Langenthal hat aktuell eine Musikszene, die in die Schweiz ausstrahlt. Das hat sicher viel mit Knackeboul und den Mundartisten zu tun. Zu den Langenthaler Musik-Persönlichkeiten gehört auch Stefano Raschi, obwohl dieser seit Langem in Huttwil in einer Wohnung in einem unter Heimatschutz stehenden Bauernhaus eingemietet ist. «In Langenthal kennt mich vom kleinen Kind bis zum Grossätti beinahe jeder», so das Original. Hier mischte er in der Teeniezeit in der Musikszene mit. «Damals sagte man: In Langenthal gibt es den Knack und den Cookie.» Und hierher führt ihn beinahe jeden Tag seine Arbeit in den Balance Boardshop.

Musikalischer Lebenskünstler

Cookie ist eine Abkürzung des Künstlernamens «Cookie the Herbalist», mit dem Stefano Raschi ungleich bekannter ist als mit seinem eigenen Namen. Der Reggae, eine aus Jamaika stammende Musikstilrichtung, ist seine Musik. Mit der Arbeit als Shop-Manager musste Raschi zurückstecken, «sonst hätte ich bald einmal eine Herzbaracke», wie er im Spass sagt.

Den Stress hat sich Raschi selber aufgeladen, denn mit seinem Reggae hat er Erfolg und dementsprechend viele Verpflichtungen. «Ich muss das Eisen schmieden, solange es heiss ist.» Am Wochenende etwa mit einem Kurz-Konzert in einer Livesendung auf DRS Virus, die später auch im Fernsehen zu sehen sein wird.

Von seiner Musik kann Raschi einigermassen leben. «Es ist nicht Pop, und wir reden nicht von Millionen.» Aber es seien doch einige Leute finanziell von ihm und seinen Gagen abhängig. Dazu kommen Einnahmen aus dem CD-Verkauf. Sein aktuellstes Album «Like a Tree», das er im Sommer 2010 eingespielt hatte, war nach zweieinhalb Wochen ausverkauft und wurde bis heute drei Mal nachgepresst.

Vorbild Bob Marley

Zu Hause dominiert ein Poster vom früh verstorbenen Reggae-König Bob Marley das Wohnzimmer. Draufgepinnt ist auch ein kleines Foto von Jimi Hendrix. «Auch ein Musiker, der mir gefällt. Meine Eltern hatten einige gute Platten», begründet er dann sein frühes Interesse für den Reggae. «Marley, Peter Tosh, Black Uhuru, Garnett Silk oder The Wailers, nebst natürlich Bob Dylan und den Rolling Stones», nennt er Protagonisten der Platten seiner Eltern.Musiker, die zu Ikonen seiner Jugend wurden.

Stefano Raschis Vater stammt, wie der Name andeutet aus dem italienischen Sprachgebiet, genauer aus Perugia, wo «Cookies» Schweizer Mutter die Universität besuchte und den Vater kennen lernte. Dort besuchte Stefano Raschi die Grundschule. Sie hätten seine musikalische Karriere immer unterstützt, sagt er. Eine Musikkarriere, die Raschi nicht geplant hatte, machte er doch in Bern das KV und besuchte zuvor gar den Vorkurs der Schule für Gestaltung.

«So eröffneten sich mir immer neue Horizonte. Wäre ich in Huttwil geblieben, würde ich jetzt vielleicht jodeln.» In Langenthal «jamte» er in der Jugendzeit mit den Mundartisten, mit Knackeboul oder der Gruppe Suiceside. «Ich bekam den Übernamen Cookie, weil ich immer Biskuits in den Probenkeller mitnahm.» Raschi half musikalisch im Hintergrund mit, startete aber mit der Zeit seine Solokarriere.

Reggae im Blut

Der 29-jährige Raschi steigt nicht auf die Bühne und singt einfach ein Reggaelied, er lebt den Reggae. «Dazu gehören eine Naturverbundenheit oder die Dreadlocks.» Die zapfenförmig frisierten Haare würden Widerstand symbolisieren und einer Löwenmähne ähneln. Dazu gehört aber auch das Gras («ein heiliges Kraut»), das in den Reggae-Liedern in tausend Wörtern benannt und beschworen wird. Nicht umsonst gibt sich Cookie den zusätzlichen Namen «The Herbalist». «Einer, der sich mit Kräutern auskennt.»

Gemeint ist natürlich Gras oder Cannabis, das Bier der Reggae-Anhänger (Rastas). Er propagiere diese «Droge» nicht, will sie aber auch nicht verteufeln. Und er sei für Jugendschutz. «Ich finde es nicht gut, wenn man als junger Mensch Stoffe dieser Pflanze konsumiert.» Aber «Weed», auch eine spezifische Bezeichnung für Gras, sei halt im Reggae ein Thema. «Man darf Gras nicht gleich setzen mit harten Drogen», ist er überzeugt. Individuell könne der eine oder andere Konsument schlecht auf das Kraut reagieren. Deshalb auch sein Rat an die Jungen, die psychisch und physisch noch in der Entwicklung stecken, davon die Finger zu lassen.

In erster Linie will er aber nicht predigen, er mache Musik, «nicht nur für Rastas, sondern für alle». Die Musik beruhige, strahle Lebensfreude aus, Reggae erzähle Geschichten, spreche über Missstände und widerspiegle, was die Leute eigentlich sagen wollen. «Sie zeigt, was draussen auf der Strasse abgeht oder wie es anders laufen könnte.» Gras sei da nur eines von vielen Themen.

Bereits arbeite er an einem neuen Album für den Sommer 2012. «Vier, fünf Songs sind schon im Kasten.» Zudem wolle er jede Woche auch Konzerte geben. «Aktuell gehts ins Deutsche, dann kommt Griechenland.»