Ausnahmezustand im Schönbüel

Das Ferienhaus Töss in Wolfhalden lag während Stunden im Zentrum eines Katastrophengebiets. Rund um die Ferienkolonie übte die Regiwehr, wie man mehrere Rettungen gleichzeitig koordiniert.

Michael Genova
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Statistinnen halfen bei der Simulation eines realistischen Ernstfalls. (Bild: mge)

Statistinnen halfen bei der Simulation eines realistischen Ernstfalls. (Bild: mge)

WOLFHALDEN. Aus einem der oberen Fenster der Ferienkolonie Töss steigt Rauch auf. Drei Mädchen schauen aus den anderen Fenstern. Sie haben Schrammen im Gesicht und scheinen verletzt zu sein. Eines der Mädchen fragt: «Habt ihr Angst?» Einen Augenblick später brausen die Einsatzwagen der Regionalen Feuerwehr Heiden-Grub-Eggersriet-Wolfhalden (Regiwehr) heran. Es ist Hauptübung, und der Kommandant Colin Victor Harrison hat sich für Einsatzleiter Stephan Schmocker etwas Besonderes einfallen lassen.

Aufträge im Sekundentakt

In der Ferienkolonie brennt es, im Baum gegenüber hängt ein abgestürzter Gleitschirmflieger und zwei Frauen sind in das benachbarte Schwimmbecken gefallen. Kommandant Harrison kündigt ausserdem die Landung eines Helikopters an und verweist auf das Postauto, das in einer Stunde die Strasse vor dem Ferienhaus Schönbüel passieren muss. In einem solchen Chaos nicht die Übersicht zu verlieren, ist die Hauptaufgabe von Einsatzleiter Schmocker. Er überlegt kurz und gibt dann den Befehl, zuerst die Mädchen aus dem brennenden Ferienhaus zu retten. Danach vergibt Schmocker im Sekundentakt weitere Aufträge. Er muss 90 Feuerwehrleute koordinieren, die während der Hauptübung im Einsatz stehen. Dazu kommen die 13 Fahrzeuge der Regiowehr, die auf der Strasse stehen: Tanklöschfahrzeuge, Rüstwagen, Mannschaftstransporter. In der Zwischenzeit sind die meisten Kinder aus dem brennenden Haus gerettet – doch die Katastrophe will nicht enden. Ein Auto ist in der Linkskurve nach der Ferienkolonie vom Weg abgekommen und ins Tobel gestürzt. Der Lenker ist eingeklemmt und muss gerettet werden. Wieder muss Schmocker innert Sekunden eine Entscheidung fällen.

Lästige Presseleute

In diesem Moment taucht zu allem Übel ein Reporter auf und will Fragen stellen. Silvan Niederer, der Gehilfe des Einsatzleiters, reagiert professionell: «Könnten Sie bitte zur Seite gehen, wir schauen das nachher zusammen an.» Er schirmt seinen Chef ab und gibt Minuten später über den Stand der Rettung Auskunft.

Am Rande eines weiteren Verkehrsunfalls tauchen die geretteten Mädchen aus der Ferienkolonie wieder auf. Eines sagt: «Wir sollten eigentlich dringend aufs WC, mussten aber warten, bis wir gerettet wurden.»