für Politik entdeckte: «Ich hatte die Möglichkeit, im Wahlkampf für Barack Obama mitzuwirken, und begann so, Einblick in die Politik zu gewinnen. Es war zum Beispiel spannend, mit Nancy Pelosi, der Sprecherin des Repräsentantenhauses, zu sprechen.» Nach seiner Rückkehr in die Schweiz setzte er seine politische Aktivität mit dem Beitritt der Jungfreisinnigen Ausserrhoden fort, wo er sogleich zum Vorstandsmitglied ernannt wurde. Heute ist er Mitglied der FDP sowie kantonaler und eidgenössischer Delegierter. Nach Abschluss seiner Dienstzeit im Militär plant Dominik Ess ein Wirtschaftsstudium an der HSG. «Man stellt heute bei jungen Leuten ein vergleichsweise geringes Interesse für Politik fest, obwohl die heute gefällten Entscheidungen vor allem die Generation von morgen betreffen», erklärt Dominik Ess. «Eines meiner Ziele ist es deshalb, die Jugend vermehrt in die Politik einzubeziehen und zu aktivieren, beispielsweise mittels Social-Media-Plattformen.»

Diskussionen bei Tisch

Mutter und Sohn sind aber nicht immer gleicher Meinung: «Es gibt oft lebhafte Diskussionen am Familientisch», lacht Eliane Ess. «Gewisse Meinungsverschiedenheiten sorgen aber für einen spannenden Austausch.»