Maturarbeit

Saima Sägesser zeichnet für ihre Maturaarbeit «einfach nackte Körper»

Saima Sägesser mit ihrem Skizzenbuch und im Hintergrund an der Wand einer aktuellen Arbeit.  uby

Saima Sägesser mit ihrem Skizzenbuch und im Hintergrund an der Wand einer aktuellen Arbeit. uby

Die Gymnasiastin Saima Sägesser berichtet über ihr aussergewöhnliches Vorhaben für die Maturaarbeit Akte zu zeichnen. Auch zur Arbeit gehört die Gestaltung einer Ausstellung.

«Es ist etwas schwierig, als Jugendliche eine ältere Person zu fragen, ob sie für mich Akt stehen würde.» Saima Sägesser muss laut lachen. Sie haucht in diesen Tagen der Chrämerhus-Galerie viel Leben ein. Die 17-Jährige, ihre Mutter ist Finnin, der Vater Schweizer, verbringt dort ihre Ferientage mit intensivem Malen.

Als Maturaarbeit Aktmalen

Bald beginnt der Unterricht im Gymnasium wieder. Und in wenigen Monaten, genauer Anfang November muss die Gymnasiastin ihre Maturarbeit abgeben. Sie hat als Schwerpunktfach Zeichnen und als Maturarbeit Aktmalen gewählt. «Zuerst wollte ich ein Theater schreiben, weil ich mich dafür auch stark interessiere und auch selber Theater spiele», berichtet die quirlige, junge Frau. «Dann habe ich mich aber für das Thema Aktmalen entschieden.»

Inhalt der Arbeit sind das Malen der Bilder und die Gestaltung einer Ausstellung. Dazu gehört eine theoretische Arbeit über die Geschichte der Aktmalerei, über die Proportionen des menschlichen Körpers und darüber, wie man eine Ausstellung organisiert.

Modelle aus dem Freundeskreis

Sägesser zeichnet gerne, wie sie sagt, habe aber bisher nicht regelmässig künstlerisch gearbeitet, wie sie es nun für die Maturarbeit tue. In den Ferien sei sie bisher jeden Tag im Atelier gewesen. Ausnahme war das zweiwöchige Welt-Pfadilager in Schweden. Am Boden liegt ein Skizzenbuch mit Zeichnungen nackter Körper, die sie als Grundlage für ihre Malerei verwende. «Ich lade Leute aus meinem Freundes- oder Verwandtenkreis ein, mir Modell zu stehen.»

Die ersten Skizzen habe sie bei ihrem Freund angefertigt. Später besuchten die Modelle Saima Sägesser in ihrem Heim. «Die meisten kamen nun aber hierher in die Galerie.» Viele Kontakte knüpfte sie mit Jugendlichen aus dem Freundeskreis. «Dann konnte ich auch meine Mutter gewinnen und eine ihrer Arbeitskolleginnen, die schwanger war.» Mit der Zeit meldeten sich auch Fremde, die Saima Sägesser über ihren Freundeskreis vermittelt bekam.

Für die Maturaarbeit den Prozess aufzeigen

Aufgrund der Skizzen überlege sie sich ein Konzept. «Welche Farben will ich verwenden, wie gross soll die Leinwand sein, wo platziere ich die Person im Bild – sind die ersten Fragen. Dann entscheide ich und beginne.» Oft verwerfe sie aber während der Arbeit das Konzept, weil sie es nicht mehr gut findet. «Für die Maturarbeit ist es eben auch wichtig, den Prozess aufzuzeigen.» Dann weist sie auf die Unterschiede und damit die Entwicklung hin zwischen ihren ersten Versuchen und den aktuellsten Arbeiten.

Dass vor ihr nackte Menschen stehen, beeinflusse sie nicht. «Ich bin ja nicht nackt, ich zeichne einfach nackte Körper.» Hemmungen seien schon spürbar. «Alle beklagen sich anfangs, dass sie kalt hätten. Und Männer haben oft Angst, dass sie ihren Körper nicht im Griff hätten. Aber ich finde es etwas Natürliches, ich zeichne sie nur ab und ich berühre sie ja nicht einmal.» Sie hätte auf jeden Fall nie gemerkt, dass jemand die Kontrolle verloren habe, sagt sie und lacht erneut.

Malsession mit fünf Männern

Als Beispiel nennt sie eine Malsession mit fünf Männern. «Erotik war nie ein Diskussionspunkt. Es war aber sehr amüsant, den Gesprächen zuzuhören. Ich könnte mir vorstellen, so reden Männer in der Dusche nach dem Sport.» Viele hätten ihr erzählt vergessen zu haben, dass sie nackt seien. «Obwohl es für sie ja das erste Mal war.»

Saima Sägesser erzählt unbefangen. «Ich habe das Gefühl, das Malen gelingt mir immer besser. Ich traue mir auch mehr zu.» Ihre Fragestellung lautet: Wie stark kann man den menschlichen Körper abstrahieren in Farbe und Form, dass man trotzdem noch dem Akt sieht.

Aber warum Akt? «Das fragen mich viele Leute. Als klar war, dass ich malen werde, dachte ich für mich, dass ich noch nie im Oberaargau Aktmalerei gesehen hatte. Ich habe dies recherchiert und mich dafür entschieden. Vielleicht auch zum Schauen, wie die Leute reagieren.» Jetzt sei es ein Thema, das sie begeistere. «Nicht wegen erotischer Aspekte, sondern weil ich es spannend finde, wie der Körper immer wieder andere Posen einnehmen kann.»

Freitag, 2., bis 16. September, Saima Sägesser, Aktmalerei, Chrämerhus-Galerie. Vernissage: Freitag, 2. September, 19 Uhr.

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