Ursenbach

Regionalkonferenz: Viele Sympathien für den Langenthaler

Treten an: Patrick Freudiger (rechts) und Thomas Rufener. (Bild: bar / oaw)

Patrick Freudiger überzeugte das Publikum von sich. (Archiv)

Treten an: Patrick Freudiger (rechts) und Thomas Rufener. (Bild: bar / oaw)

Auf Einladung von drei Gemeinden wurde über die Regionalkonferenz Oberaargau diskutiert Bei der Diskussion zeigte sich klar, welche Sicht der Dinge die rund 70 Anwesenden für sich zu gewinnen wusste.

Stellt man auf die Vernehmlassung vom letzten Sommer ab, findet sich in den Tälern und Hügeln rund um Ursenbach eine Mehrheit für die geplante Regionalkonferenz Oberaargau: Die Gemeinderäte von Walterswil und Oeschenbach sprachen sich dafür aus, der von Ursenbach dagegen. Berücksichtigt man allerdings die Einwohnerzahl, haben die Gegner die Nase vorn, denn Ursenbach (938 Einwohner) ist grösser als Walterswil und Oeschenbach zusammen (781).

Reber hatte einen schweren Stand

Rolf Reber regiert als Gemeindepräsident von Bannwil ebenfalls eine kleine Gemeinde (682 Einwohner). Am Informationsabend der drei Gemeinden hatte er gegen Patrick Freudiger aus Langenthal (14997 Einwohner) trotzdem einen schweren Stand.

Reber befürwortet die Regionalkonferenz überzeugt, aus dem Publikum jedoch kamen vor allem kritische Voten; Freudiger konnte jeweils auf deutlich mehr Applaus zählen. Bevor die zwei Kontrahenten jedoch unter der Gesprächsführung von Samuel Thomi, Kantonsredaktor beim az Langenthaler Tagblatt, debattierten, stellte Marc Häusler, stellvertretender Regierungsstatthalter, die Vorlage vor.

Emotionen zu etwas Abstraktem

Häusler tat dies betont neutral, erlaubte sich aber eine persönliche Bemerkung: «Ich bin erstaunt, wie viel Emotionen dieses eigentlich abstrakte und komplizierte Thema im Oberaargau weckt.» Häusler wertet dies positiv: «Das zeigt, wie engagiert man sich hier mit dem Thema auseinandersetzt.» Erfreut zeigte er sich denn auch vom ansehnlichen Aufmarsch im Schulhaus Ursenbach. Rund siebzig Personen sorgten dafür, dass nur wenige Stühle leer blieben.

Die Regionalkonferenz sei kein Allerheilmittel, gestand Rolf Reber ein. «Wenn wir sie annehmen, wird nicht einfach alles himmelblau.» Der parteilose Gemeindepräsident von Bannwil zeigte sich aber überzeugt, dass sie gerade kleinen Gemeinden grosse Chancen bietet, die es dann aber auch zu nutzen gelte. «Wir können an verbindlicheren Beschlüssen mitwirken.»

Verbindlicher sei für ihn gleichbedeutend mit zentralistischer, konterte Patrick Freudiger. Die Regionalkonferenz sei eine weitere Vorlage zur Zentralisierung. «Es ist nun einmal so, dass wir im Kantonsparlament eine Mehrheit haben, die die Zentralisierung vorantreiben will.» Der «Zwangskörperschaft» gelte es am 11. März, wenn im Oberaargau entschieden wird, einen Riegel zu schieben.

Aus dem Publikum gab es dafür Unterstützung: Kleine Gemeinden mit einer Stimme könnten nichts ausrichten, auch wenn die Stimmkraft von Langenthal auf sechs von 76 Sitzen beschränkt werde. Das gelte auch für die drei Stimmen von Ursenbach, Walterswil und Oeschenbach zusammen.

Spazieren und gratis parkieren

Überhaupt gebe der Kanton vor, wo die Entwicklung stattzufinden habe: von Niederbipp bis Langenthal und allenfalls noch das Langetental hinauf bis Huttwil. «Bei uns jedoch sollen die Langenthaler spazieren können - und dafür erst noch gratis parkieren, während wir dafür in Langenthal bezahlen müssen», wurde moniert.

Dafür beschäftigten sich die Beamten mit Nebensächlichkeiten wie dem Skilift-Wegweiser in Ursenbach, der im Sommer weg muss, «weil man heute keinem mehr zutrauen kann, zu wissen, dass dann kein Skilift fährt.» Da konnte auch Freudiger seinen Running Gag nicht mehr zurückbehalten: Dass im Fall einer flächendeckenden Einführung der Kulturkonferenz «auch die Oeschenbacher und Walterswiler ans Minarett auf dem Kunsthaus Langenthal bezahlen dürfen, wie heute bereits die Ursenbacher.»

Rolf Reber blieb da bloss der Hinweis, dass die flächendeckende Kulturkonferenz unabhängig von der Frage der Regionalkonferenz ist, «ob das einem passt oder nicht». An diejenigen gewandt, die den mangelnden Einfluss der Kleinen beklagten, hob er hervor: «Ich sehe in der Regionalkonferenz auch ein Mittel gegen den Trend zur Individualisierung, von dem wir auch in den Gemeinden betroffen sind. Wir müssen wieder lernen, uns einzubringen, dann erreichen wir gemeinsam auch etwas - sei es als einzelner Bürger in der Gemeinde oder an der Urne, oder als kleine Gemeinde in der Region.»

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