Bewegende Erlebnisse einer Tutsi-Frau

Am Sonntagmorgen berichtete im Gottesdienst der Freien Christengemeinde in Ebnat-Kappel Denise Uwimana-Reinhardt, wie sie den grausamen Völkermord im Jahr 1994 an den Tutsi in Ruanda überlebte. Sie erzählte auch vom Dienst an traumatisierten Menschen.

Drucken
Denise Uwimana-Reinhardt mit ihrem Mann Wolfgang Reinhardt (rechts). Eine Tante von ihr war Kindermädchen bei den Ebnat-Kapplern Lucie und Alfred Tobler (links) als diese als Missionare in Ruanda wirkten. (Bild: pd)

Denise Uwimana-Reinhardt mit ihrem Mann Wolfgang Reinhardt (rechts). Eine Tante von ihr war Kindermädchen bei den Ebnat-Kapplern Lucie und Alfred Tobler (links) als diese als Missionare in Ruanda wirkten. (Bild: pd)

Am Sonntagmorgen berichtete im Gottesdienst der Freien Christengemeinde in Ebnat-Kappel Denise Uwimana-Reinhardt, wie sie den grausamen Völkermord im Jahr 1994 an den Tutsi in Ruanda überlebte. Sie erzählte auch vom Dienst an traumatisierten Menschen.

Über eine Million, das waren zwei Drittel der Tutsi, überlebte das Morden durch die Hutu in Ruanda nicht. 500 000 Frauen wurden vergewaltigt und die Hälfte davon mit dem HIV-Virus angesteckt. Während 100 Tagen war die heute 47jährige Frau voller Furcht und Schrecken und ständig in Lebensgefahr. Ihr Mann kam ums Leben. Wie durch ein Wunder wurde sie verschont. Die Geburt ihres dritten Kindes überstand sie in grösster Gefahr. Einmal verbarg sie sich mit ihrem Säugling hinter einer angelehnten Tür. Sie wurde nicht entdeckt und zwei ins Haus geworfene Granaten explodierten nicht.

Unbegreifliches Leid

Das Wort von Gott durch einen Hutu-Christen «Du wirst noch viele Probleme bekommen, aber ich werde dich beschützen» bewahrheitete sich für Denise Uwimana-Reinhardt mit unvorstellbarer Härte. Sie kämpfte oft mit Gott und fragte: «Welche Sünden haben die Tutsi begangen, dass sie wie Fliegen getötet werden?». Und doch versprach sie Gott, dass wenn sie überlebe, sie allen Menschen erzählen werde, dass er ein grosser, treuer und mächtiger Gott sei. Sie werde alle ermutigen, Gott treu zu sein. Als der Horror vorbei war, war auch sie traumatisiert. Abgesehen von ihren Kindern hatte sie alles verloren. Nach und nach wurde ihr klar, dass Gott mit ihr etwas vorhatte. In ihr sprach die Stimme Gottes, dass sie nicht Böses mit Bösem vergelten sollte. Gott bewirkte nach und nach, dass sie den Hutu in Liebe begegnen, helfen und von Herzen vergeben konnte.

Geschichte festgehalten

Bei den Tutsi liegen ihr besonders die Witwen und Waisen am Herzen. Vergebung, Versöhnung und seelsorgerliche Aufarbeitung der Traumas trugen schon viel zu einem neuen Frieden im Land Ruanda bei. Unterdessen lebt Denise Uwimana-Reinhardt mit ihrem zweiten Mann Wolfgang Reinhardt in Deutschland und hilft von dort aus. Im Buch «Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords» erzählt sie ihre Geschichte und die des ruandischen Volkes. Lisa Leisi