Das Nora-Navi 3

Das Nora-Navi hat uns nach Berlin geführt. Zu Nora Tschirner. Wir stehen vor ihrem Haus. Sie steht vor uns. Und sie hat Kuchen in der Hand. Als ich die Tür öffnen will, merke ich, wie mein Sohn an meiner Schulter rüttelt. «Vati», ruft er. «Vati, los, aufwachen.

Lars Syring
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Bild: Lars Syring

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Das Nora-Navi hat uns nach Berlin geführt. Zu Nora Tschirner. Wir stehen vor ihrem Haus. Sie steht vor uns. Und sie hat Kuchen in der Hand. Als ich die Tür öffnen will, merke ich, wie mein Sohn an meiner Schulter rüttelt. «Vati», ruft er. «Vati, los, aufwachen.» Ich merke, dass ich eingeschlafen bin. Langsam kämpfe ich mich zurück in den Tag. «Wo sind wir denn?»

«In Wolfenbüttel», sagt Noras Stimme vom Navigationssystem. «Du bist eingeschlafen. War es schön? Hast du gut geträumt?»

«Hm, ja, schon», sage ich und mag nicht recht damit herausrücken, was ich genau geträumt habe. Nora rettet mich: «So, die Pause ist vorbei. Weiter geht's.»

Ich drehe den Zündschlüssel herum und wir fahren los. Noch 250 Kilometer bis Berlin.

Dann taucht endlich das echte Berlin auf. «Guck mal da, der Fernsehturm. Da ist der Alexanderplatz.» Wir fahren die Schönhauser Allee entlang. «Hey, da ist die Apotheke, in der Eva gearbeitet hat. Und da kommt schon das Stadtkloster Segen!» Mein Sohn ist auch aufgeregt.

«Na du kennst dich aber jut aus», sagt Nora. Mein Sohn fühlt sich geschmeichelt.

«Wollen wir im Stadtkloster übernachten?», fragt er.

«Mal sehen», sage ich, plötzlich unsicher, auf was ich mich da eingelassen habe.

«Noch'n bisschen», sagt Nora und nach einer kurzen Weile sind wir am Ziel.

«So, hier isses», sagt Nora, «ihr seid bei mir.» Wir stehen vor einem beeindruckenden Haus, das muss ich zugeben. «Hier wohne ich», sagt sie. Plötzlich geht die Haustür auf und Nora kommt direkt auf uns zu. «Hey, schön, dass ihr hier seid.» Verwundert reibe ich mir die Augen. Mein Sohn freut sich.

Dann höre ich von irgendwoher die Stimme meiner liebreizenden Frau. «Lars, komm, wir gehen weiter.»

«Hm?» Benommen reibe ich mir die Augen. Ich blicke umher. Das Meer rauscht. Die Möwen kreischen. Die Nordsee.

«Oh, bin ich eingeschlafen?»

«Ja, sieht so aus», sagt sie. «Los, komm.»

Während ich mich noch frage, ob das jetzt das nächste Navi ist, sehe ich an der Flutkante eine Frau mit schwarzen Haaren vorbeihuschen. «Das ist doch», denke ich, «das ist doch…»

Bild: Lars Syring

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