Die Wildenburg hat nicht gebrannt

Die Konservierung des Mauerwerks der ehemaligen Wildenburg in Wildhaus wird nächste Woche in Angriff genommen. Wichtige Vorarbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Das Ziel der Sanierung ist, die Ruine für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hanspeter Thurnherr
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WILDHAUS. Eine Stiftung, der Bund, der Kanton sowie die Gemeinde als Bauherr finanzieren die Sanierung der Wildenburg. Bei den ersten Arbeiten ist klar geworden, dass die Burg nicht abbrannte und wohl auch nicht willentlich zerstört wurde. Die rund 700 Jahre alte Wildenburg war lange Zeit kaum mehr sicht- und erkennbar. Teilweise war sie unter dem Schutt eingestürzter Mauerteile begraben. Büsche und Bäume, welche das Bauwerk überwucherten, drohten mit ihren Wurzeln, die letzten noch intakten Mauern zu zerstören. Dies war der Stiftung Schwendi Obertoggenburg nicht entgangen. «Sie hatte festgestellt, dass der Baumbestand massive Zerstörungen am Mauerwerk anrichtet und war der Meinung: Es sollte etwas gehen», sagte Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann gestern vor Ort. Deshalb wurden als erste Massnahme anfangs 2011 rund 40 grosse Bäume, welche auf den Mauern und dem Schutthügel der Ruine wuchsen und das Mauerwerk zu zerstören drohten, gefällt.

Bund und Kanton finanzieren mit

Nächster Schritt war die Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes durch Gemeinde und Kanton. An der Finanzierung der auf 320 000 Franken geschätzten Kosten beteiligen sich der Kanton mit 35 Prozent und der Bund mit 20 Prozent. «Den Rest teilen sich Gemeinde und Stiftung», erklärte Rolf Züllig. Pierre Hatz, Leiter Denkmalpflege des Kantons, zeigte sich erfreut, «dass etwas gemacht wird. Wir können Beiträge sprechen, wenn auch die Gemeinde etwas gibt.» Von Seiten der Stiftung zeigt man sich erfreut, wie schnell Bund und Kanton mitgezogen haben und dass diese Sanierung so schnell zustande kam.

Keine archäologische Grabung

Inzwischen sind die Vorarbeiten abgeschlossen, so dass nächste Woche die eigentlichen Konservierungsarbeiten beginnen können Bei der Beseitigung des Schuttes im Innern des Turmes sind auch einzelne Stücke – zum Beispiel glasierte und unglasierte Ofenkacheln und Metallgegenstände – gefunden worden. «Eigentliche archäologische Grabungen wurden nicht gemacht. Der Schutt wurde nur so weit abgetragen, dass man den Turm konservieren kann», erklärte Archäologe Jakob Obrecht bei der gestrigen Begehung vor Ort. «Sicher ist aber, dass der Turm nicht gebrannt hat. Er scheint einfach geräumt worden zu sein. Es gibt nämlich auch keine Hinweise, dass die Wildenburg mutwillig zerstört wurde» schloss Jakob Obrecht.

Verwertbare Steine gefunden

In den letzten zwei Wochen ist der ehemalige Hauptturm der Burg von Schutt befreit und das Mauerwerk gereinigt worden. So konnte auch der Ist-Zustand der Burg dokumentiert werden. Inzwischen sind auch eine Baupiste als Zufahrt gebaut und die Baustelleninstallation erstellt worden. Die Zufahrt wird nach Ende der Sanierungsarbeiten zu einem Wanderweg zurückgebaut.

Altes neu herstellen

Um das Mauerwerk konservieren zu können, müssen ganze Mauerpartien abgebrochen und neu hergestellt werden. Andere Mauerteile müssen frisch aufgebaut werden. «Zum Glück haben wir im Schutt genügend verwertbare Steine gefunden», sagt Archäologe Jakob Obrecht, der das Konzept für die Sanierung erarbeitet hat.

Die Arbeiten werden durch die Firma Gabau Hoch- und Tiefbau AG Wildhaus ausgeführt.

Öffentlich zugänglich machen

Gemäss Geschäftsleiter Ralph Gantenbein besteht die Hauptarbeit darin, die Mauern zu sichern. Dazu werden die Steine mit speziellem Kalkmörtel gesichert. Denn «der Mörtel soll nicht härter sein als der Stein», erklärt Jakob Obrecht.

«Wir möchten das von der ursprünglichen Burg noch Vorhandene wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen. Denn die Wildenburg ist nicht mehr im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung», umschreibt Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, das Ziel der Sanierung. Rolf Züllig ergänzt: «Ohne die namhafte finanzielle Unterstützung durch die Stiftung Schwendi Obertoggenburg wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.»