Logopädie
Dyslexie, Legasthenie, LSR – hä? Mit einer Kampagne wollen Logopädinnen auch Appenzeller Jugendlichen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung helfen

Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Problemen beim Lesen und Schreiben wird oft wenig zugetraut. Diese Schwäche muss aber nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun haben. Anlässlich des Tages der Logopädie vom 6. März sollen Jugendliche ermutigt werden, sich dem Problem zu stellen.

Mea McGhee
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Die Logopädin arbeitet mit dem Knaben an seiner Lese- und Schreibschwäche.

Die Logopädin arbeitet mit dem Knaben an seiner Lese- und Schreibschwäche.

Bild: PD

Eine Berufsschülerin liebt Mathematik. Sobald sie jedoch Textaufgaben lösen muss, kann sie ihre rechnerische Leistung nicht zeigen. Durch das mühsame Lesen des Textes erschliesst sich ihr der Inhalt der Aufgabe nicht. Sie ist nicht dumm, vielmehr ist sie betroffen von einer Dyslexie, früher meist Legasthenie genannt.

Der Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband (DLV) rückt am diesjährigen Tag der Logopädie vom 6. März das Thema Dyslexie in den Fokus. Die Schriftsprache ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Katharina Stricker, Co-Präsidentin des Berufsverbandes Appenzeller Logopädinnen und Logopäden (BAL), sagt:

Katharina Stricker, Co-Präsidentin des Berufsverbandes Appenzeller Logopädinnen und Logopäden.

Katharina Stricker, Co-Präsidentin des Berufsverbandes Appenzeller Logopädinnen und Logopäden.

Bild: PD
«Ohne ausgleichende Massnahmen hat eine Lese-Rechtschreibstörung oft negative Auswirkungen auf die schulischen Leistungen, die berufliche Entwicklung und leider auch auf das Selbstbewusstsein.»

Im deutschsprachigen Raum gehört die Lese- und/oder Rechtschreibstörung mit 4 bis 8 Prozent betroffenen Schulkindern zu den häufigen schulischen Entwicklungsstörungen. Sie kann sich bis ins Erwachsenenalter ziehen und somit die berufliche Laufbahn negativ beeinflussen. Denn Lesen und Schreiben gehören zu den Grundkompetenzen, die beruflich und privat jeden Tag gebraucht werden.

Website eingerichtet

Der DLV hat deshalb anlässlich des Europäischen Tages der Logopädie eine Kampagne speziell für Jugendliche lanciert. Federführend beteiligt ist Corina Kast, Mitglied des Appenzeller Berufsverbandes. Im DLV leitet Kast die Arbeitsgruppe, welche die Kampagne erarbeit hat. Das Resultat: eine Website (www.logopaedie-lohnt-sich.ch), die Jugendliche ansprechen soll. Zudem werden in der Region die Lehrpersonen der Oberstufe und der Berufsschulen für das Thema sensibilisiert.

«Stress mit Lesen», «Stress mit Schreiben?», wird dem User der Website die Frage gestellt. Anhand einer Lese- und Schreibaufgabe kann man seine Kompetenzen in beiden Bereichen prüfen – und findet bei Bedarf Links zu Arbeitsblättern, Videos oder nützlichen Adressen. Auch Prominente schildern die Auswirkungen ihrer Lese- und Schreibschwäche: Formel-1-Star Lewis Hamilton, Schauspieler Tom Cruise oder Prinzessin Beatrice. Immer wird betont, Legastheniker sind nicht dumm – sogar Albert Einstein soll betroffen gewesen sein.

22 Mitglieder im Appenzellerland

Der Berufsverband der Appenzeller Logopädinnen und Logopäden zählt aktuell 22 Mitglieder. Diese sind kantonal angestellt und für die Volksschule tätig oder arbeiten in freier Praxis. Ebenfalls sind Logopädinnen und Logopäden in Kliniken und heilpädagogischen Institutionen tätig. «Eine Praxis, für ambulante Logopädietherapie im Erwachsenenalter gibt es im Appenzellerland momentan leider nicht», sagt Katharina Stricker. Der Fachkräftemangel im Bereich Logopädie zeige sich nicht nur im Schulbereich, sondern auch stark im Angebot für Erwachsene.

Die Logopädie ist ein breites Feld und richtet sich an Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Sprach- und Kommunikationsstörungen. Katharina Stricker sagt: «Gerade beim Thema Dyslexie ist eine frühe Therapie für Kinder mit Störungen der sprachlich-kommunikativen Entwicklung wichtig, da dies hilft, einer möglicherweise später auftretenden Lese-Rechtschreibstörung vorzubeugen.» Schon im Kindergarten können Risikofaktoren erfasst, eine gezielte Förderung eingeleitet und die Eltern bezüglich präventiver Massnahmen, wie beispielsweise dem regelmässigen Vorlesen, beraten werden. Trotzdem könne eine Dyslexie auch erst später auftreten oder entdeckt werden. Es sei wichtig, mit Hilfe einer Logopädin oder qualifizierten Fachperson Strategien zu entwickeln, mit der Lese- und Schreibschwäche umzugehen. Es gebe heute verschiedene Hilfsmittel, etwa sich einen Text am Bildschirm vorlesen zu lassen.