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Neuer Star am Radhimmel: Egan Bernal gewinnt am Gotthard und baut seine Führung aus

Egan Bernal gewinnt zum ersten Mal eine Etappe der Tour de Suisse. Aber der Gesamtsieg ist ihm noch keineswegs sicher. Zeitfahrweltmeister Rohan Dennis hält hartnäckig dagegen.

Daniel Good
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In den Steigungen ist das Leichtgewicht Egan Bernal der Stärkste. Gut zweieinhalb Kilometer vor der Passhöhe lancierte der 22-jährige Kolumbianer in der siebten Etappe den entscheidenden Vorstoss. Er feierte den ersten Sieg an der Tour de Suisse und vergrösserte den Vorsprung im Gesamtklassement vor den beiden letzten Renntagen von 12 auf 41 Sekunden.

Bernal ist – trotz des feingliedrigen Körperbaus – ein guter Zeitfahrer. Aber es gibt noch einen wesentlich besseren Profi in den Prüfungen gegen die Uhr: Weltmeister Rohan Dennis. Der Australier wehrte sich am Gotthard nach Kräften und sitzt dem Leader im Nacken. Dennis büsste als Dritter bloss 23 Sekunden auf Bernal ein. Sein Rückstand wäre zwei Sekunden geringer ausgefallen, wenn ihm Teamkollege Domenico Pozzovivo nicht zwei Bonifikationssekunden vor der Nase weggeschnappt hätte. Der Italiener hätte seinem Captain auf der Ziellinie den Vortritt lassen müssen.

Der Herausforderer kann heute kontern

Trotzdem wird Dennis den hochgelobten Bernal heute wohl als Leader entthronen. Auf dem Programm steht in Ulrichen ein Zeitfahren über knapp 20 Kilometer, in dem Dennis dem Kolumbianer wohl mehr als 41 Sekunden aufbrummen wird. «Ich darf sicher davon ausgehen, dass ich in der Prüfung gegen die Uhr das Leadertrikot übernehme», sagt Dennis. Im knapp zehn Kilometer langen ersten Zeitfahren büsste Bernal 27 Sekunden auf Dennis ein. «Er ist der Stärkste in dieser Disziplin. Ich hoffe, ich kann den Schaden im Rahmen halten und am Sonntag kontern», sagt Bernal. Morgen folgt zum Abschluss der Tour die Königsetappe mit Nufenen, Gotthard und Furka. Der 29-jährige Dennis erklärte seine unerwartete Widerstandskraft am Gotthard so: «Das Kopfsteinpflaster auf der Tremola war gut für mich, weil ich ein Fahrer bin, der im Gegensatz zu den reinen Kletterern fast nie aus dem Sattel geht.»

Egan Bernal unterwegs zum Etappensieg auf der Tremola (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)
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Egan Bernal lässt sich ins Leadertrikot einkleiden. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)
Die Fahrer im Aufstieg auf der Tremola zum San Gottardo. (Bild: Andy Müller / Freshfocus)
Das Team Ineos mit Egan Bernal in den Kehren der Tremola (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)
Mathias Frank beim Aufstieg auf den Gotthard - sein Einsatz blieb unbelohnt. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)
Egan Bernal bleibt im gelben Leadertrikot (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

Egan Bernal unterwegs zum Etappensieg auf der Tremola (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

Diese Woche nie mehr vergessen wird Claudio Imhof. Fast hätte er es geschafft, einen weiteren Tag im Trikot des Bergpreisleaders zu verbringen. Es brauchte schon den Kraftakt Bernals im Finale der gestrigen Etappe, um den Thurgauer Bahnspezialisten von Platz eins zu verdrängen. Bernal hat nun 30 Bergpreispunkte auf dem Konto, Imhof 25.

Mathias Frank setzt sich ab

Auf dem Weg von Unterterzen am Walensee durch das Bündnerland und über den Lukmanierpass zum Gotthard hatten sich aber noch weitere Schweizer in Szene gesetzt. Mit Steve Morabito, Mathias Frank, Gino Mäder und Michael Albasini schafften es gleich vier Schweizer in die achtköpfige Fluchtgruppe. Alle Ausreisser wurden aber am Gotthard wieder gestellt. «Das Team Ineos war nicht einverstanden mit unserer Flucht und liess uns nicht wirklich ziehen», resümierte der Schweizer Meister Steve Morabito im Ziel.

Am längsten widerstand Mathias Frank der Gruppe mit den Favoriten. Der Luzerner war auf Wiedergutmachung aus, nachdem er am Vortag nach Flumserberg seine Ambitionen auf einen Spitzenrang in der Gesamtwertung hatte begraben müssen. Neun Kilometer vor dem Ziel setzte er sich alleine ab, gut fünf Kilometer vor dem Ziel zog Bernals «Ineos-Express» aber an ihm vorbei.

Bester Schweizer war Kilian Frankiny auf Platz 14. Patrick Schelling folgte auf dem 15. Rang. Der St. Galler ist als Zwölfter bester Schweizer im Gesamtklassement.

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