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Hier wird die letzte Swisscom-Telefonkabine der Schweiz abmontiert – sie erhält ein besonderes Plätzchen

Die letzte Swisscom-Telefonkabine wird abtransportiert

Die letzte Swisscom-Telefonkabine wird abtransportiert

Das letzte Publifon stand in Baden und wird nun ins Musem für Kommunikation in Bern gebracht.

Die schweizweit letzte von Swisscom betriebene Telefonkabine ist reif für das Museum: Mit einem Kran ist am Donnerstag in Baden AG das letzte Publifon abmontiert worden. Damit geht eine 140 Jahre dauernde Ära zu Ende.

Üblicherweise laden Telekommunikations-Unternehmen die Medien ein, wenn sie eine technische Neuigkeit vermarkten wollen. Im Fall der Telefonkabine in Baden ist es gerade umgekehrt: Es ist der Schlusspunkt unter die Geschichte einer öffentlichen Ikone.

Vor laufenden Kameras hob ein Kran das letzte von Swisscom betriebene Publifon an der Bruggerstrasse 164 in Baden in die Lüfte. Wieder aufgestellt wird die ursprünglich 1962 montierte Telefonkabine im Museum für Kommunikation in Bern - als stille Zeugin einer vergangenen Zeit.

Das sagt der Publifon-Verantwortliche Pierre-Antoine Favez zum Abbau der letzten Swisscom-Telefonkabine:

«Es ist ein komischer Moment»

«Es ist ein komischer Moment»

Pierre-Antoine Favez, Leiter Publifone bei Swisscom, ist unter anderem für den Abbau der Publifone verantwortlich, von denen das letzte am 28. November 2019 in Baden entfernt wurde.

Das Aus für die gute alte Telefonkabine hat sich schon seit langem abgezeichnet. Der Bedeutungsverlust begann mit dem Siegeszug des Handys Ende der 1990er Jahre. Vor knapp 25 Jahren waren in der Schweiz mehr als 58'000 private und öffentliche Publifone in Betrieb.

In praktisch jeder Gemeinde stand eine Telefonkabine - so schrieb es der Bund Swisscom beziehungsweise dem früheren Staatsbetrieb "Schweizerische Post, Telegrafie und Telefonie (PTT)" vor. In den Kabinen, in denen oft der Geruch von kaltem Zigarettenrauch hing, waren auch immer eine Reihe von Telefonbüchern montiert.

Telefonkarten als Sammlerobjekt

Wer kurz oder lange telefonierte, bezahlte die Gespräche mit Münz oder mit einer Telefonkarte. Diese farbigen Karten mit Magnetstreifen entwickelten sich für Sammler zu Objekten der Begierde. Swisscom nimmt noch gültige "Taxcards" übrigens bis Ende Februar zurück.

In den Jahren 2004 bis 2016 brach die Zahl der Gespräche gemäss Swisscom um 95 Prozent ein. Bei den Publifonen der Grundversorgung sank die Zahl 2016 um einen Drittel. Mehr als 1000 Geräte blieben über Tage hinweg unbenutzt. Die Kosten für Betrieb und Unterhalt liessen sich nicht mehr mit den Gesprächseinnahmen decken.

Swisscom ist seit dem vergangenen Jahr nicht mehr verpflichtet, "öffentliche Fernsprechstellen mit Vorauszahlung (Münzen oder Telefonkarten" zu betreiben. In den letzten zwei Jahren baute die Swisscom rund 3000 Publifone zurück.

In Schwung hält das Unternehmen jedoch noch Publifone im Auftrag von Spitälern, Restaurants, Schulen oder Privaten. 150 runde Glaskabinen ("Telecabs 2000") bleiben: Das Werbeunternehmen APG/SGA finanziert als Betreiberin der Kabinen Gratisanrufe in die Schweizer Fest- und Mobilfunknetze. Die Kosten für Unterhalt, Reinigung und Gespräche werden unter anderem durch Plakate mitfinanziert.

Kabine als Gewächshaus

Die Telefonkabine von der Bruggerstrasse in Baden kommt nun ins Museum für Kommunikation in Bern. Die letzte Telefonkabine repräsentiere für das Museum eine "Art Festnetztelefonie-Leitfossil", hält Museums-Kurator Juri Jaquemet. Es handle sich nicht nur um ein technisches Artefakt, sondern damit verbunden seien auch kulturelle Techniken und Prozesse.

Rund 650 andere Telefonkabinen wurden zweckentfremdet - oder nett ausgedrückt: umgenutzt. Sie dienen nun als Getränke- oder Snackautomaten, als Standorte für Defibrillatoren, Bücherschränke oder Bars. Die Swisscom organisierte im vergangenen Jahr sogar einen Wettbewerb mit den zehn besten Ideen für ein zweites Leben der Kabinen.

Es gewannen die Ideen für ein vertikales Gartenhaus, für ein Tomatenhäuschen, für eine "Do-it-yourself"-Galerie, für eine Mini-Disco oder für die kleinste Kunstbühne. Die Zeiten ändern sich.

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