Coronavirus - Session

«Ein bisschen DDR-Stimmung» in der neuen Parlamentsumgebung

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen macht ein Foto des Geländes am ersten Tag der ausserordentlichen Session der Eidgenössischen Räte zur Corona-Krise in einer Ausstellungshalle der Bernexpo in Bern.

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen macht ein Foto des Geländes am ersten Tag der ausserordentlichen Session der Eidgenössischen Räte zur Corona-Krise in einer Ausstellungshalle der Bernexpo in Bern.

Die neue Umgebung in der Bernexpo ist für die meisten eidgenössischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier gewöhnungsbedürftig. Es ist leiser und weitläufiger als im Bundeshaus. «Ein bisschen DDR-Stimmung», so der Eindruck von SP-Ständerat Christian Levrat.

Er sei zwar sehr froh, dass sich der National- und der Ständerat wieder treffen könnten, sagte Levrat nach einem Sandwich in der Cafeteria im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber es sei alles sehr formell; er befürchte, dass die formellen Gremien mehr Bedeutung erhalten würden in dieser Umgebung.

"Die Politik lebt von Zwischengesprächen und schnellen Abmachungen", betonte der Freiburger Ständerat. Die soziale Distanz in den riesigen Räumlichkeiten kille diesen Mechanismus.

Sie nehme eine gewisse Ehrfurcht vor den Dimensionen wahr, beschrieb die Grüne Basler Nationalrätin Sibel Arslan ihre ersten Eindrücke Und es sei spannend, weil noch niemand genau wisse, wie es laufen werde. Die Hemmschwelle für etwas heftigere Auseinandersetzungen könnte deshalb zumindest am Anfang der Session höher sein.

Im Bundeshaus manchmal Kopfweh

"Im Bundeshaus ist es oft so laut, dass man am Abend Kopfweh hat", erinnert sich der Basler SP-Nationalrat Beat Jans vor der Tür zur "Riesenhalle". Hier sei es viel ruhiger, die Akustik jedoch sei gewöhnungsbedürftig.

Und er spricht ein Paradox an. Man habe zwar sehr viel mehr Platz auf den Pulten, den brauche man jedoch gar nicht, weil praktisch alles online laufe. Der Kontrast zum Bundeshaus mit all den Papierbergen auf den einzelnen viel kleineren Pulten ist offensichtlich. Auch deshalb sei dort die Betriebsamkeit viel grösser, weil ständig Dokumente verteilt würden, so Jans.

Weiter äusserte Jans Befürchtungen, dass die grossen Distanzen dazu führen könnten, dass die Überwindung grösser werde, mit dem politischen Gegner das Gespräch zu suchen.

"Weniger es Glöif"

"Fasch gäbiger" sei es in der Bernexpo, sagt der Berner BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler. Auch er schätzt die grosszügigen Platzverhältnisse. Alles scheine ihm disziplinierter und es gebe weniger "es Glöif". Das Raumklima habe aber noch Luft nach oben, es sei etwas zu warm.

Der Grüne Berner Nationalrat Kilian Baumann hat den Saal kurz verlassen mit dem Smartphone am Ohr, weil ihn die Kita sucht, die sein jüngster Spross seit Montag wieder besuchen darf. Die neuen Umstände seien "sehr gewöhnungsbedürftig", stellt er nach gut einer Stunde im Saal fest. Auch er spricht zuerst von den grösseren Distanzen und den grosszügigeren Platzverhältnissen auf dem Pult.

Es seien insgesamt merkwürdige Umstände, in denen er sich befinde und organisieren müsse. Kommende Woche beginne wieder die Schule. Er und seine Frau haben drei Kinder zu betreuen respektive die Betreuung für die Kinder zu organisieren. "Die Organisation von Mandat, Beruf und Familie ist schwieriger geworden, alles ist zusammengebrochen in den letzten Wochen."

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1