Früher diskutieren, heute Party

Vor vierzig Jahren war die Landjugend (LJ) Alttoggenburg eine katholische Jugendgruppe, die über das Miteinander von Alt und Jung diskutierte. Heute ist sie ein Freizeitverein. Aktive und Ehemalige feierten das Jubiläum am Wochenende mit einer Party und einem Brunch.

Tanja Trauboth
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Hand in Hand: Die Mitglieder der Landjugend schätzen auch heute noch den Zusammenhalt und die Geselligkeit untereinander. (Bilder: tra)

Hand in Hand: Die Mitglieder der Landjugend schätzen auch heute noch den Zusammenhalt und die Geselligkeit untereinander. (Bilder: tra)

Mosnang. Nach vorne geneigte Menschen rennen in einer langen Polonaise am vorderen Bühnenrand entlang. Hände rutschen von den Schultern und die Kette reisst. Erst wieder unten im Saal, wo sich der lange Tatzelwurm gemächlicher zwischen den Tischen hindurch windet, schliessen sich die Lücken der Polonaise.

Verkettet, gebückt und gezogen

Andi Wick, die Keyboard spielende Hälfte der Band Pläuschler, haut in die Tasten. Der Rhythmus wird schneller. Roman Wick trällert «Ja, wir sind mit dem Radl da…».

Dann befiehlt er: «Linker Arm hoch, bücken, vorderer Arm nach vorne. Linker Arm zwischen die Beine und die rechte Hand des Hintermanns greifen.» Verwoben und verkettet, gebückt, gezogen von Vorder- und Hintermännern zieht die Menschenkette weiter an der Jubiläumsparty der Landjugend Alttoggenburg. Auch das Seilziehen geht auf die Landjugend zurück, die vor vierzig Jahren ihr erstes Jahr erlebte, damals noch unter den Fittichen der katholischen Kirche.

Sie lud 1969 zur Kadertagung und gab damit im ganzen Kanton einen Anreiz um Landjugendgruppen zu gründen. Das Protokoll der Gründungsversammlung im Herbst 1969 zitiert die Anliegen der damaligen Jugend. Eine junge Frau sagte, sie sei gekommen, um zu diskutieren, um über allgemein anstehende Probleme zu reden. Ginge es nur um Freizeitgestaltung, wäre sie nicht gekommen. Heute dagegen ist die Landjugend ein Freizeitverein für junge Leute zwischen 16 und 30. Man geh zusammen schwimmen, schlitteln, in den Europapark, wandert und feiert Parties.

Die AlpenPowerParty, in diesem Jahr am 11. September, hat sich als überregionaler Anlass etabliert.

Generationenkonflikt als Thema

Im Dezember 1969 organisierte die Landjugend für die erste Zusammenkunft einen Diskussionsabend zum Thema «Alt und Jung – unsere Beziehung zu den Eltern». Ausgiebig diskutierten die jungen Leute die verschiedenen Positionen und Lösungsmöglichkeiten des Generationskonfliktes durch Aussprache und Verständnis für einander.

«Durch zwei harte Köpfe entstehen bald zwei Meinungen», heisst es im Protokoll. Mit starken Nerven, gutem Willen und ein wenig Rücksicht könne man die schwierige Zeit, in der die Jugend gegen die Starrköpfigkeit der Älteren ankämpften überbrücken, steht darin weiter. Im Jahr 1970 fand dann die erste HV statt sowie ein Vortrag von Kantonsrat Horder zum Thema «Die Zukunft der Landwirtschaft».

Junge Frauen von damals

Die Mitglieder der Landjugend kamen aus unterschiedlichen Berufen und gesellschaftlichen Schichten. Auch wenn die Initiative von den Jugendlichen aus bäuerlichen Verhältnissen gekommen sei, sagte Gründungspräsident Eduard Amrhein. «Hätten wir nur Bauern aufgenommen, wären wir ein kleines Grüppchen geblieben.» Auch wurden von Anfang an evangelische Mitglieder aufgenommen. Heute ist die Landjugend überkonfessionell. Ihr gegenwärtiger Präsident Erich Kuratli, Dreien, ist evangelisch.

Zur Party kamen viele Ehemalige. Jetzt war vom Generationenkonflikt nichts zu spüren. Hildegard und Arnold Schmid kamen mit ihren Teenager-Kindern. Die jungen Leute hatten einen Tanzkurs besucht und übten an der Jubiläumsparty. Am Sonntag waren dann die Ehemaligen eingeladen zum Brunch. Alte Protokolle und Fotoalben riefen vergangene Zeiten in Erinnerung. «Ich geh jetzt noch junge Frauen anschauen», sagte ein Mann mit grauen Haaren. Als er den missbilligenden Blick seiner Ehefrau sah, ergänzte er schnell: «Auf den Fotos von damals.

Damals waren sie junge Frauen.»