118 Schüsse, aber nur 4 Treffer – Torarmut in der Super League

Beim 0:0 zwischen Lugano und Thun annulliert der Schiedsrichter dank dem VAR zurecht das bereits ausgiebig bejubelte 1:0 der Tessiner

Markus Brütsch
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FC Basel: Hochmut kommt vor dem Fall

Die abnehmende Qualität der Super League ist in letzter Zeit oft beklagt worden. Immerhin konnten sich die Zuschauer bisher wenigstens darauf verlassen, dass sie Tore zu sehen bekommen. Doch nach 17 Treffern am ersten Spieltag wussten die Akteure am Wochenende nun nicht mehr, wo das gegnerische Tor steht. In den fünf Partien fielen lediglich vier Tore. Damit wurde der bisherige Minusrekord, aufgestellt am 29. Spieltag der letzten Saison, egalisiert. Drei torlose Spiele in einer Runde registrierte man zuletzt im Februar 2009. Dass von insgesamt 118 abgegebenen Schüssen nur vier im Tor landeten, spricht nicht für die Klasse der Angreifer. EinTreffer war überdies ein Penaltytor, das St. Gallens Cédric Itten in Basel zum 2:1-Sieg gelang. FCB-Trainer Marcel Koller hatte geglaubt, mehr als die halbe Stammmannschaft für das Spiel gegen Eindhoven schonen zu können, und war damit auf die Nase gefallen.

Nicolas Ngamaleu erlöst Meister Young Boys

Der einzige Torschütze in den drei Sonntagsspielen war Nicolas Ngamaleu, der die drückend überlegenen Young Boys in Neuenburg eine gute Viertelstunde vor Schluss erlöste und sein Team zum ersten Saisonsieg führte. «Ich glaube, ich habe in meiner Karriere noch nie ein Spiel erlebt, wo meine Mannschaft so viel Ballbesitz gehabt hat, wie jetzt gegen Xamax», sagte YB-Captain Fabian Lustenberger. Allerdings hatten die Berner in den letzten Sekunden grosses Glück gebraucht, als sich Xamax-Goalie Laurent Walthert bei einem Corner in den Angriff begab und völlig freistehend zum Kopfball kam, den Ball aber nicht ins Tor brachte.

Baumann und Müller noch ohne Gegentor

Keine Tore fielen in Luzern und Lugano. Zumindest keines, das zählte. Im Tessin hatte Neuzugang Marco Aratore bereits sein zweites Saisontor bejubelt, als der VAR eingeriff und Schiedsrichter Urs Schnyder veranlasste, das Tor zu annullieren. Tatsächlich war diesem eine Offsideposition von Francisco Rodriguez vorausgegangen. «Es tut zwar weh», sagte Aratore, «doch der Entscheid war wohl richtig.» So musste sich Lugano nach dem 4:0-Traumstart in Zürich mit einem torlosen Remis begnügen und sein Torhüter Noam Baumann wird nun am Sonntag in Bern gegen YB eine starke Leistung brauchen, will er sein Tor ein drittes Mal reinhalten.

Dies ist dem Luzerner Keeper Marius Müller bereits gelungen. Nach dem 2:0 in St. Gallen und dem 1:0 im Europacup gegen Klaksvik blieb er beim 0:0 gegen den FC Zürich erneut ungeschlagen. «Das Unentschieden geht in Ordnung», sagte der Deutsche hinterher und hatte damit recht. Die Zürcher ihrerseits waren froh, nach dem Debakel gegen Lugano den ersten Punkt erobert zu haben. «Es war ein Kampfspiel, das auf beide Seiten hätte kippen können», sagt Trainer Ludovic Magnin.

Albert Bunjakus dritter Frühling

Ist Albert Bunjaku ein Bordeaux? Je älter, desto besser. Im November wird der sechs- und dreifache Nationalspieler der Schweiz und des Kosovo 36 Jahre alt, doch das hält ihn nicht davon ab, Tore am Fliessband zu schiessen. Mit elf Treffern hatte er in der letzten Saison seinen Teil dazu beigetragen, dass Vikoria Köln in die 3. Liga aufstieg. Und jetzt ist ihm in dieser Liga ein Traumstart gelungen. Nach zwei Toren beim 3:3 in Rostock schnürte er nun auch beim 3:2 gegen Chemnitz einen Doppelpack.

Eine Liga höher wollte der HSV ohne seine abmontierte legendäre Stadionuhr und die während vielen Jahren gesungene Hymne «Hamburg, meine Perle» zu besseren Zeiten aufbrechen. Das wäre um ein Haar schiefgegangen. Erst in der 96.(!) Minute glichen die Hamburger gegen Darmstadt dank eines höchst umstrittenen Foulpenaltys aus.

Xamax-Goalie Laurent Walthert (in blau) vergibt das 1:1 (Bild: key)

Xamax-Goalie Laurent Walthert (in blau) vergibt das 1:1 (Bild: key)