In einem Wohn- und Geschäftshaus in Niederbipp fand die Polizei am frühen Dienstagabend einen toten Mann. Er lag im Parterre in der Werkstatt des Gebäudes an der Oberen Dürrmühlestrasse. Den Hinweis dazu hatte die Kantonspolizei Bern (Kapo) von einer Person erhalten, die Zugang zum Gebäude hatte. Bei Durchsuchungen traf die Kapo im Obergeschoss auf zwei weitere Leichen. Auch diese wiesen Schussverletzungen auf. Bei den Getöteten handelt es sich um zwei zirka 70-jährige Männer – die Brüder H. und K. S. – sowie deren 91-jährige Mutter. Ebenfalls gefunden wurden zwei Faustfeuerwaffen. Ob es sich dabei um Tat- und allenfalls Armeewaffen handle, ist noch offen.

«Auf einmal überall Polizei»

Gegenüber der betroffenen Liegenschaft betreibt Ali Koyuncu seit drei Jahren den «Pizza Service Bipp». Als die Schüsse fielen, habe er gearbeitet. Nicht zuletzt wegen der Strasse habe er nichts bemerkt, erklärte er gestern. «Auf einmal war überall die Polizei», so Koyuncu.

Auch die Sanität sei mit einer Ambulanz da gewesen: «Wir haben die Familie nicht gekannt.» Koyuncu weiss auch nicht, was Heizungs-Installateur H. S. in der Werkstatt wirklich tat. So könne er über die Hintergründe der Tat nur spekulieren: «Wir haben jedoch nie etwas von einem Streit mitbekommen.» Dass so nahe seiner Bude drei Menschen starben, sei «ein Schock».

«Krämer», «Schlitzohr», «bauernschlau»

Auf der Strasse wird E. S. als «Krämer», «Schlitzohr» und «bauernschlau» beschrieben. Der selbstständige Heizungs-Installateur habe zurückgezogen gelebt und sei in der 4000-Seelen-Gemeinde kaum aufgefallen. Das bestätigt auch Gemeindepräsident Manfred Cordari: «Ich kenne E. S. seit Jahrzehnten. Im Dorf war er nicht mehr so beliebt.» Sein privates Umfeld habe sich entsprechend kaum noch in Niederbipp befunden.

Fast täglich sei er dagegen in der Stammbeiz in Wolfwil SO anzutreffen gewesen. Auch seine Autos habe E. S. in den Nachbarkantonen eingelöst: «Das gab im Dorf natürlich zu reden.» Den Niederbippern war denn auch rasch klar, wie es zum Familiendrama kam: «Bruder K. S. kam immer zu kurz», so eine ältere Frau. So soll es um einen Erbstreit gehen, um Ländereien, Immobilien und Bares. Auch die Kapo schreibt: «Es dürfte sich um ein Beziehungsdelikt handeln.»

Vier Mal eine Firma gegründet

Tatsächlich ging E. S. in den 1990er-Jahren einmal Konkurs, so Cordari. Rappelte sich aber wieder auf. Ein zweites Mal, als er sich 2004 scheiden liess, schrammte er knapp am zweiten Bankrott vorbei. Die Ex-Frau zog darauf mit drei Kindern in den Grossraum Bern. Laut Handelsregister hat E. S. bisher vier Mal eine Firma gegründet oder mitinitiiert. Keine ging Konkurs. Das Telefon der einzigen Verwaltungsrats-Kollegin seiner aktuellen Firma wie auch die Homepage von deren Baufirma in Deitingen SO funktionieren aber nicht mehr.

Die Mutter der zwei toten Söhne habe ebenfalls zurückgezogen gelebt. Kirchgemeindepräsident Beat Hirschi sagte, er habe sie ab und zu im Garten vor dem Haus arbeiten sehen. In Anlehnung an spezielle handwerkliche Fertigkeiten des längst verstorbenen Vaters trägt die Familie im Dorf laut Cordari den Übernamen «Familie Super».

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft bestehen keine Hinweise darauf, dass weitere, als die gefundenen drei Personen an der Tat beteiligt waren.